Offenbar im Fokus des FC Southampton: Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger.
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Offenbar im Fokus des FC Southampton: Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger.

Transfer

Eintracht Frankfurt: Verliert die SGE Martin Hinteregger und Evan Ndicka?

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt könnten noch einige Stammkräfte verkaufen – vielleicht sogar Martin Hinteregger und Evan Ndicka. Doch beide haben ihren Preis.

Selbst inmitten der Corona-Pandemie will und wird auch die Frankfurter Eintracht ihr Aufgebot nachjustieren, versuchen, dem Kader Qualität zuzuführen. Das liegt in der Natur der Sache, das liegt in der Natur der Transferperiode.

Das Gerüst der Bundesligamannschaft steht, aber eine paar neue Träger sollen schon noch eingezogen werden. Im offensiven Mittelfeld besteht, eigentlich seit Jahren schon, dringender Nachbesserungsbedarf, mehr Kreativität, mehr Witz ist vonnöten, zudem soll das Tempo wieder angezogen werden, „wir wollen schauen, dass wir Geschwindigkeit dazu bekommen“, wie Sportvorstand Fredi Bobic sagte.

Eintracht Frankfurt: Das Geld sitzt nicht locker

Einfach wird das in diesem Sommer nicht, das Geld ist knapp, Corona lässt die Einnahmen und den Etat (um die Hälfte) schrumpfen. Das ist für den aufstrebenden Bundesligisten aus dem Hessischen umso ärgerlicher, da er an der Schwelle war, den nächsten Schritt zu machen, nun aber in seiner Entwicklung erst einmal gestoppt wird. Wachstum war gestern. Die von potenten Geldgebern oder Großunternehmen gepamperten Vereine trifft die schwere Krise weit weniger hart.

Die Einnahmen des diesjährigen Tabellenneunten waren in der jüngeren Vergangenheit durch den DFB-Pokal, die Europa League und den Verkauf der zwei Topstürmer (Luka Jovic, Sebastien Haller) zwar immens, aber ihnen stehen auch massive Ausgaben entgegen: Die Übernahme des Stadions ist zunächst einmal mit Kosten verbunden, der Neubau des Proficampus verschlingt 35 Millionen Euro, der Verein wird zukünftig zudem 30 Millionen Euro in den digitalen Ausbau der Arena stecken. Und: Vor der letzten Saison hat die Eintracht kräftig investiert, insgesamt rund 70 Millionen Euro in neue Spieler (und 15,5 Millionen in deren Berater) gesteckt.

Umso ärgerlicher, wenn dann sicher kalkulierte Summen nicht aufs Konto fließen. So hat der Premier-League-Klub West Ham United die nächste Tranche für den Wechsel von Stürmer Sebastien Haller nicht entrichtet. Nachdem die Engländer schon im Mai die vereinbarte Rate von sechs Millionen Euro nicht gezahlt hatten, folgte auch im August keine Überweisung, insgesamt hat der Deal ein Volumen von 40 Millionen Euro, West Ham steht bei der Eintracht mit 24 Millionen Euro in der Kreide. Ein Haufen Holz.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Frankfurter Traditionsverein damit liebäugelt, erst einmal Spieler abzugeben. „Wir müssen zusehen, dass Geld reinkommt“, sagte Sportchef Bobic unlängst. Bisher hat die Eintracht Mijat Gacinovic an Hoffenheim abgegeben und dafür Steven Zuber (plus ein paar Euro) bekommen, außerdem Mittelfeldmann Lucas Torro für 2,5 Millionen Euro zu CA Osasuna veräußert. Ein gutes Geschäft.

Weitere Verkäufe oder Leihen werden folgen. Felix Wiedwald, der dritte Torwart, darf sich nach einem neuen Arbeitgeber umsehen, wenn nichts Unvorhersehbares geschieht, wird auch Frederik Rönnow, die Nummer zwei, einen anderen Klub suchen. Der Däne möchte sich mit seinem Status als Ersatzmann nicht mehr zufrieden geben, und die Möglichkeit, dass Stammkraft Kevin Trapp das Weite sucht, ist zwar vorhanden, aber nicht sehr hoch. Der 30-Jährige hat sich klar zur Eintracht bekannt – und Trainer Adi Hütter hat sich klar zu Trapp bekannt. Rönnow würde eine gewisse Summe bringen, aber nicht exorbitant viel, um die drei Millionen.

Auch Jetro Willems, Simon Falette und Erik Durm werden es schwer haben, würden gar kostenneutral abgegeben werden; Dejan Joveljic könnte nochmals verliehen werden. Richtig Geld verdient die Eintracht mit diesen Geschäften nicht, das ist klar, sie spart höchstens das Salär.

Eintracht Frankfurt: Kostic bekommt mehr Geld

Ans Eingemachte geht es bei Filip Kostic, der vor einem Jahr 40 Millionen gebracht hätte. So viel wert ist der 27-Jährige auch in diesem in diesem Sommer, aber ob ein Interessent mitten in Corona auch so viel zahlen wird? Eher nicht. Die Schmerzgrenze der Eintracht liegt bei 30 Millionen Euro, sie würde den Serben aber gerne behalten, er fühlt sich auch ausgesprochen wohl, sein Gehalt ist im Laufe der Zeit an seine herausragenden Leistungen angepasst worden. Das ist richtig so.

Und, Überraschung: Zwei Abwehrspieler könnten die Kasse füllen. Martin Hinteregger wird nicht nur mit dem FC Southampton und dessen österreichischem Trainer Ralph Hasenhüttl in Verbindung gebracht. „Hinti“ ist begehrt, satte 25 Millionen Euro stehen tatsächlich im Raum. Coach Hütter steht aber total auf den eigenwilligen Verteidiger, sieht in ihm einen Spieler von Champions-League-Format.

Oder die Eintracht gibt Evan Ndicka ab. Der Franzose würde an die 20 Millionen Euro bringen, ist mit 20 Jahren aber auch ein Rohdiamant. Bei ihm würde die Eintracht die Ablöse in vollem Umfang einstreichen, es gibt keine partizipierenden Drittparteien, die Rechte halten. Das ist nicht zu unterschätzen.

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