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Eintracht-Nachwuchs: Die Youth League ist das Sahnehäubchen

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Von: Daniel Schmitt

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Sieht die Eintracht-Talente auf dem richtigen Weg: NLZ-Chef Alexander Richter. Foto: Eintracht
Sieht die Eintracht-Talente auf dem richtigen Weg: NLZ-Chef Alexander Richter. Foto: Eintracht © Eintracht

Jugendchef Alexander Richter sieht die Talente von Eintracht Frankfurt auf dem richtigen Weg und fordert: „Die Besten sollen noch besser werden.“

Frankfurt – Im Fußballstadion zu Marseille, dem Stade Vélodrome, saßen die Jugendlichen von Eintracht Frankfurt in der Nacht der Schande mittendrin. Auch ihnen, den Youth-League-Spielern des hessischen Klubs, die am Nachmittag des Champions-League-Abends noch gegen die Olympique-Talente um Punkte gekickt hatten, flogen die Bengalos und Raketen um die Ohren. „Da konnte man kein Fußballspiel mehr gucken, sondern hat nur darauf geachtet, nicht von einer Rakete getroffen zu werden“, sagt Alexander Richter, Leiter des Frankfurter Nachwuchsleistungszentrums am Riederwald, über die Eindrücke der vergangenen Woche. Eine unschöne Erfahrung für alle Anwesenden, die Krawallmacher mal ausgenommen.

Eintracht-Nachwuchs: Die Spiele in der Youth League als „Sahnehäubchen“

Der sportliche Wettbewerb dagegen, die Youth League, an der die Eintracht-Talente erstmals teilnehmen, sei „eine sehr schöne Erfahrung“, so Richter. Erst 1:1 daheim gegen Sporting Lissabon, dann 2:2 in Marseille - die Eintracht-Jugendfußballer, die gemeinsam mit den Profis an- und abreisten nach Südfrankreich, zogen sich bislang gut aus der Affäre. Ärgerlich zwar: Der zweite Gegentreffer in Marseille fiel in der Nachspielzeit, geköpft ausgerechnet vom Torhüter, doch sei’s drum. Es zählen andere Dinge, nicht reine Ergebnisse, sondern die Weiterentwicklung der Spieler, an Rückschlägen lässt es sich bestens wachsen.

„Diese Spiele sind Sahnehäubchen für die Jungs“, sagt Richter, in dessen Worten aber auch warnende Töne mitschwingen. Denn: „Die Youth League macht es schwierig, weil die Spieler automatisch ihren Fokus darauf richten.“ Die Konzentration dauerhaft aufrecht zu erhalten fürs „tägliche Brot“, wie Richter die Meisterschaftsrunden in U17, U19 und U21, vor allem auch die „wichtigen Trainingseinheiten“ nennt, sei nicht einfach. „Aber ich mache ihnen keine Vorwürfe“, so der Jugendchef, „selbst der FC Bayern gewinnt innerhalb einer Woche erst gegen Barcelona und verliert dann gegen Augsburg.“

U21 von Eintracht Frankfurt in der Hessenliga vorne mit dabei

Spürbar ist, dass die regelmäßigen Spiele auf europäischer Bühne den Beteiligten Energie kosten. Dass etwa die U21 beim vormaligen Schlusslicht Steinbach II überraschend verloren hat, sei auch damit zu erklären, dass tags drauf die Reise nach Marseille anstand, an der einige der Hessenliga-Spieler teilnahmen. Verrutschter Fokus, logisch wie ärgerlich.

Auch für die Verantwortlichen ist der Organisationsaufwand erheblich, müssen nun etwa zusätzlich internationale Gegner beobachtet, Hotels und Reiserouten gefunden werden, gibt es gar Sicherheitsmeetings mit den Behörden. „Unfassbar viel Aufwand drumherum“ sei das, sagt Richter, ohne darüber klagen zu wollen. „Wir machen das gerne und es klappt gut.“

Der Chef vom Riederwald, der im Frühjahr Andreas Möller ablöste, ist zufrieden mit den Leistungen, Ergebnissen und Entwicklungsschritten, gerade von jenen der ältesten Jugendjahrgänge unter Eintracht-Dach. Die U17, eine talentierte Truppe, liegt in der Junioren-Bundesliga vorne, die U19 (verstärkt durch U17- und U21-Spieler) zeigte gerade in der Youth League gute Leistungen, die U21 ist als Vierter in der fünftklassigen Hessenliga vorne dabei. Der Aufstieg in die Regionalliga sei für die Mannschaft von Trainer Kristjan Glibo aber weiterhin nicht das Ziel, so Richter. Das werde sich erst ändern, wenn die Mannschaft zum einen nicht mehr „so wild“ auftrete und zum anderen, wenn später in der Saison womöglich doch die Chance auf Platz eins bestünde. Aktuell sieht Richter diese eher nicht.

Eintracht-Nachwuchs: Etablierter Austausch mit dem Profi-Bereich

Mindestens zweimal in der Woche pflegt der vom VfL Bochum geholte Jugendfußballexperte den persönlichen Austausch mit seinen Trainern, um über Erlebtes zu sprechen und die Talente in die jeweiligen Teams einzusortieren. Denn ein U19-Spieler ist nicht automatisch ein U19-Spieler, er kann auch mal „oben“ bei der Reserve mitkicken, genauso wie umgekehrt, sollte es das Alter zulassen. In der Youth League sind ohnehin gemischte Teams möglich. „Und wenn ein Topspieler hochgeht, dann spielt er“, sagt Richter. Auf der Ersatzbank wird niemand besser.

Zur zusätzlichen Leistungsförderung werkelt Ex-Profi Ralph Gunesch am Riederwald. Der sogenannte Übergangstrainer, einst vor allem bekannt als Verteidiger des FC St. Pauli sowie heute als TV-Experte von Dazn, fungiert zum einen als Bindeglied zu Bundesligatrainer Oliver Glasner, während Richter mehrheitlich mit Sportvorstand Markus Krösche und Timmo Hardung, dem Leiter der Lizenzspielerabteilung, Kontakt hält. Die Profibosse aber sind auch selbst oft vor Ort am Riederwald oder in Dreieich, wo die U21 ihre Heimspiele austrägt. Zum anderen nimmt sich Gunesch die vielversprechendsten Talente regelmäßig persönlich vor.

Er geht dann mit ihnen zum Beispiel ins Videostudium, zeigt auf, wie sich die Topstars der Szene in den verschiedenen Situationen verhalten. Oder er begleitet sie auf dem Platz im Teamtraining neben den eigentlichen Coaches individuell. Da kann es also vorkommen, dass plötzlich zwei Trainer Anweisungen schreien. „Die Besten sollen noch besser werden“, sagt Richter.

Jugendchef Alexander Richter – heutigen Nationalspielern zum Durchbruch verholfen

In der Hessenliga sind in Marcel Wenig (18), Divaio Bobson (18), Nacho Ferri (17) und Mehdi Loune (18) Talente dabei, die herangeführt werden sollen an die Profis. Gerade der offensive Mittelfeldspieler Loune überzeugte bisher. „Er ist technisch stark, hat flummiartige Bewegungen drauf“, sagt Richter, aber: „Er sollte an Effizienz zulegen und an seiner Robustheit arbeiten. Da müssen Muskeln dran an den Körper.“

Alexander Richter, das fällt auf, spricht stets gerade heraus, benennt Stärken wie Schwächen, ohne das Eine wie das Andere zu überhöhen. So hat er in Bochum vielen Spielern zum Durchbruch verholfen, etwa Ilkay Gündogan, Leon Goretzka oder Lukas Klostermann, auch Neu-Nationalverteidiger Armel Bella-Kotchap, so geht er es auch bei der Eintracht an. Probleme, etwa die Infrastruktur am Riederwald, die aus Sicht des Jugendchefs zu wenige Übungsplätze und Büros hergibt („Wenn wir zwei, drei Leute einstellen wollen, müsste ich sie auf den Flur setzen“), spricht er klipp und klar an – und motiviert: „Wir werden das schon hinbekommen.“ (Daniel Schmitt)

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