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Die Könige von Sevilla

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Von: Daniel Schmitt

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Nimmermüder Antreiber und feiner Torschütze: Filip Kostic.
Nimmermüder Antreiber und feiner Torschütze: Filip Kostic. © AFP

Filip Kostic, Djibril Sow, Daichi Kamada: Die Frankfurter Leistungsträger finden bei Real Betis zu ihrer Form zurück.

Immer dann, wenn es der spanischen Monarchie nach andalusischer Sommersonne dürstet, reist sie nach Sevilla. Im Real Alcázar, dem Königspalast am Rande der Altstadt, lässt es sich auch mehr als 600 Jahre nach der Erbauung noch bestens aushalten. Am Mittwoch jedoch stand er leer. Da reagierten für einen kurzen Moment andere die Stadt.

Wie er da stand, der Fußballer Filip Kostic, nach 14 Minuten, nach seiner Führung im Europa-League-Achtelfinalhinspiel von Eintracht Frankfurt bei Real Betis (2:1), den Königlichen aus Sevilla. Die Arme weit ausgebreitet, das schlitzohrige Grinsen, die Genugtuung, die den ganzen Körper durchflutet - es waren untrügliche Zeichen. In diesem Moment wusste jemand, dass er sein Hoheitsgebiet wieder ganz für sich hat, seine geliebte linke Frankfurter Seite, die Kostic ja so oft und so mustergültig beackert hat in seiner Karriere, die zuletzt aber viel Leerlauf erlebte. Er war nicht in Form, der Körper des 29-Jährigen wollte nicht so wie der Kopf. Ausgebremst von Corona und einer Grippe, das nervte ihn, ließ ihn hadern. Gerade ihn, den Vollprofi im Team, der das ganze Leben der optimalen Leistung unterordnet.

„Wir waren sehr griffig“

In Sevilla spielte Filip Kostic nicht nur wegen seines Premierentreffers in dieser Europacup-Runde wieder nah an seiner Bestform. Auch ansonsten zeigte er ein prima Spiel. Der Serbe marschierte die linke Außenlinie entlang, verteidigten hinten ordentlich und überrannte vorne den keineswegs schlechten Betis-Verteidiger Youssouf Sabaly selbst in der vierminütigen Nachspielzeit noch. Er schoss viermal auf des Gegners Tor, einmal rein, zweimal knapp vorbei, einmal in die Fäuste von Torwart Claudio Bravo. Er lieferte ab. „Der Sieg war für euch“, sendete er hinterher einen Dank an die Frankfurter Fans. Ein bisschen war er auch für ihn selbst.

In der Frühphase dieses Jahres hatte die gesamte Mannschaft von Eintracht Frankfurt auch deshalb geschwächelt, weil die Leistungsträger, die vermeintlichen Unterschiedsspieler, nicht den Unterschied machten. Die jüngeren Profis konnten sich in dieser schlechten Phase nicht an den erfahrenen aufrichten, die selbst genug mit ihren Unzulänglichkeiten zu tun hatten. Ein Martin Hinteregger etwa, der sogar die Kapitänsbinde abtrat, ein Daichi Kamada, der mitten auf dem Platz eine veritable Standpauke über sich ergehen lassen musst, ein Djibril Sow, der in der Masse mitschwamm. Sie alle zeigten in Sevilla, die einen deutlicher (Kostic, Sow, Kamada) als der andere (Hinteregger), dass sie wieder im Aufwind sind. „Wir sind besser in Form, haben mehr Selbstvertrauen“, richtete Djibril Sow den Blick aufs gesamte Team, hätte aber auch die Frankfurter Führungsriege meinen können. Es sei allemal die beste Leistung des Jahres gewesen.

Überhaupt: In Sevilla war der Sow der Boss auf dem Feld. Gegen Nabil Fekir, den besten Sevillano, lieferte er sich im Mittelfeld heiße Duelle. Nicht immer ging er als Sieger hervor, das ließ sich gegen solch einen Klassemann auch kaum vermeiden, in den entscheidenden Momenten aber stach der Schweizer zu. Das 1:0 von Kostic bereitete er mit einer Seitenverlagerung vor, das 2:1 von Kamada leitete er mit einem hohen Ballgewinn ein. „Wir waren sehr griffig“, fand Sow. Er war sehr griffig. Das Eintracht-Pressing funktionierte auch deshalb gut, weil der 25-Jährige das Team im Mittelfeld lautstark anleitete und immer wieder von hinten zur Attacke pushte.

„Wir sind mit viel Selbstvertrauen ins Spiel gestartet“, sagte der Schweizer Nationalspieler. Der Sieg von Berlin, auch die zumindest in Ansätzen gute Leistung gegen die Bayern hatten der Mannschaft wieder mehr Zutrauen in ihre Stärken gegeben. „Und dann läuft es eben viel einfacher. Wir hatten gute Kombinationen drin und haben gezeigt, dass wir es können.“ So soll es weitergehen, am Sonntag in der Bundesliga gegen Bochum, kommende Woche erneut gegen Real Betis.

Djibril Sow aber hob, ganz der Anführer, anbschließend noch mahnend den Finger: „Unser Problem war es in dieser Saison, diese Qualität konstant über mehrere Spiele zu zeigen.“ Das soll nun endlich anders werden.

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