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Doppelt gemoppelt und gezählt

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Von: Thomas Stillbauer

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Sein Tor zählt doppelt. Daichi Kamada. Foto: dpa
Sein Tor zählt doppelt. Daichi Kamada. © Carmen Jaspersen/dpa

Dass ausgerechnet jetzt die Auswärtstorregel fällt, ist zutiefst ungerecht - ansonsten würde Eintracht Frankfurt henningerturmhoch 4:1 führen.Eine Glosse

An diesem Donnerstag bekommen wir im Waldstadion sportlichen Besuch aus Sevilla. Das allererste Mal, wenn es um etwas geht. Da wäre es doch schön, wenn Eintracht Frankfurt als gute Gastgeberin auftritt, sich aber für eine weitere Runde qualifiziert, um erneut eine gute Gastgeberin sein zu können. Dürfte Konsens sein. Mal abgesehen von der iberischen Halbinsel.

Die Aussichten stehen ganz passabel, vor allem wegen unserer 2K, also Kostic und Kamada, die in Spanien zwei wunderbare Auswärtstore erzielt haben. Die Aussichten stünden aber noch besser, wenn die Sachverständigen nicht so einen Mist machen würden und die Auswärtstorregel beibehalten hätten. Was war schlecht an der Auswärtstorregel?

Milliarden Kinder sind mit der Auswärtstorregel aufgewachsen. Hat es uns geschadet? Im Gegenteil. Rechnen gelernt haben wir mit der Auswärtstorregel. Besser als in jeder Mathestunde.

Es war ja so, dass man selbst als Kind sofort begriff: Auswärtstore zählen doppelt. Und verdoppeln war schon immer eine der beliebtesten Rechenarten. Multiplizieren war schwierig, dividieren noch schwieriger, subtrahieren über eine Hunderterschwelle hinweg war auch kein bunter Teller. Aber addieren, das ging. Und verdoppeln – ein Traum. Dass Auswärtstore nur doppelt zählten, wenn beide Teams in Hin- und Rückspiel die gleiche Anzahl Tore erzielt hatten, konnte da schon mal unter den Tisch fallen.

Trug man in jungen Jahren beispielsweise täglich Tipp-Kick-Turniere aus (die zum eigenen Erstaunen ausschließlich von Eintracht Frankfurt gewonnen wurden, wobei Bernd Hölzenbein ununterbrochen Torschützenkönig wurde), dann notierte man stets ein Gesamtergebnis hinter Hin- und Rückspiel. Das sollte zeigen, welche Mannschaft insgesamt die bessere (und dass Eintracht Frankfurt allen anderen henningerturmhoch überlegen) war.

17:3 gegen Anderlecht

So endete der Tipp-Kick-Vergleich mit dem RSC Anderlecht einmal mit dem Gesamtresultat 17:3 für die Eintracht, nachdem sie auswärts 6:1 und zu Hause 5:1 gewonnen hatte. Logisch. Oder?

Es funktionierte auch im wahren Leben: Die Auseinandersetzung mit AS Monaco in der ersten Runde des Europapokals der Pokalsieger, September 1974, ging 3:0 im Waldstadion und 2:2 an der Cote d’Azur aus, also insgesamt 7:2 für uns. Logisch.

Kollege G. hat damit auch seine Erfahrungen. In der 8. Klasse lieferte er sich mit dem Schulkameraden C. eine Auseinandersetzung. „Ich habe gestern Nacht dann nochmal die Unterlagen über meinen Streit mit C. in der 8. Klasse bzgl. der Auswärtstore herausgesucht“, berichtet er. Bemerkenswert, dass der Kollege bis heute Unterlagen darüber aufgehoben hat. Weiter: „Zur Eskalation kam es, als ich folgendes Beispiel für die Partie der Eintracht gegen den KV Mechelen bildete: Sollte die Eintracht das Heimspiel 2:0 gewinnen, in Mechelen aber 2:5 verlieren, wäre sie nach jeder geltenden Regel (damals wie heute) ausgeschieden. Nach der Logik von C. hätten wir aber in der Addition 6:5 gewonnen, weil unsere beiden Tore in Mechelen ja doppelt zählen.“

Na und? Wenn Eintracht Frankfurt Auswärtstore schießt, ist das doch Gold wert. Okay, ich denk noch mal drüber nach. Die Regel ist ja sowieso abgeschafft. Schade. Hätte man die nicht erst nach dem Hinspiel einkassieren können? Dann müsste Betis an diesem Donnerstag mindestens vier Tore schießen, um weiterzukommen. Am besten, sie schießen gar kein Tor. El cero deve permanecer, wie die Spanierin und der Spanier sagen. Die Null muss stehen. Dann kann sie auch doppelt zählen, von mir aus.

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