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Eintracht Frankfurt – Die Retter des Fußballs

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht Frankfurt zeigt, weshalb Menschen den Fußball lieben, er mehr ist als ein schnödes Spiel und identitätsstiftend und der Kitt der Gesellschaft sein kann. Ein Kommentar.

Frankfurt - Das eigentlich Außergewöhnliche und Bemerkenswerte an dieser zauberhaften Reise von Eintracht Frankurt zum Mittelpunkt der Fußballerde ist die Beschaffenheit ihrer Mannschaft. Magische Dreiecke, Büffelherden, Tormaschinen? Fehlanzeige! Das Frankfurter Ensemble der Saison 2021/22 ist eines ohne Starspieler, spezielle individuelle Fähigkeiten oder andere hervorstechende Qualitäten. Da spielt einer, der vor ein paar Monaten noch für ein Bundesligareserveteam gegen den SC Verl aufgelaufen ist, dritte Liga, triste Sache. Ein anderer kickte vor einem Jahr noch im beschaulichen Dänemark, der nächste saß in Italien auf der Ersatzbank, und der kleine Stürmer ist bei seinem ersten Gastspiel in Europa gnadenlos durchgefallen.

Nein, diese Eintracht-Mannschaft, die ganz Deutschland begeistert, die die Uefa-Bosse in Verzückung versetzt und eine großartige Botschafterin für den Verein, die Stadt und die ganze Republik ist, hat in der Rückrunde genau so viele Punkte geholt hat wie der Prügelknabe Greuther Fürth, nämlich 13, dieses Team ist nicht so stark wie jenes von 2019 mit Jovic, Rebic, Haller, als der ebenfalls unglaubliche Trip durch Europa im Halbfinale endete. Und nun? Sevilla, 18. Mai, Endstation Sehnsucht, Finale. Gegen die Traditionalisten Glasgow Rangers. Blut, Schweiß und Tränen. Ein Fest für Romantiker, kitschig-schön. Mit diesem Team. Mehr geht nicht. Ein Wunder. Irgendwie. Andererseits auch nicht.

Kein Superlativ ist ungerechtfertigt

Die Leistung der Mannschaft ist gar nicht hoch genug zu bewerten, kein Superlativ ungerechtfertigt, die furiosen Auftritte auf internationalem Parkett nötigen Anerkennung, ja Hochachtung ab. Der Einzug ins Finale ist kein Zufall, wer in zwölf Spielen unbesiegt bleibt, wer die schwere Gruppe als Sieger abschließt, wer Betis Sevilla, West Ham United und, ganz nebenbei, den FC Barcelona rauskegelt, der steht verdient im Endspiel. Der darf Geschichte neu schreiben, der darf für sich in Anspruch nehmen, Historisches erreicht zu haben. Auch wenn die Krönung noch aussteht.

Beste Aussichten. Foto: AFP
Beste Aussichten. © AFP

Die Eintracht ist ein Paradebeispiel dafür, dass das Unmögliche möglich ist, dass Grenzen immer weiter zu verschieben sind und dass der Glaube tatsächlich Berge versetzen kann – nämlich dann, wenn Teamgeist nicht gepredigt, sondern gelebt wird, wenn sich eine Gruppe, ein Verein, eine Stadt, eine Region miteinander verweben, um versessen an einem Traum zu arbeiten.

Die Wucht der Gefühle

Die Eintracht entfaltet ihre ganze Wucht über die Gefühle, sie fängt die Menschen ein, es ist eine Kraft aus sich selbst heraus, eine innere Überzeugung, eine Symbiose, die alle über sich hinaus wachsen lässt. Das ist etwas ganz Besonderes in der heutigen Fußballwelt, in der vieles mehr Schein als Sein ist. Die Eintracht hat Werbung für sich gemacht und den deutschen Fußball, sie hat die Sichtbarkeit erhöht, das Renommee poliert, klar. Sie hat gezeigt, wie man den einst als Verlierer-Cup verspotteten Wettbewerb angeht und erstrahlen lassen kann.

Fußballerisch ist das nicht das Niveau von Man City oder Real oder Liverpool, nein, aber emotional ist es Champions League in High End. Die Eintracht zeigt, weshalb Menschen den Fußball lieben, er mehr ist als ein schnödes Spiel, er identitätsstiftend und der Kitt der Gesellschaft sein kann. Diese Eintracht, auch wenn es pathetisch klingt, kann den Fußball vielleicht nicht retten oder heilen, aber sie kann ihn besser machen. Gar keine Frage. (Ingo Durstewitz)

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