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Führungskräfte der Eintracht beklatschen die Fans.
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Führungskräfte der Eintracht beklatschen die Fans.

Bundesliga

Fans zeigen Klubs die kalte Schulter – das bekommt auch die Eintracht zu spüren

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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  • Daniel Schmitt
    Daniel Schmitt
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Offenbar müssen die deutschen Profiklubs viel härter als gedacht um die Rückkehr der Fans kämpfen – auch bei Eintracht Frankfurt macht sich das bemerkbar.

Frankfurt - Es sollte eine besondere Geste an die Fans von Eintracht Frankfurt sein, als die Vorstände Axel Hellmann, Markus Krösche und Oliver Frankenbach, Aufsichtsratschef Philip Holzer und Präsident Peter Fischer am Samstag (21.08.2021) gemeinsam auf den Rasen traten. Die Rede von Vorstandssprecher Hellmann vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg (0:0) sollte fast schon die emotionalsten Momente dieses Nachmittags beinhalten. „Nach über einem Jahr sind wir wieder bei einem Bundesligaspiel mit vielen – nicht allen – Fans zusammen. Es ist nach wie vor eine schwierige Zeit. Alles ist komplizierter und ungewohnter. Aber ihr seid, trotz all dieser Umstände, in sehr großer Zahl da.“ Hellmanns Ansprache wurde mehrfach von den Ovationen übertönt, der 50-Jährige hatte sichtlich mit seinen Emotionen zu kämpfen. Am Ende hoben die fünf Herren in ihren dunklen Anzügen die Hände zum Applaus, der tausendfach von den Rängen erwidert wurde.

Statt der erlaubten 25.000 Fans hatten sich jedoch lediglich 22.000 auf den Weg in den Stadtwald gemacht – unzufrieden waren sie mit dieser Zahl bei der Eintracht jedoch nicht. Frontmann Hellmann hatte sich bereits lange vor dem Anpfiff aufs Rad geschwungen und war rund um die Arena gestrampelt. Er wollte sich die Abläufe genau angucken. Von seiner kleinen Tour kehrte er zufrieden zurück, die Rückmeldungen seien positiv gewesen. Am Spieltag war das Konzept vollends aufgegangen.

Eintracht Frankfurt appelliert an die Fans

Die Schwierigkeiten freilich lagen eher im Vorfeld, so hatten nur rund 6500 Dauerkarteninhaber ihr Vorkaufsrecht eingelöst, also etwa ein Fünftel. Der harte Kern der Anhängerschaft von Eintracht Frankfurt, Ultras wie zahlreiche offizielle Fanclubs, verzichteten ob der Beschränkungen nach dem Alle-oder-Keiner-Prinzip auf einen Besuch.

Dazu ließen sich viele Wackelkandidaten wohl durch Faktoren wie ein gewisser Respekt vor größeren Menschenansammlungen, das umständliche Anmeldeprozedere, der eher unattraktive Gegner oder auch die Sommerferien in Hessen von einem Stadionbesuch abhalten. „Ich verstehe die Haltung der Fans. Aber wir leben von den Emotionen und werden kämpfen, sie wieder ins Stadion zu bekommen“, hatte Hellmann bereits bei der Saisoneröffnungspressekonferenz angekündigt.

Eintracht Frankfurt: Fan- und Förderabteilung wirbt um Einigkeit

Im Vorfeld des Spiels warb die Fan- und Förderabteilung von Eintracht Frankfurt daher noch einmal um Einigkeit. „Als Fangemeinde dürfen wir uns in dieser entbehrungsreichen Zeit nicht auseinanderbringen lassen. Einmal mehr gilt es, bei allen legitimen unterschiedlichen Reaktionen auf die aktuelle Zuschauerrückkehr, im Wesentlichen an einem Strang zu ziehen“, hieß es. Am Spieltag selbst wurden von den etwa 3000 verfügbaren Restkarten noch rund 300 verkauft.

„Für Fußballfans, die regelmäßig ins Stadion gehen, und das sind in erster Linie die Dauerkarteninhaber, steht das Gemeinschaftserlebnis im Mittelpunkt. In der Regel unterliegt ein Spieltag einem ritualisierten Tagesablauf, von der Abreise zu Hause bis zur Rückkehr“, sagt der mit der Frankfurter Szene bestens vertraute Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS). Er glaubt: „Von größter Bedeutung ist die Gewissheit, an den gewohnten Plätzen seine Freunde und Bekannten zu treffen. Durch die coronabedingten Einschränkungen ist im Moment diese Zuverlässigkeit nicht gegeben. Das hält die meisten Fans wohl von einem Stadionbesuch ab. Denn im Stadion sitzen die Fans momentan zufällig zusammengewürfelt.“ Mit ein bisschen Geduld und Geschick lassen sich freilich auch Sitzplätze in relativer Nähe organisieren.

Eintracht Frankfurt muss um Rückkehr der Fans kämpfen

Ausverkaufte Arenen vermeldeten zum Start nur die Hälfte der 18 Bundesligisten – München, Freiburg, Leverkusen, Fürth, Dortmund, Mönchengladbach, Köln, Bielefeld und Union Berlin. Teils klafften erhebliche Lücken zur reduzierten Maximalkapazität. Die TSG Hoffenheim (8014) oder der VfL Wolfsburg (8536) lockten nicht mal eine fünfstellige Kulisse. Offenbar müssen selbst Erstligisten härter als gedacht um die Rückkehr der Zuschauerinnen und Zuschauer kämpfen, denn in der Zweiten Bundesliga und Dritten Liga zeigte sich bereits dasselbe Phänomen.

Es deutet vieles auf ein Konglomerat von Gründen hin. „Es ist sicherlich von allem etwas. Bei einigen Fans gibt es die Angst vor einer Ansteckung. Dann gibt es nach den vielen Entbehrungen der letzten Monate viele Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten“, sagt die Fanvertreterin Helen Breit. „Nicht jeder und jede hält sich die Wochenenden frei, um ein Fußballspiel zu besuchen.“ Hinzu käme ein gewisser Grad der Entwöhnung: „Die meisten Menschen waren anderthalb Jahre nicht mehr im Stadion. Jetzt ist bei einigen die Priorität des Fußballs in der Lebensplanung gesunken.“

Rückkehr der Fans: Fredi Bobic spricht über Klage

Der organisierten Fanszene geht es auch um eine unterschwellige Protesthaltung. KOS-Vertreter Gabriel: „Es ist eine weit verbreitete Enttäuschung spürbar, dass aus den Ankündigungen, der Fußball würde demütiger, nichts übrig geblieben zu sein scheint.“ Breit als Vorsitzende „Unsere Kurve“ ergänzt: „Viele Menschen sind nach wie vor enttäuscht vom Reformstau.“ Das verspielte Vertrauen könnte den Klubs noch böse auf die Füße fallen, die mit gut besuchten Stadien planen. Auf Dauer geht es kaum gut, wenn die stimmungsvollsten Anhänger:innen dem Fußball die kalte Schulter zeigen.

Bei Hertha BSC wurde gegen den VfL Wolfsburg das von der Bundespolitik für Großveranstaltungen eingezogene Höchstlimit von 25.000 bei 18.241 Fans im weitläufigen Olympiastadion klar verfehlt. „Es gibt Menschen, die haben ein bisschen Angst, andere Menschen haben sich an den Fernseher zu Hause mit einem Bier gewöhnt“, mutmaßte Trainer Pal Dardai. Sportchef Fredi Bobic wartete mit einer anderen Erklärung auf: „Wenn alles frei zugänglich wäre und die Kapazitäten wären nicht beschränkt, wären viel mehr gekommen – da bin ich mir sicher. Ich muss eine Maske anziehen, sitze vielleicht mit meinen Kumpels nicht zusammen. Das macht keinen Spaß.“ Bobic plädiert dafür, die Stadien bald ohne Einschränkung komplett zu öffnen, auch mögliche Klagen bringt er ins Spiel. „Es wird nicht mehr aufzuhalten sein“, sagt der frühere Frankfurt-Boss der „Bild“: „Hertha würde sich einer Klage anschließen. Wir reden darüber, schauen uns das zwei, drei Wochen an. Dann wird in der Liga generell ein Konsens sein, dass Fans kommen dürfen, wenn sie genesen oder geimpft sind.“ (Frank Hellmann und Daniel Schmitt)

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