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Vaclav Kadlec, hier noch auf der Eintracht-Bank.

Eintracht Frankfurt Vaclav Kadlec

"Dieser Kadlec wäre einer für die Eintracht"

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Eintracht Frankfurt gibt Stürmer Vaclav Kadlec an Sparta Prag ab, der sitzt dort im ersten Spiel zunächst auf der Bank, kommt, und trifft dann. Und das gleich doppelt.

Es gab am Montagabend zwischen vielen fußballaffinen Menschen in Frankfurt regen SMS-Kontakt. Es sollen sogar Kurznachrichten mit Bildern verschickt worden sein, auf denen der Profikicker Vaclav Kadlec eingemummelt in eine schwarze Daunenjacke in der zweiten Reihe auf der Ersatzbank saß und einem Fußballspiel zuschaute. „Stammplatz“, stand noch unter dem Foto. Das war natürlich etwas böse.

Es hat dann noch genau fünf Minuten gedauert, ehe der von Eintracht Frankfurt zu Sparta Prag verliehene Vaclav Kadlec seinen Stammplatz verlassen hatte – und zum Mann des Spiels avancierte.  Der 22-Jährige war in der Partie gegen FK Pribram beim Stand von 1:1 kaum eingewechselt, nach 55 Minuten, da hatte er schon die erste große Möglichkeit, die er noch ausließ. 60 Sekunden später war der Angreifer zur Stelle und brachte Sparta mit 2:1 in Führung.

Damit nicht genug. Beim 3:1 hätte er den Ball fast noch abgefälscht, das erledigte dann der Abwehrspieler mit einem Eigentor. Das 4:1 machte Kadlec wieder selbst, da rutschte er mit einem langen Bein in den Ball. Es war ein typisches Stürmertor. 4:1 gewonnen, zwei Tore gemacht im ersten Spiel – eine Rückkehr wie aus dem Bilderbuch. Und in einer SMS stand zu lesen: „Hast Du schon mal was von diesem Kadlec gehört? Der wäre einer für die Eintracht.“

Perfekter Start

Perfekter hätte es  in der alten Heimat nicht laufen können. Sparta Prag feierte seinen verlorenen Sohn. Doch Kadlec selbst blieb bescheiden: „Wenn man die zwei Tore und das Ergebnis betrachtet, dann hätte der Einstand besser nicht sein können, aber ich  hätte auch noch einen dritten Treffer erzielen können. Da sehe ich Luft nach oben.“ Die lange Spielpause war Kadlec, der im Sturmzentrum spielte und die ungewohnte Nummer drei trägt, kaum anzumerken. „Mir haben die drei Trainingseinheiten geholfen, so dass ich mich mit der Mannschaft einspielen konnte“, sagte Kadlec. „Ich habe mich gut gefühlt, weshalb die lange Pause auf dem Platz nicht zu sehen war.“ Das kann man so sagen.

Kadlec wirkte rundum zufrieden, er blühte fast auf. Das lag auch daran, dass er warmherzig empfangen wurde von den Sparta-Fans, obwohl vorher nicht alle begeistert davon waren, dass er auf Leihbasis zurückkommt. Doch dann empfingen sie ihn beim Aufwärmen mit Applaus,  bei seiner Einwechslung skandierten sie seinen Namen. „Ich war überrascht und sehr erfreut“, erzählte Kadlec. „Denn die Reaktionen waren vorher eher 50:50.“

Kein gelernter Stürmer im Kader

In Frankfurt ist nach Kadlec‘ Einstand nach Maß natürlich sofort wieder eine Debatte entbrannt, ob es wirklich so eine gute Idee war, den Angreifer ziehen zu lassen – ungeachtet der Tatsache, dass die tschechische Liga nicht im Entferntesten mit der Bundesliga zu vergleichen ist. Und doch: Kadlec hat auch in Frankfurt schon bewiesen, dass er etwas kann. Und der Eintracht  steht im kommenden Heimspiel am Samstag gegen den Hamburger SV kein einziger gelernter Stürmer mehr zur Verfügung steht, weil sich Haris Seferovic in Mainz ja seine fünfte Gelbe Karte abgeholt hat. Trainer Thomas Schaaf verwies bei diesen Fragen immer auf andere Alternativen im Kader: Stefan Aigner etwa oder Sonny Kittel, Takashi Inui oder auch Lucas Piazon. Im Zweifelsfall steht natürlich auch Alexander Madlung, die Allzweckwaffe, noch  bereit. 

Vaclav Kadlec, dies zur richtigen Einschätzung, hätte sehr wahrscheinlich selbst jetzt keine Chance bekommen, sich beweisen, weshalb es eigentlich nur konsequent war, ihn abzugeben. Ob es klug war, steht auf einem anderen Blatt.

Ob Kadlec noch mal für die Eintracht spielt, ist ungewiss. Der Leihvertrag mit Sparta endet am 30. Juni, sein Kontrakt in Frankfurt 2017. Dass er in Prag bleibt, gilt als ziemlich ausgeschlossen. Der Klub hat schlichtweg nicht genügend Geld, um Kadlec‘ jetzigen Verdienst auch nur annähernd zu wuppen.

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