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Herr der Zahlen bei Eintracht Frankfurt: Oliver Frankenbach.
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Herr der Zahlen bei Eintracht Frankfurt: Oliver Frankenbach.

Finanzen

Lage bei Eintracht Frankfurt ist bedrückend – aber nicht bedrohlich

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Finanzchef Oliver Frankenbach manövriert Eintracht Frankfurt durch die Corona-Krise und ist trotz Verlusten zufrieden. Nebenbei sucht er noch einen neuen Trainer.

Irgendwann im Laufe des virtuellen Finanzgesprächs mit Oliver Frankenbach, Vorstand von Eintracht Frankfurt, ist der Herr der Zahlen auch zu seiner neuen Rolle befragt worden. Der 53-Jährige wurde durch die Vakanz in der Sportlichen Leitung ja mit der Aufgabe betraut, sich intensiver um fußballerische Belange zu kümmern. Das heißt in diesem Fall zunächst einmal auszuloten, wer denn ab Juli den scheidenden Trainer Adi Hütter beerben könnte.

Natürlich ist das eigentlich eine klare Sache für den neuen Sportvorstand, doch da dieser ja noch nicht verpflichtet ist, ist es nur richtig, keine wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen. „Wir können ja nicht unendlich lang warten“, sagt der Finanzchef. „Wir müssen uns mit Optionen beschäftigen, und bei Kandidaten, die für uns infrage kommen, müssen wir unser Interesse hinterlegen.“ Gesagt, getan.

Insofern hat Frankenbach schon erste Sondierungsgespräche geführt, „die der neue Sportvorstand dann übernehmen“ und zu einem guten Ende bringen könne. Zu den gehandelten Aspiranten wie Erik ten Hag (Ajax Amsterdam), Roger Schmidt (PSV Eindhoven), Oliver Glasner (VfL Wolfsburg) oder sogar Urs Fischer (Union Berlin) gab er selbstredend keine Auskunft, aber immerhin ließ er durchblicken, dass „die Trainer unsere Situation kennen, abgesagt hat noch keiner von ihnen.“

Wer folgt bei Eintracht Frankfurt auf Sportvorstand Fredi Bobic?

Wann in der Frage nach dem zukünftigen Kollegen im Vorstand weißer Rauch aufsteigt, konnte der langjährige Funktionär ebenfalls nicht beantworten, weil schließlich der Aufsichtsrat den Nachfolger von Fredi Bobic zu suchen habe. „Ich habe aber Signale empfangen, dass wir da sehr, sehr weit sind“, sagt er. „Ich habe großes Vertrauen, dass es relativ schnell gehen kann.“ Relativ schnell ist freilich ein dehnbarer Begriff, für Frankenbach wäre es auch völlig in Ordnung, wenn man erst Mitte bis Ende Mai Nägel mit Köpfen machen könnte. „Ein Schnellschuss hat noch nie etwas gebracht.“ Man sollte sich nicht treiben lassen, „nur weil der öffentliche Druck so groß wird“. Wichtiger sei ganz klar, dass man eine ähnlich kluge Entscheidung wie 2016 treffe, als der damalige Aufsichtsratsboss Wolfgang Steubing gegen einige Widerstände Fredi Bobic installierte, der sich als Glücksfall erwies. Frankenbach glaubt, dass Steubings Nachfolger Philip Holzer „genau der richtige Mann“ sei, um den richtigen Mann zu finden. „Genau so eine Entscheidung wie damals mit Fredi Bobic wollen wir wieder treffen.“

Die neue Sportleitung wird in Frankfurt nicht auf blühende Landschaften treffen, aber doch einen Verein managen dürfen, der trotz der Corona-Turbulenzen noch einigermaßen aufrecht im Zentrum des Sturms steht. Für die laufende Saison beträgt der Umsatz rund 150 Millionen Euro, das sind rund 130 Millionen weniger als in der zurückliegenden Spielzeit, in der Corona zwar den Sprung über die 300-Millionen-Euro-Schallmauer verhinderte, die Hessen dennoch „das beste Ergebnis aller Zeiten“ einfahren und sich „Speck anfuttern“ konnten. Das war zwar eminent wichtig, aber so langsam ist das Polster aufgebraucht, die Eintracht kalkuliert mit einem Verlust von 45 Millionen Euro, muss zudem mittelfristig 20 Millionen Euro an Krediten zurückführen.

Umsatzentwicklung

Und doch sagt Oliver Frankenbach, er sei „ein bisschen stolz“ darauf, wie der Verein bisher durch die Krise manövriert wurde. Die Lizenz hat der Klub, der 33 Millionen Euro Eigenkapital aufweist, ohne Auflagen und Bedingungen erhalten, „wir sind wirtschaftlich sehr gut gewappnet, wir sind relativ gelassen“. Es ist nicht geplant, Spieler zu verkaufen. „Wir sind nicht gezwungen, Transfererlöse zu erzielen.“

Eintracht Frankfurt: Weitere Saison ohne Fans eine gewaltige Herausforderung

Für den erfahrenen Finanzexperten, Spitzname ZDF (Zahlen, Daten, Fakten), ist aber auch klar, dass eine weitere Saison ohne Publikum eine verdammt schwierige Herausforderung wäre. Pro Heimspiel ohne Fans gehen der Eintracht rund 2,5 Millionen Euro durch die Lappen. Das sind bei einer ganzen Saison – ohne Pokal oder europäische Auftritte – 42,5 Millionen Euro. Ein Haufen Holz. Aber selbst dieses Szenario „würden wir überstehen, dafür haben wir ein Konzept“. Da geht es der Eintracht besser als einigen anderen Erst- und Zweitligisten, die dann vor dem Kollaps und am Rande des Abgrunds stünden.

In jedem Fall müsste die Eintracht erneut harte Einschnitte vornehmen, Fremdkapital aufnehmen und Verhandlungen über einen weiteren Gehaltsverzicht der Spieler führen. In dieser Saison verdienen die Profis rund 20 Prozent weniger.

Für Frankenbach ist die Rückkehr der Fans ein zentraler Punkt. „Noch eine komplette Saison ohne würde dem Sport sehr schaden. Das ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine emotionale Katastrophe.“

Durch die Pandemie, das steht für ihn unumstößlich fest, werden die Profiklubs zum Umdenken gezwungen sein. „An allen Ecken und Enden brechen uns die Einnahmen weg“, sagt Frankenbach, weshalb auch der Lizenzspieleretat sinken und sich sehr weit unterhalb der Marke des Rekordjahres 2019 (92,9 Millionen) einpendeln werde. „Die Personalkosten müssen gesenkt werden“, sagt er, nicht nur bei Eintracht Frankfurt. „Das ist ein Thema des Profifußballs insgesamt.“ Entsprechende Effekte beobachtet er bereits auf dem Transfermarkt. „Man merkt, dass die Transfersummen deutlich nach unten gehen“, findet er, auch die Gehaltsstruktur werde sich ändern. „Da können wir besser drücken.“ Es wird auch Zeit, dass diese Spirale nicht noch weiter nach oben gedreht und das „Höher-schneller-weiter-Prinzip“ endlich außer Kraft gesetzt wird. Schon vor Corona waren die Auswüchse rational nicht mehr erklärbar.

Eintracht Frankfurt: Champions League wäre finanziell von enormer Bedeutung

Eine erstmalige Teilnahme an der Champions League wäre für die Eintracht in finanzieller Hinsicht von herausragender Bedeutung. In der Königsklasse lassen sich alleine in der Gruppenphase rund 20 Millionen Euro verdienen (exklusive Prämien). Borussia Mönchengladbach etwa hat in dieser Runde durch die Qualifikation fürs Achtelfinale rund 40 Millionen Euro eingenommen. Das ist zweifelsfrei ein Wachstumstreiber.

Aber auch die Europa League sei lukrativ, mindestens zehn Millionen Euro würde man dort ohne K.-o.-Phase einnehmen, selbst in der neuen geschaffenen Conference League liege man bei etwa 7,5 Millionen. Je besser man sportlich abschneidet, desto üppiger ist auch die finanzielle Gegenleistung. „Es kommt auch darauf an, wie weit man im Wettbewerb kommt.“ In der Conference League etwa müsse der Anspruch eines Bundesligisten sein, mindestens ins Viertelfinale einzuziehen. Gerade die Eintracht habe ja in der Saison 2018/2019, als sie in der Europa League ins Halbfinale gestürmt war, bewiesen, dass man dort auf dem wirtschaftlichen Sektor punkten könne. „Wir haben nur durch die TV-Vermarktung 27 Millionen Euro eingenommen. Wir haben gezeigt, dass man dort Geld verdienen kann.“

Eintracht Frankfurt: Champions League zum Greifen nahe

Und doch müsse nun, da die Champions League trotz Schwächephase und Trainertheater noch immer zum Greifen nahe ist, niemand denken, dass der werthaltigste europäische Wettbewerb etwas an den nationalen Kräfteverhältnissen ändern könne. Der Abstand zu den Dauergästen in der Champions League, zu Bayern München und Borussia Dortmund, aber auch zu den bezuschussten Vereinen wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder dem VfL Wolfsburg sei immens groß. „Da klafft eine deutliche Lücke.“ Und die könne man durch eine einmalige Teilnahme an der Königsklasse nicht signifikant verkleinern. „Dazu haben wir nicht den Speck, und wir können auch nicht sagen, wir gehen jetzt voll ins Risiko.“

In der Krise sei eher seriöses Wirtschaften mit Augenmaß und Vorsicht gefragt, das ist allemal besser als verantwortungsloses Hasardeur-Verhalten mit ungeahnten Folgen. „Ich sehe uns noch immer als Verein unter den Top Ten. Wenn wir vieles richtig machen, können wir auch den internationalen Wettbewerb erreichen“, sagt Frankenbach. Oder sogar die Champions League. Aber dann ist wahrscheinlich noch mehr als sehr viel richtig gelaufen.

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