1. Startseite
  2. Eintracht

Die Glasgow Rangers im Tal der Tränen

Erstellt:

Von: Daniel Schmitt

Kommentare

Aaron Ramsey (links) wird nach seinem verschossenen Elfmeter von Calvin Bassey getröstet.
Aaron Ramsey (l.) wird nach seinem verschossenen Elfmeter von Calvin Bassey getröstet. © dpa

Schotten sind „riesig enttäuscht“ und doch stolz, weil „alle alles gegeben haben“. Trainer Giovanni van Bronckhorst fühlt sich ans WM-Finale 2010 erinnert.

Sevilla – Giovanni van Bronckhorst, der Gentlemen-Trainer mit piekfeinem Anzug in der Hitze von Sevilla, fühlte sich am späten Mittwochabend um zwölf Jahre zurückversetzt. Sommer 2010, Südafrika, das WM-Finale - van Bronckhorst, damals ein Weltklasse-Linksverteidiger der niederländischen Nationalmannschaft, verließ das Stadion in Johannesburg als niedergeschlagener Verlierer des Duells gegen Spanien. Die Parallelen zu jetzt, zum dramatischen Europa-League-Abend für seinen Klub, die Glasgow Rangers, waren sofort präsent bei ihm und sind so frappierend wie bitter: „Ich habe ein WM-Finale verloren, das größte aller Spiele“, begann der Coach und beschloss: „Natürlich war das damals eine riesige Enttäuschung, genau wie diesmal.“ Dann senkte sich der Kopf.

Aus Sicht der Schotten verlief das Endspiel um den Europa-League-Titel 2022 ähnlich frustrierend ab wie vormals für Eintracht Frankfurt das Halbfinale 2019 in London gegen den FC Chelsea. An der Stamford Bridge hatte Eintracht-Angreifer Sebastien Haller gleich zwei hochkarätige Torchancen in der Verlängerung vergeben, ehe wenig später der Niederschlag aus elf Metern folgte. Diesmal verfehlte für die Rangers Ryan Kent in der 118. Minute der Partie sein Ziel, das Tor, und schoss stattdessen aus wenigen Metern den Frankfurter Schlussmann Kevin Trapp an. „Es war eine tolle Parade“, lobte van Bronckhorst, wusste aber auch, dass Kent hätte auch einfach besser ins Eck zielen können.

Der Glasgower Trainer blickte dennoch mit Stolz auf das Finale zurück: „Wir haben alles gegeben. Es war ein ganz enges Spiel über die komplette Dauer“, sagte van Bronckhorst zu Recht, dessen Mannschaft alles an Körperlichkeit hineingeworfen hatte, was drin war, selbst mit Krämpfen in den Waden noch. Das Team von der Insel war spielerisch vielleicht etwas schwächer als die Eintracht, einen Sieg hätten die Rangers alles in allem aber ebenso verdient gehabt. Wäre da nicht dieses Elfmeterschießen gewesen.

Eintracht Frankfurt besiegt die Glasgow Rangers: Aaron Ramsey versagen die Nerven

Aaron Ramsey, dem erst im Winter von Juventus Turin entliehenen Starspieler der Rangers, ein walisischer Fußballheld, international sehr erfahren, einst spielprägend beim FC Arsenal, versagten letztlich die Nerven. Drei Minuten vor dem Abpfiff der Verlängerung extra für den Showdown eingewechselt, schoss der 31-Jährige seinen Elfer zu lasch und zu mittig. Leichte Beute für Kevin Trapp.

Internationale Pressestimmen

Eintracht Frankfurt mit „maximalem Drama“

„Natürlich ist Aaron enttäuscht, aber er hat Verantwortung übernommen“, schützte van Bronckhorst den Spieler, der die Blauen aus Glasgow nach dem bereits am Samstag anstehenden nationalen Pokalfinale gegen Heart of Midlothian wieder in Richtung Italien verlassen wird. Er, der Trainer, könne jedenfalls keinem Spieler seiner Mannschaft einen Vorwurf machen an diesem Abend in Sevilla, gerade denen nicht, die wie Ramsey im finalen Akt vom Punkt die Verantwortung übernommen hätten. „Alle haben alles gegeben.“ Es hat nicht gereicht. (Daniel Schmitt)

Auch interessant

Kommentare