Trieb in Basel vergeblich an: Dominik Kohr (Mitte) in guter Frühform.
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Trieb in Basel vergeblich an: Dominik Kohr (Mitte) in guter Frühform.

Kader

Eintracht Frankfurt: Dominik Kohr - der Mann fürs Gallige

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Dominik Kohr, der Berserker bei Eintracht Frankfurt, hat seine gute Form konserviert.

Frankfurt - Eigentlich ist Dominik Kohr nicht gerade als Spätzünder bekannt, eher im Gegenteil. Seinen ersten Ball bekam er, da konnte er kaum laufen, beim TuS Issel ging er als Sechsjährige auf Torejagd, mit 15 wechselte er von Trier zu Bayer Leverkusen, sein Debüt in der Bundesliga machte er mit 18. Doch bei Eintracht Frankfurt, seiner dritten Station im deutschen Fußball-Oberhaus, musste er schon einen längeren Atem mitbringen, ehe der mittlerweile 26-Jährige auf dem Level agiert, der seinen Ansprüchen entspricht. Im Grunde drehte der im Sommer für knapp zehn Millionen Euro vom Werksverein gekommene defensive Mittelfeldspieler erst so richtig nach der Corona-Pause auf. Da zeigte er das, was Eintracht Frankfurt gleich von ihm erwartet hatte.

Warum der Berserker im Mittelfeld eine relativ lange Anlaufzeit benötigte, vermag er auch nicht zu sagen. „Ich verstehe die Ideen des Trainers mittlerweile immer besser“, versuchte er sich vor einiger Zeit mit einer Erklärung - so als hätte der Coach vorher in einer anderen Sprache mit ihm geredet. In diesen letzten Spielen war er wieder der „Hard-Kohr“, der dazwischen fegte und für Zucht und Ordnung im Mittelfeld sorgt.

Kohr, das ist bekannt, ist der Typ Spieler, den eine Mannschaft braucht, einer, der die Kärrnerarbeit verrichtet, der die weiten Wege geht, der dahin rennt, wo es auch mal wehtuen kann – für einen selbst genauso wie für den Gegner. „Ich gehe halt in jeden Zweikampf mit 100 Prozent.“ Kohr ist keiner, der zurückzieht. Zweimal ist er in dieser Saison schon des Feldes verwiesen worden, einmal nach einer Gelb-Roten Karte, einmal mit glatt Rot. Ein Treter ist er dennoch nicht, keineswegs. „Ich bin ein Spieler, der gerne von Box zu Box geht“, beschreibt er sich selbst, ein Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff, und „ein bisschen kicken kann ich auch“. In Berlin etwa, beim 2:1-Erfolg gegen die Hertha, den Andre Silva und Daichi Kamada mit dem Tor des Monats sicherstellten, war der im Privaten eher zurückhaltende Kohr einer der Aktivposten: Er trug enorm viel zur Stabilität des Teams bei.

Wichtig fürs Team war Dominik Kohr aber wegen seiner Dynamik, seiner Aggressivität und Wucht. Er war im Rückspiel der Europa League einer der ganz wenigen, dem man den unbedingten Willen anmerkte, doch noch das Wunder von Basel zu schaffen. Er haute sich rein. Er bringt auch eine andere Note in das Frankfurter Spiel - wenn er weiterhin so auftritt wie zuletzt. Dieses Gallige, Unangenehme, vielleicht auch Eklige geht der Mannschaft ein wenig ab.

Eintracht Frankfurt: Auf Papas Leitsätze gehört

Im Augenblick ist Dominik Kohr im defensiven Mittelfeld gesetzt - nach den Abgängen von Gelson Fernandes, Lucas Torro, Mijat Gacinovic und Jonathan de Guzman verfügt Trainer Adi Hütter ohnehin nur über drei defensiv ausgerichtete Mittelfeldrackerer, neben Kohr noch Sebastian Rode und Stefan Ilsanker. Da dürfte in den nächsten Wochen noch einiges geschehen. Aber wenn der 26-Jährige bodenständige Kohr seine aktuelle Form hält, sollte ihm wegen der Konkurrenz nicht bange sein.

Was Kohr dagegen fehlt (und damit steht er im Frankfurter Mittelfeld wahrlich nicht allein), ist eine gewissen Torgefahr, in den 40 Pflichteinsätzen für die Hessen hat er trotz vieler Versuche gerade einmal getroffen, in der Europa-League-Qualifikation beim 5:0 gegen den FC Vaduz. Das ist insofern eine erstaunliche Volte, weil es im Hause Kohr eigentlich vor Torjägern nur so wimmelt: Vater Harald traf in 97 Bundesligaspielen 45 Mal, Großvater Siegfried für Eintracht Trier in einer Saison 80 Mal und Schwester Karoline, die für die Frauen des 1. FC Köln spielt, trifft ebenfalls regelmäßig. Dominik sind in 171 Bundesligaspielen ganze vier Tore gelungen. Da ist also noch viel Luft nach oben.

Womöglich dauert auch das Toreschießen noch ein wenig. Vater Harald, auf dessen Rat der Filius gerne hört, hat ihm eines mit auf den Karriere-Weg gegeben: „Höre nie auf zu lernen, wer sich anstrengt, wird belohnt. Und der nächste Schritt wird kommen, auch wenn es etwas dauert“, waren Leitsätze des Papas. Sie scheinen sich zu bewahrheiten.

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