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Ist „mega happy“, dass er endlich wieder ran darf: Erik Durm (links), hier mit Stefan Ilsanker.  dpa
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Ist „mega happy“, dass er endlich wieder ran darf: Erik Durm (links), hier mit Stefan Ilsanker. dpa

Eintracht Frankfurt

Die Lehren des Endspurts

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Bei Eintracht Frankfurt stehen plötzlich Akteure wie Erik Durm, Tuta oder Amin Younes auf dem Platz – ein Fingerzeig für 2021.

Mit ein wenig mehr Fortune und Präzision, nur drei, vier Zentimeter fehlten zum Glück, hätte Erik Durm tatsächlich seinen ersten Treffer seit mehr als viereinhalb Jahren erzielt. Damals, im Frühjahr 2016, traf der Außenverteidiger noch im Dress von Borussia Dortmund am Darmstädter Böllenfalltor zum 2:0-Endstand. Es war erst Durms zweites Bundesligator überhaupt, lang, lang ist’s her.

Am Samstagnachmittag also im Süden Augsburgs feuerte der Rechtsverteidiger, der nach seiner Station bei Huddersfield Town in England mittlerweile bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag steht, einen Ball aus 25 Metern mit links in Richtung Kasten. Der Ball flog und flog und flog – und klatschte an den Pfosten. Pech für Durm, aber kein Grund für ihn, sich irgendwie zu grämen: „Wir haben gewonnen, wir sind megahappy.“

Erik Durm, einst einsatzloser Weltmeister in Brasilien, war bei den Hessen lange Zeit völlig ab vom Schuss, weit im Abseits, meist schaffte er es nicht mal in den mittlerweile 20 Mann umfassenden Spieltagskader von Trainer Adi Hütter, obwohl er nahezu durchgehend gesund war. Erst am achten Spieltag gegen Leipzig (1:1) kehrte er überraschend wieder ins Team zurück, direkt in die Startelf noch dazu, aus der er sich seitdem nicht mehr verdrängen ließ.

Ob er darauf stolz sei, wurde er nach dem Sieg in Augsburg gefragt. „Klar“, fiel seine Antwort knapp aus. Er habe versucht, in jedem Training Gas zu geben, alles rauszuhauen. „Ich bin froh, dass ich die letzten sechs Spiele gemacht habe.“

Vor der Saison hätte Durm, dessen Vertrag bei den Hessen bis 2023 läuft, gerne eine neue Herausforderung bei einem anderen Klub gesucht, denn schon in der zurückliegenden Spielzeit lief es nicht wirklich rund für ihn. Parma Calcio soll Interesse gezeigt haben, ein Wechsel aber kam nicht zustande. Und nun? „Bei ihm hat sich die Situation komplett verändern. Er hat einen harten Weg hinter sich“, sagte Trainer Hütter und lobte: „Wie er sich zurückgekämpft hat, das hat mir imponiert.“ Dass Durm auch über den kommenden Sommer hinaus in Frankfurt sein wird, ist dadurch natürlich nicht unwahrscheinlicher geworden. Vor wenigen Wochen schien das weit weg.

Die Personalie des 28-Jährigen zeigt, wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist und auch, wie kompliziert das Trainerdasein sein kann. Lange, zu lange hatte Adi Hütter versucht, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen und den im Herbst schwächelnden Almamy Touré auf der rechten Seite zu stützen. Der Franzose, ein junger Fußballer mit höherer Veranlagung als Durm, aber deutlich fehleranfälligerem Spiel und seltsamen Aussetzern, zahlte das Vertrauen nicht zurück. Auch Danny da Costa und Timothy Chandler sind momentan außen vor, spielen keine Rolle.

Sow kommt ins Rollen

Erst mit der Berufung Durms in die Formation wurde die rechte Seite stabiler. Touré sitzt seitdem häufig nicht mal mehr auf der Bank. Der 24-Jährige ist zurzeit in etwa so weit entfernt vom Team wie Durm zu Saisonbeginn. Ein Rollentausch, der sich aktuell ausgezahlt zu haben scheint.

Aus dem finalen Endspurt vor dem kurzen Weihnachtspäuschen lassen sich aber noch weitere Lehren ziehen. Zum Beispiel, dass Amin Younes dem Eintracht-Spiel im offensiven Mittelfeld eine andere Note verleiht. Der Mann mit dem niedrigen Körperschwerpunkt ist auch mal dazu in der Lage, ein Dribbling auf engem Raum für sich zu entscheiden und neue Spielsituationen zu eröffnen. Zudem lässt er sich ins Kombinationsspiel mit den anderen begabten Kickern wie Aymen Barkok und André Silva oder den zuletzt gesetzten Sechsern Djibril Sow und Sebastian Rode bestens einbinden. Gerade die Besetzung des defensiven Mittelfelds mit Rode und Sow hat sich bewährt und sollte beibehalten werden. Der einstige Wackelkandidat Sow hat sein flatterhaftes Spiel stabilisiert und auf ein sehr ordentliches Level gehoben.

Da fiel es in Augsburg nicht mal auf, dass Daichi Kamada, bester Vorlagengeber der Eintracht, zum zweiten Mal nacheinander nicht in der Startelf stand. Auch eingewechselt wurde der Japaner nicht, stattdessen kam in der Endphase Neuzugang Ajdin Hrustic zu seinem ersten Bundesligaeinsatz – ein Denkzettel für den mitunter zu divenhaft vor sich hintrottenden Kamada. Hütter kommentierte lakonisch: „Ich habe mich nicht gegen Daichi Kamada, sondern für Amin Younes entschieden. Er braucht die Spielpraxis für die Partien im Januar, um auf ein anderes Level zu kommen. Bei Daichi wissen wir, was wir bekommen.“ Eine nachvollziehbare Argumentation.

Durch die Veränderung des Systems, weg von einer Doppelspitze mit Bas Dost und André Silva und hin zu zwei kreativen, offensiven Mittelfeldleuten (Younes, Barkok), hat sich das Frankfurter Angriffsspiels verändert. Es wird nun deutlich mehr gepasst, der Ball läuft flüssiger, manchmal noch nicht bis ganz vors gegnerische Tor, aber immerhin. An diesem Stil sollte Hütter auch im kommenden Jahr weitestgehend festhalten. Es macht die Mannschaft sehr viel unberechenbarer. Sie fühlt sich in dieser Ausrichtung auch deutlich wohler.

Ebenfalls gilt es für den Coach, hinten den jungen Brasilianer Tuta weiterhin vermehrt einzubauen. Der Verteidiger vertrat beim FCA den gesperrten David Abraham, machte seine Sache zwar nicht fehlerlos, hatte bei einem Halten im Strafraum Glück, dass es keinen Strafstoß gab, insgesamt ist das Potenzial des 21-Jährigen aber zu erkennen. Tuta habe ein „sehr ordentliches Spiel“ gemacht, sagte Hütter: „Es macht Spaß, solch jungen Spieler zuzusehen.“ Wenn Abraham im Anschluss an die Partie am 17. Januar gegen Schalke seine Karriere in Argentinien ausklingen lassen wird, wäre es ratsam, Tuta peu à peu aufzubauen und ihm Spielpraxis zu geben, um so die nötige Wettkampfhärte zu erlangen. Schon in Augsburg hatte Hütter ihm den Vorzug vor dem älteren Stefan Ilsanker gegeben. Ein klares Signal und, ganz nebenbei, von Erfolg gekrönt.

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