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Fußballer Jesper Lindström von Bröndby IF bei einem Spiel
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Bald in Frankfurt? Das 21-jährige Offensivtalent Jesper Lindström verlässt Bröndby IF.

Transfers in Frankfurt

Eintracht Frankfurt: SGE geht den Dortmunder Weg

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Es scheint nicht ausgeschlossen, dass bei Eintracht Frankfurt in naher Zukunft blutjunge Spieler in der Bundesliga debütieren – nicht jedoch als Soforthilfen.

Frankfurt – Vor wenigen Wochen noch ging der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche fest davon aus, einen kaugummiartigen Transfersommer zu erleben. „Wenn große Turniere sind, zieht es sich“, sagte der 40-Jährige. Erst recht in diesem Jahr mit den durch Corona ausgelösten Flur- oder Totalschäden. Erst müssten einige große Deals laufen, um auf tieferen Ebenen für Bewegung zu sorgen. „Es wird einen Domino-Effekt geben.“

Bei Eintracht Frankfurt ist der erste Stein recht früh und unerwartet schnell gefallen, Spitzenstürmer André Silva ist für rund 25 Millionen Euro zum Ligakonkurrenten RB Leipzig transferiert worden. Die Einnahme gibt der Eintracht wiederum Spielraum, selbst auf dem Markt aktiv zu werden. Auch wenn gewiss nicht die volle Summe reinvestiert werden kann, schließlich müssen die Frankfurter den Gürtel ganz schön eng schnallen und einen Verlust von 45 Millionen auffangen. Das funktioniert nicht auf die Schnelle, eher sukzessive.

Eintracht Frankfurt: Spektakuläre Transfers wegen Corona-Situation nicht planbar

Erschwert wird die Situation durch die Ungewissheit und schwierige Planbarkeit der bevorstehenden Saison. Der Verein ist auf die sehnsüchtig erwartete Rückkehr des Publikums vorbereitet, hat ausgetüftelte Konzepte in der Schublade. Doch niemand kann seriös vorhersagen, wie es im Spätsommer weitergehen wird. Die Politik hat zwar die Türen geöffnet, doch die halbwegs ausgelasteten Stadien an eine Inzidenz gekoppelt, die nicht über 35 liegen darf. Wer weiß, wie die Zahlen im August, September, Oktober aussehen werden, zumal ja die ansteckendere Delta-Variante auch hierzulande die Überhand gewinnt.

Die Eintracht, und nicht nur sie, ist freilich auf ein Stadion mit Fans und Vip-Kunden angewiesen, pro Geisterspiel gehen ihr 2,5 Millionen Euro flöten. Wo das hinführt, ist leicht zu errechnen. Daher wird sie den Druck auf die Behörden erhöhen, ausgesperrte Fans will sie nicht mehr akzeptieren, notfalls den Klageweg beschreiten.

Aus dieser Gesamtbetrachtung heraus sind keine spektakulären Transfers zu erwarten, eher solche mit Augenmaß und Fantasie. „Wir müssen kreativ sein“, lautet Krösches Credo. Heute, morgen und in der Zukunft. Ein Weg ist der, junge Hochbegabte aus dem Ausland zu entdecken, zu ködern und zu binden. In diesem Zuge hat der Klub bereits drei spanische Talente geholt, die 16-jährigen Enrique Herrero Garcia und Ignacio Ferri Julia sowie den 17 Jahre alten Fabio Blanco, der schon jetzt für die Profimannschaft eingeplant ist. Nicht ausgeschlossen, dass nach Dortmunder Vorbild bald mal ein 16 Jahre alter Eintracht-Spieler in der Bundesliga debütiert. Nur aus dem eigenen Stall am Riederwald wird er eher nicht kommen.

Eintracht holt Hamama

Eintracht Frankfurt hat in Samy Julien Hamama einen einflussreichen Fachmann für die wichtigen Sparten Internationale Beziehungen und Sportprojekte gewinnen können. Der 38-Jährige wird als Bereichsleiter den Verein auf internationalem Parkett vertreten und positionieren. Er soll der Eintracht zu einer lauten Stimme verhelfen. „Wir wollen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten in Zukunft stärker auf den verschiedenen Ebenen international einbringen“, sagt Vorstandssprecher Axel Hellmann. Dafür ist Hamama prädestiniert. Er ist ein Netzwerker, bestens verdrahtet, ein Türöffner und absolutes Schwergewicht in der Branche.
Der gebürtige Frankfurter war jahrelang für die Fifa tätig, von 2016 bis 2021 Büroleiter der DFB-Präsidenten. Im skandalumwitterten Verband geriet er im internen Machtkampf zwischen die Mühlsteine. Der DFB kündigte ihm im März, weil er sich auf angeblich unerlaubte Weise eine Rechnung beschafft und sie ans ZDF weitergegeben haben soll. Die Kündigung war höchst umstritten, der Ethikrat hielt sie für „überhart“ und „unverhältnismäßig“. Hamama wehrt sich, geht gerichtlich gegen den Rauswurf vor, im Februar 2022 wird verhandelt. Die Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung, sprich einer Abfindung, ist gegeben. (dur)

Talenten Zeit geben: Eintracht Frankfurt will bei Persönlichkeitsentwicklung unterstützen

Das kann ein Erfolgsmodell sein, muss es aber nicht. Da spielen viele weiche Faktoren eine Rolle. Niemand kann in diesem Alter vorhersagen, ob die blutjungen Talente fernab der Heimat, in neuer Umgebung und einem anderen Kulturkreis funktionieren und das Rüstzeug mitbringen, um tatsächlich durchzustarten. Da gehört sehr viel mehr als fußballerisches Potenzial dazu, gerade eine starke familiäre Bande und eine gefestigte Persönlichkeit – die sich in jungen Jahren aber eigentlich erst entfaltet. Die Eintracht ihrerseits gewährleistet Unterstützungen aller Art: Rafael Francisco ist der Mann für alle Fälle, der gebürtige Hanauer mit spanischen Wurzeln kümmert sich rührend um die Jungs, „Rafa“ ist die gute Seele und auch mal Kummerkasten.

Als Soforthilfe kommen diese Spieler nicht infrage, dazu taugt schon eher der bis 2025 gebundene Rafael Santo Borré, der gerade bei der Copa America mit Kolumbien im Halbfinale gescheitert ist. Das dramatische Elfmeterschießen erlebte der 25-Jährige von der Ersatzbank, zur Halbzeit war der Mittelstürmer ausgetauscht worden. Borré kommt ablösefrei.

Planung wichtig bei der SGE: Junge Talente mit hohen Ablösesummen

Das ist bei den anderen beiden Sturmkandidaten anders. Sieben Millionen Euro soll Jesper Lindström vom dänischen Titelträger Bröndby IF kosten. Der 21-Jährige, zehn Tore und elf Vorlagen, ist in der Offensive flexibel einsetzbar, womit er klar in das Raster der Sportlichen Leitung passt, die dem Kader vor allem Variabilität und Unberechenbarkeit zuführen will.

Auch für den beim AC Mailand spielenden Jens Petter Hauge müssten die Frankfurter in die Tasche greifen. Der 21-jährige Linksaußen parkt bei den Italienern zwar auf dem Abstellgleis (kein Einsatz in den letzten neun Partien), hat aber noch einen Vertrag bis 2025, was den Preis in die Höhe treibt. Milan fordert deutlich mehr als zehn Millionen Euro für den Norweger, ein erstes Angebot über acht Millionen sollen die Lombarden abgelehnt haben.

Die Eintracht-Verantwortlichen werden daher feilschen, überlegen und abwägen müssen, was sich realisieren lässt und was nicht. Schließlich würde sich Trainer Oliver Glasner auch über einen echten Mittelstürmer klassischer Prägung freuen: Randal Kolo Muani vom FC Nantes etwa. Problem auch hier: die Ablöseforderung der Franzosen. Eintrachts Druckmittel ist die Vertragslaufzeit des 22-Jährigen, der in einem Jahr ablösefrei wäre. Einen Spieler ohne Gegenwert zu verlieren, ist für einen Verein stets die denkbar ungünstigste Variante.

Einnahmen durch Transfers: In Frankfurt denkt man auch an lukrative Verkäufe

Andererseits ist nicht auszuschließen, dass der Klub noch Spieler abgibt. Der Schweizer Steven Zuber ist durch seine überraschend starken Auftritte bei der EM ein Kandidat, der plötzlich für andere interessant geworden ist und also für die Hessen lukrativ werden könnte. Filip Kostic würde rund 20 Millionen bringen, Daichi Kamada sogar so viel wie André Silva. Beide würde Glasner aber gerne halten. Genauso wie die im Markt sehr begehrten Abwehrmänner Tuta und Evan Ndicka.

Klar aber ist: Alle Wunschkandidaten holen und alle Leistungsträger behalten – das wird kaum funktionieren. (Ingo Durstewitz)

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