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Die Feuerprobe für die Eintracht in Stuttgart

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Von: Ingo Durstewitz

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Noch nicht topfit: Kapitän Sebastian Rode könnte aber in Stuttgart zu einem Kurzeinsatz kommen – wäre nicht unwichtig.
Noch nicht topfit: Kapitän Sebastian Rode könnte aber in Stuttgart zu einem Kurzeinsatz kommen – wäre nicht unwichtig. © Peter Hartenfelser/Imago

Eintracht Frankfurt sollte nach dem Sieg in der Königsklasse in der Bundesliga nachlegen – dann wäre sie ziemlich im Soll

Stuttgart/Frankfurt – Trainingseinheiten stehen kaum mehr auf dem Programm, die Eintracht jagt von Spiel zu Spiel, alle drei, vier Tage ein Wettkampf, national wie international. Trotzdem sagt Trainer Oliver Glasner vor dem schweren Gang nach Bad Cannstatt im Brustton der Überzeugung: Sein Ensemble sei absolut bereit für das Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) in Stuttgart, „ich sehe uns gut vorbereitet, wir werden eine voll fitte, hochmotivierte Mannschaft bringen“. Moment mal, grätschte da einer nicht ganz zu Unrecht dazwischen, wie wolle er, der Frankfurter Fußballlehrer, das denn eigentlich verlässlich voraussagen, wo er seine Mannen doch gar nicht mehr auf dem Übungsfeld um sich versammeln und ergo keine Eindrücke gewinnen könne. „Man hat ja auch ein Gespür, was den Spirit angeht“, antwortete Glasner ebenfalls nicht zu Unrecht, „man hat ein Gefühl für die Mannschaft, und ich habe ein sehr gutes Gefühl.“ Seine Spieler seien „mental und körperlich fit“, der Sieg in Marseille „hat uns gutgetan“.

Das bedeutet freilich nicht, dass es mit einiger Sicherheit auch zu einem Punktgewinn in dreifacher Ausfertigung in Schwaben reichen wird. Coach Glasner hält zwar den Begriff der Wundertüte für abwegig, doch die „Challenge“, die er mit seinem Team zu bestehen habe, lautet „Konstanz“. Damit es eben nicht mehr wie in der Achterbahn mal hoch und mal runter geht.

Er sieht diese Ausschläge aber in einem normalen sportlichen Kontext eingebettet. „Die Frage ist: Ist es möglich, alle drei Tage an die Leistungsgrenze zu kommen?“ Offenbar, siehe Wolfsburg, nicht. „Vielleicht ist die Latte auch zu hoch gelegt.“ Doch gute Teams unterscheiden sich von großen Teams eben genau darin: Hunger, Gier, Bereitschaft – alle paar Tage, wenn es sein muss. Und die Eintracht wusste, was auf sie zukommt, sie hat ihren Kader extra so gebaut, um gewappnet zu sein für den Tanz auf drei Hochzeiten. Insofern ist des Trainers Hinweis nach sechs Bundesligapartien, einem Pokalspiel und zwei internationalen Auftritten ein wenig irritierend.

Eintracht Frankfurt: Rode wird nicht gehetzt

Glasner hofft natürlich auf einen positiven Effekt durch den ersten Sieg in der Königsklasse, „wir wollen den Spirit und die Energie mitnehmen“. Gerade vor der anstehenden Bundesligapause wäre es hilfreich, diese mit einem guten Gefühl zu füllen. Zumal in diesen zwei Wochen die letzte Möglichkeit besteht, vor der WM Mitte November noch mal Trainingsreize zu setzen. „Das ist die letzte Chance, die Belastung zu erhöhen und Kapazitäten aufzubauen.“ Ansonsten wird das Mammutprogramm durch Wettkämpfe und Regeneration gefüllt. Am Donnerstag gab es sogar mal einen freien Tag. Gut für den Kopf und die Seele. „Die beste Ablenkung ist, mal bei der Familie zu sein.“

Auch am Samstag in Stuttgart wird der 48-Jährige das beherzigen, was er schon nach der frustrierenden Wolfsburg-Schlappe angekündigt hatte: „Es werden wieder die spielen, die 90 Minuten volle Power gehen können.“ Die Maxime ist denkbar leicht umrissen: „Die Jungs sollen alles raushauen, was sie im Tank haben.“ Da ist es auch egal, ob die Spieler auf ihren angestammten Positionen eingesetzt werden oder auf ungewohntem Terrain aushelfen müssen. Glasner nennt Ansgar Knauff, Kristijan Jakic und Daichi Kamada als Paradebeispiele, alle drei hätten in Südfrankreich nicht auf ihren angestammten Posten gespielt. „Sie haben aber alles rausgepresst und es hervorragend gemacht.“

Trotz der großen Belastungen wird der Trainer an seiner „moderaten Rotation“ festhalten, die in Stuttgart gar maximal minimal ausfallen könnte. Verwunderlich wäre es nicht, wenn Glasner dieselbe Elf ins Rennen schicken würde, die in der Champions League den Härtetest bestand. Makoto Hasebe und Jakic seien leicht angeschlagen, hätten aber signalisiert, dass „es geht“. Gerade mit Oldie Hasebe will der Trainer noch mal in den Dialog treten. „Wenn Makoto den Daumen hebt, wird er spielen.“ Gut so.

Kapitän Sebastian Rode wird hingegen ganz sicher keinen Einsatz über die gesamte Spielzeit verbuchen können. Es ist ohnehin überraschend, dass der fast 32-Jährige so schnell schon wieder auf dem Damm ist. „Es ist auch eine Chancen-Risiko-Abwägung“, berichtet Glasner, der auf einen fitten Rode wohl erst nach der Bundesligapause zählen kann. „Es wäre nicht klug, ihn jetzt in Stuttgart 90 Minuten über den Platz zu hetzen.“ Vielleicht reicht es ja für eine Halbzeit, wäre nicht unwichtig, denn die Leitfigur hebt das gesamte Niveau des Teams. Und ein Sieg beim VfB wäre enorm wichtig, in allen Wettbewerben wäre die Eintracht dann in etwa im Soll. Eine erste Zwischenbilanz, die nach einem Start mit ganz schön vielen Schwankungen absolut in Ordnung wäre. Eintracht Frankfurt vor der nächsten Feuerprobe. (Ingo Durstewitz)

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