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WM 2022: Die große Rückkehr des Mario Götze

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Der Bessermacher: Mario Götze hat sich bei Eintracht Frankfurt für die Nationalelf empfohlen - nun fährt er zur WM.
Der Bessermacher: Mario Götze hat sich bei Eintracht Frankfurt für die Nationalelf empfohlen - nun fährt er zur WM. © IMAGO/Philippe Ruiz

Das erstaunliche Comeback des Mario Götze im DFB-Team ist eng damit verbunden, dass der Eintracht-Profi einen Schritt zurückgetreten ist.

Frankfurt - Als Mario Götze in diesem Sommer überraschend in die Bundesliga und zu Eintracht Frankfurt gewechselt ist, nach zwei Jahren in Eindhoven, hat er sich mit ein paar Kumpels einen Ball geschnappt und auf einem Bolzplatz im Hafenpark am Main gekickt. Einfach so. Er wollte die Stadt spüren, wollte sich einlassen auf eine neue Erfahrung, so furchtbar viele Berührungspunkte zu Frankfurt hatte der früher gerne als „kleiner Rumtreiber“ umschriebene Spieler ja nicht gehabt. Für ihn war es ein Neuanfang, er war ein wenig in der Versenkung verschwunden in den Niederlanden, die Ruhe und Ferne vom großen Fußball haben ihm gut getan. So gut, dass  Bundestrainer Hansi Flick nun nicht umhin kam, den Kreativkopf wieder zum Nationalspieler zu machen und ihn zur WM 2022 nach Katar mitzunehmen. Was für eine Geschichte.  

Natürlich ist er in die Bundesliga zurückgekehrt, weil er den ruckeligen Abgang aus Deutschland vor zwei Jahren begradigen, noch mal zeigen wollte, was in ihm steckt. Aber nicht anderen, sondern sich selbst. „Ich will nur mir etwas beweisen. Ich möchte alles rausholen, was ich kann“, sagte er im August bei seiner Vorstellung. Drei Dutzend Journalisten waren da, TV-Stationen, Kameras, Scheinwerferlicht. Mario Götze, er hat es da wieder gemerkt, umgibt immer noch dieses Flair, dieses Besondere. Er kann es drehen und wenden, wie er will: Er hat Deutschland 2014 zum Weltmeister gemacht, höher hinaus kann es nicht gehen.

Mario Götze: WM-Tor 2014 Fluch und Segen zugleich

Das Tor von Rio („Mach ihn! Mach ihn! Er macht ihn! Mario Götze!“) war Segen und Fluch zugleich, in einer Reihe zu stehen mit Helmut Rahn, Gerd Müller, Andi Brehme, das wollte erst einmal verkraftet werden. Götze war damals 22. Bald war er als Wunderkind gehypt, was prasselte da nicht alles auf ihn herab. Das hat er nicht verkraftet, er stürzte ab, sportlich, gesundheitlich, alles wurde ihm zu viel, die vielen Schlagzeilen, die Reise zwischen Himmel und Hölle. Da wirkte er zuweilen schnöselig, dabei war das seine Art, sich einen Panzer anzulegen. Im Grunde wollte und will der sensible Professorensohn einfach nur Fußball spielen.

In Holland hat er sich stabilisiert, unter Roger Schmidt kehrte er zur alten Form zurück, hatte wieder Spaß am Fußball unter dem Radar. Inzwischen wirkt Götze sehr überlegt, zurückgenommen, souverän und mit sich im Reinen, er ist Vater geworden. „Ich bin jetzt 30, habe eine andere Sichtweise bekommen“, sagte er. „Mir ist nicht so wichtig, was die letzten Jahre war. Mein Fokus liegt auf dem Hier und Jetzt. Ich will das Spiel genießen.“

Mario Götze macht Eintracht Frankfurt besser

Er passt zu Eintracht Frankfurt, wie der Ball in den Winkel. Hier ist er der Stern, der auf alle abstrahlt. Er ist das fußballerische Mastermind, der Spiritus Rector. Er hebt das Spiel auf ein anderes Niveau, er kann Sachen, die andere nicht mal denken, er sieht Situationen, die andere nicht erahnen. Er hat eine Gabe, die nicht trainierbar, sondern in die Wiege gelegt ist. „Ein Jahrhunderttalent“, wie Eintracht-Ikone Alex Meier sagt. Er kenne keinen anderen Spieler, der für alle Situationen eine Lösung hat.

Sieht auch Mitspieler Kevin Trapp so. „Was er hier auf den Platz bringt, ist fantastisch. Er gibt uns einen Riesen-Mehrwert. Mario ist ein Spieler, der eine Mannschaft besser machen kann.“ Und der sie besser macht. Zumindest die der Eintracht, aber auch die Nationalelf?

Eintracht Frankfurt: Krösche hebt „außergewöhnliche Qualitäten“ von Götze hervor

Sportvorstand Markus Krösche glaubt das sehr wohl, er hebt die „außergewöhnlichen Qualitäten“ hervor. Und die Persönlichkeit des 30-Jährigen, der zum leisen Führungsspieler gereift ist, er kümmert sich, hat ein offenes Ohr für die Mitspieler, ist intelligent und nahbar. „Mario ist ein richtig guter Typ“, sagt Krösche. „Er hat eine Bescheidenheit, die außerordentlich ist für einen Spieler auf diesem Level.“

Die verdiente WM-Nominierung, die Krösche als „folgerichtig“ umschreibt nach den überragenden Leistungen der letzten Wochen, ist auch für Eintracht Frankfurt eine Bestätigung dafür, „im Sommer die richtige Entscheidung getroffen zu haben“. Es war Krösche, der seinerzeit den Deal in die Wege leitete. Dass das so funktionieren und Götze so einschlagen würde, nein, damit hatten freilich nur die wenigsten gerechnet.

Hansi Flick schwärmt von Mario Götze: „Genialer Fußballer“

Hansi Flick bezeichnet Götze, der das letzte seiner 63 Länderspiele vor fünf Jahren bestritten hat (2:2 gegen Frankreich), „einen genialen Fußballer und tollen Menschen“, der auf „sehr hohem Niveau“ performe und mit seinen „Gedankenblitzen“ für ein Überraschungsmoment sorgen könne. Dazu ist er topfit, „kann dreimal die Woche 90 Minuten spielen“. Er gehört zu den laufstärksten Spielern der Liga.

Bleibt die Frage, für welche Aufgabe Flick den gebürtigen Allgäuer vorgesehen hat. Er dürfte ihn sicher nicht als Nummer 20 mitgenommen haben, da hätte der verdiente Spieler lieber verzichtet. Für die besonderen Augenblicke ist er allemal der richtige Mann, in der Bundesliga gab er sechsmal den vorletzten Pass zum Tor – Bestwert. Er ist auf dem Zenit seiner Schaffenskraft, in der Form seines Lebens.

Ob das Comeback des Mario Götze, über das sich der Spieler „total gefreut“ (Flick) habe, von Erfolg gekrönt sein wird, steht auf einem anderen Blatt. Ein bisschen ins Risiko geht Mario Götze schon. Doch sein Ehrgeiz ist groß, er will es noch mal wissen, auch auf der ganz großen Bühne. Vorhang auf.

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