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Eintracht: Jens Petter Hauge will angreifen – doch plötzlich gibt es neue Konkurrenz

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Von: Ingo Durstewitz

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Jens Petter Hauge von Eintracht Frankfurt
Will wieder angreifen: Jens Petter Hauge. © Friso Gentsch/dpa

Jens Petter Hauge will nach seiner erzwungenen Auszeit voll angreifen. Doch plötzlich steht ihm bei Eintracht Frankfurt neue Konkurrenz im Weg.

Frankfurt – Nach seinem wichtigsten Treffer im Eintracht-Dress, der 2:1-Erlösung in der Nachspielzeit im Hexenkessel von Piräus, gab sich Jens Petter Hauge wortkarg. Missmutig saß der 22-Jährige damals, Anfang November, auf dem Podium im kleinen Presseraum des Karaiskakis-Stadions, und hatte so gar keine Lust darauf zu erzählen, wie süß denn dieser Schuss ins Glück schmeckte, der den Einzug in die K.o.-Runde der Europa League bedeutete. „Ich bin happy“, presste er hervor und sah gar nicht happy aus. Hauge durchlief seinerzeit nicht die beste Phase und war vor allem nach dem desaströsen Hertha-Spiel in den Fokus der Kritik geraten. „Mir egal, was die Presse schreibt“, grantelte er also an die Presse gewandt. Und dann Abgang.

Am Dienstag, fast ein Vierteljahr später, sprach ein anderer Jens Petter Hauge zu den Medienvertretern, virtuell natürlich nur, so wie das Usus ist in diesen Omikron-Tagen, aber der junge Mann aus Norwegen, ein guter Kumpel des Über-Norwegers Erling Haaland, war ausgesprochen gut gelaunt, verbindlich und aufgeschlossen. Das kann daran liegen, dass die Offensivkraft nach einer langen Auszeit endlich wieder zurück auf den Trainingsplatz durfte und auch eine Kader-Option für das anstehende Auswärtsspiel in zehn Tagen beim VfB Stuttgart ist. „Das war die erste ernsthafte Verletzung in meiner Profikarriere“, sagt er über die Muskelblessur, die er sich im Spiel gegen Bayer Leverkusen im Dezember zugezogen hatte, die von Vereinsseite nicht näher erklärt wurde und die auch der Spieler selbst nicht näher definierte, „weil ich kein Doktor bin, ich möchte nichts Falsches sagen.“

Eintracht Frankfurt: Hauge ist wieder fit

Wie dem auch sei: Hauge war lange raus, doch nun strotzt er nur so vor Tatendrang und glaubt tatsächlich: „Ich werde ein besserer Spieler sein als vor meiner Verletzung.“ Die erfolgreichste Eintracht-Zeit erlebte er nur als Zuschauer, konnte die forschen Auftritte der Kollegen trotzdem genießen. „Das Team war fantastisch in Form, die Dinge liefen von alleine.“

Blöderweise laufen sie jetzt nicht so schwuppdiwupp von alleine, mittlerweile sieht das wieder nach harter, mühsamer Arbeit aus, die Leichtigkeit ist verflogen, was ein Punkt aus drei Spielen ganz gut dokumentiert. „Wir haben aber mehr als den einen Punkt verdient“, findet der Spieler, mag sich aber nicht grämen. „Jetzt ist es halt wieder etwas schwerer.“ Der Skandinavier glaubt sehr wohl, dass die späten Nackenschläge gegen Borussia Dortmund, als die Eintracht einen 2:0-Vorsprung aus der Hand gab und in eine 2:3-Niederlage einwilligen musste, ihre Wirkung auf den Geist nicht verfehlt haben. „Danach waren wir besorgt und ängstlich. Aber wir müssen damit umgehen.“

Eintracht Frankfurt: Kauf für einige Millionen

Generell sieht er die Eintracht auf einem guten Weg, trotz des Hängers zu Beginn des Jahres. „Wir spielen offensiven Angriffsfußball, kreieren viele Chancen. Klar müssen wir noch mehr Tore schießen.“ Das sieht auch er als seine Aufgabe.

Die Mannschaft heute habe mit der aus dem Spätsommer jedenfalls nicht mehr viel gemein, damals war gerade die spielerische Armut frappierend, auch die Tormöglichkeiten waren Mangelware geblieben. Alles war gestückelt, zäh und holprig. Das habe es auch für die Zugänge nicht leicht gemacht. „Wenn die Mannschaft nicht zu 100 Prozent funktioniert, ist es für neue Spieler schwierig, sich reinzufinden.“ Es habe eben eine Weile gedauert, ehe das Team die Philosophie von Oliver Glasner adaptiert und verstanden habe. „Aber jetzt ist es unangenehm, gegen uns zu spielen, und man sieht, wie gut die Mannschaft wirklich ist und wie viel Potenzial in uns schlummert.“ Europa hat er noch lange nicht aufgegeben.

Die Frage schließt sich da an: Wie viel Potenzial schlummert eigentlich in Jens Petter Hauge? Bisher konnte der vom AC Mailand gekommene Stürmer seine Qualität höchstens andeuten. So richtig überzeugen konnte er nicht, hatte seine vielleicht beste Phase, kurz bevor er sich verletzte, als er in einigen Kurzeinsätzen für Belebung sorgen konnte.

Eintracht Frankfurt: Hauge überzeugte noch nicht

Ansonsten gaben seine Auftritte doch so manches Rätsel auf: Der Rechtsaußen, dem nun in Neuzugang Ansgar Knauff ein weiterer Konkurrent erwachsen ist, hat durchaus Power, einen guten Abschluss und Schuss ebenso. Aber oft sieht das doch sehr ungestüm und wild aus, mal dribbelte er blindlings in zwei, drei Gegner hinein oder streute sinnbefreite Übersteiger oder Hackentricks ein. Hauge wird klarer in seinen Aktionen, zielstrebiger und strukturierter werden müssen. Wie schnell es aufwärts gehen kann, zeigt sein Spezi Jesper Lindström, dem er „große Schritte“ attestiert. „Er hat auch seine Zeit gebraucht, aber sich total verbessert.“

Hauge ist mit seinem Wechsel nach Frankfurt zufrieden, und sollte die Eintracht nicht absteigen (wonach es nun eher nicht aussieht), greift dem Vernehmen nach eine Kaufverpflichtung für den Nationalspieler, die bei rund sieben Millionen Euro liegen soll. Seine Zukunft scheint also schon jetzt geklärt, sehr zu seiner Freude. „Ich bin wirklich happy, hier zu sein.“ Dieses Mal sieht er tatsächlich auch so aus. (Ingo Durstewitz)

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