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Am Boden: Erik Durm und Eintracht Frankfurt.
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Am Boden: Erik Durm und Eintracht Frankfurt.

SGE

Tiefschlag gegen Gladbach: Eintracht und die Kunst des Verdrängens

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der schmerzhafte Nackenschlag gegen Mönchengladbach sollte die Frankfurter Eintracht jetzt nicht dazu veranlassen, von ihrer (endlich) mutigen Marschrichtung abzurücken.

Frankfurt - Beim letzten Gegenangriff der Frankfurter Fußballer weit in der Nachspielzeit, 3:2 stand es für sie da noch, senste Lars Stindl, der Dreifachtorschütze aus Gladbach, das Eintracht-Raubein Dominik Kohr um. Klares Foul an der Mittellinie, klarer Freistoß für den hessischen Bundesligisten. Eigentlich. Doch der Ball rollte blöderweise genau zu Daichi Kamada. Gerade erst eingewechselt und voller Tatendrang dribbelte der Japaner drauf los. Der von Schiedsrichter Benjamin Cortus angezeigte Vorteil verkam denn rasch zum Nachteil. Kamada vertändelte die Kugel, die Borussia lief retour, ein Pass nach links, Flanke, Kopfball Stindl, Parade Trapp, Kopfball Stindl, das 3:3. Hängende Köpfe bei den Frankfurter, Jubel bei den Gladbachern. Und nachträglich Gelb für den Borussia-Kapitän. Ihm war’s egal, versteht sich.

Eintracht Frankfurt: Späten Ausgleich kassiert

Nicht gut verteidigt hätte seine Mannschaft diese finale Aktion des Spiels, sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter, „das müssen wir uns selbst ankreiden.“ In der Tat: Die kurz vorher auf den Platz geschickten Kamada und Danny da Costa irrlichterten im freien Raum ohne Gegenspieler umher, Erik Durm besetzte seine rechte Abwehrseite seltsamerweise nicht, in der Mitte fühlte sich kein Frankfurter für Stindl verantwortlich. Es war diese Aneinanderreihung von Fehlern, die der Eintracht den ersten Sieg seit dem 3. Oktober kostete, trotz einer insgesamt „tollen Leistung“, wie Hütter fand. Daher fühle sich das Remis an „wie eine Niederlage“.

Begonnen hatten die Aussetzer schon eine Viertelstunde zuvor, als erst Sebastian Rode das taktische Foul gegen Breel Embolo nicht zog, stattdessen David Abraham, bereits verwarnt, für ihn einsprang und vom Rasen musste. Als kurz darauf Aymen Barkok einen Ball nicht richtig stoppte und in unbedachtem Übereifer sinnfrei gegen Embolo einen Elfmeter verschuldete. Die gar nicht mehr an den Punktgewinn glaubende Borussia wurde ein Stück weit von der Eintracht zurück ins Spiel geholt. Ärgerlich.

„Wir tragen auch selbst Schuld“, gestand Hütter ein, wollte seiner Mannschaft aber keine großen Vorwürfe machen. Zu Recht. Denn bei aller angebrachter Kritik: Insgesamt war es eines der besten Eintracht-Spiele dieser Saison. In der ersten Hälfte gegen Dortmund vielleicht noch, ansonsten aber hatten die Hessen an den bisherigen zwölf Spieltagen selten solch eine ausgeprägte Spielfreude gezeigt wie am Dienstagabend. Aymen Barkok, Amin Younes, André Silva, Djibril Sow, Sebastian Rode, Makoto Hasebe – im Zentrum des Feldes, vorne wie hinten, hatte Hütter fußballerisch begabten Leuten vertraut. Endlich, mochte man da anfügen. Es zahlte sich aus.

Eintracht Frankfurt: Barkok brilliert

Barkok brillierte mit einer Vorlage zum zwischenzeitlich 2:1 und einem Traumtänzchen zum selbst erzielten 3:1. Younes wuselte so lange die Kräfte reichten gekonnt zwischen den gegnerischen Reihen hin und her. Silva zeigte mit seinem Doppelpack erneut, dass er nicht umsonst dritterfolgreichster Bundesligatorschütze dieses Kalenderjahres hinter den Topstars Robert Lewandowski und Erling Haaland ist. Er verkörpert noch mal ein ganz anderes Niveau als der diesmal auf der Ersatzbank belassene Bas Dost. Den Jungs zuzusehen, sagte Hütter ganz allgemein, „hat Spaß gemacht“.

Am Ende stand aber halt wieder nur ein Pünktchen, der 14. dieser Saison, der die Hessen weiterhin im Tabellenmittelfeld auf der Stelle treten lässt. Neun Partien sind es vor dem Duell am Samstag (15.30 Uhr) beim FC Augsburg nun schon ohne Dreier, viel zu viele. Dazu kassierte die Eintracht nun im 17. Ligaspiel nacheinander mindestens einen Gegentreffer, 24 Partien sind es sogar inklusive Pokal-, Europa-League- und Testspielen. Eine alarmierende Abwehrbilanz. „Wir müssen in Augsburg punkten“, gab Manager Bruno Hübner daher die Richtung vor. Am besten dreifach.

Doch sind die zwei späten Gegentreffer für das ohnehin wacklige Frankfurter Gesamtkonstrukt nicht mental des Schlechten zu viel? Möglich ist das, solche Nackenschläge klatschen besonders laut, sind außerordentlich schmerzhaft, sie mindern womöglich das sowieso angeknackste Selbstvertrauen. Einerseits. Andererseits sollten die Frankfurter gerade jetzt nicht von ihrem mutigen, auch risikoreicheren Weg abweichen. Die Kunst des Verdrängens ist gefragt.

Eintracht Frankfurt: Zweifelhafte Wechsel

Oft genug hatte Trainer Adi Hütter bekanntlich in dieser Saison schon zurückhaltend agiert, dann stellte er plötzlich gegen vermeintlich schwächere Kontrahenten defensiv auf. Der Wunsch nach mehr Stabilität verfing sich jedoch fast nie, es trat das Gegenteil ein. Diesen Fehler sollte er in Augsburg tunlichst unterlassen, er sollte wieder die Schnicker Barkok und Younes (oder Kamada) aufs Feld schicken, er sollte wieder Rode und Sow im Mittelfeldzentrum spielen lassen. Es muss nicht ursächlich gewesen sein für das Remis gegen die Gladbacher, das wäre zu viel gekrittelt, aber das Spiel kippte erst dann wieder richtig auf des Gegners Seite, als Hütter sich dazu entschloss, das Signal zum Verteidigen zu senden. Für den ausgelaugten und angeschlagenen Younes brachte er nach 71 Minuten nicht etwa Offensivmann Kamada, sondern den defensiveren Abräumer Kohr.

Das mag nachvollziehbar sein bei einer eigenen 3:1-Führung, hat bei den hessischen Fußballern aber selten den erhofften Effekt. Sie weichen dann zurück, statt früh zu pressen, sie kommen nicht mehr so gut in die Zweikämpfe, die Räume werden größer, die Einschläge im eigenen Kasten rücken näher. Trotz mehr Defensivkräften leidet die Stabilität. Verrückt, aber wahr. Und mehrfach gesehen in dieser Runde.

Direkt nach dem Abpfiff am Dienstagabend wirkte Adi Hütter jedenfalls so, als lasse er sich vom späten Rückschlag nicht verunsichern. Er fokussierte sich auf jene Dinge, die seine Truppe gut gemacht hatte. Es waren ja auch eine Menge. Abschließend sagte er: „Die Leistung stimmt mich optimistisch, dass wir bald wieder gewinnen werden, aber es wird nach neun Spielen ohne Sieg natürlich Zeit, dass wir uns belohnen.“ Es wird dringend Zeit. (von Daniel Schmitt)

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