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Die Eintracht verliert Filip Kostic: Versautes Geschäft?!

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Von: Ingo Durstewitz

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Der Wechsel von Filip Kostic zu Juventus Turin erregt so manches Gemüt. Doch er folgt den Regeln in einem Spiel, das auch die Frankfurter Eintracht schon lange mitspielt.

Frankfurt – Am späten Abend hat Peter Fischer, der Volkstribun mit der losen Zunge, dann mitten in Helsinki zur Grätsche angesetzt. Der Eintracht-Frankfurt-Präsident hielt es während des Empfangs in der sogenannten Frankfurter Botschaft, einem früheren Schlachthaus, für angebracht, dem scheidenden Starspieler Filip Kostic ein paar Nettigkeiten mit auf den Weg gen Italien zu geben. Er, Fischer, sei ein wenig „angestunken“, er habe wenig bis gar kein Verständnis dafür, dass der Linksaußen kurz vor dem Finale um die „europäische Krone“ (Vorstandssprecher Axel Hellmann) den Absprung wagt und selbst das große Spiel sausen lässt.

„Wenn du einmal die Chance hast, Supercupfinale zu spielen – gegen Real Madrid, nicht gegen die Wetterau. Wenn du dann noch die Auszeichnung bekommst als bester Spieler der Europa League unten auf dem Platz vor 500 Ländern, die zugucken, und du machst das nicht, dann merke ich doch, wie versaut das Geschäft ist.“ Man kann darüber streiten, ob das angemessene Worte zum Abschied eines verdienten Spielers sind, aber Fischer nimmt halt kein Blatt vor den Mund und er hat zumindest den Nerv vieler Menschen getroffen.

Reisende soll man nicht aufhalten: Filip Kostic verlässt Eintracht Frankfurt nach langem Hin und Her.
Reisende soll man nicht aufhalten: Filip Kostic verlässt Eintracht Frankfurt nach langem Hin und Her. © FotoKlein

Eintracht Frankfurt ist selbst Teil des Geschäfts

Denn auch in Frankfurt und in Finnlands Hauptstadt diskutieren nicht wenige, ob sich ein Spieler solch ein Spiel entgehen lassen dürfe, wo da Ehrgeiz, Sportsgeist und auch Dankbarkeit blieben. Ein internationales Prestigeduell gegen einen Weltklub sei doch ein würdiger Rahmen für eine Verabschiedung. Kostic, schrieb etwa der Kicker, gehe sicher nicht als Fußballromantiker.

Das mag sein, doch so sind nun mal die Usancen der Fußballbranche, ein Geschäft, das Peter Fischer also versaut nennt. Zur Wahrheit gehört auch: Sein Verein ist schon lange Teil der Maschinerie, kein Hort der Glückseligkeit und keine Art Robin Hood unter lauter Schurken. Die Eintracht hat Außergewöhnliches erreicht und sie hebt sich durch manche Eigenschaften und Werte von anderen ab, aber sie ist eben auch nur Part of the Game, ein Mitspieler im Milliardengeschäft. Sie hat, nur als Beispiel, im vergangenen Jahr an raffgierige Agenten Honorare in Höhe von 15,7 Millionen Euro ausgeschüttet, damit sie Spieler bekommt, die sie sonst nicht bekommen hätte. Nur vier Klubs gaben mehr Zaster für Berater aus. Versautes Geschäft?!

Kostic vor dem Supercup freizugeben ist die logische Entscheidung von Eintracht Frankfurt

Und: Im konkreten Fall ist es nun mal so, dass Juventus Turin darauf gedrängt hat, dass Kostic kein Spiel mehr für die Eintracht macht. Man weiß warum: Verletzungsgefahr. Das ist nicht weit hergeholt, erinnert sei nur an den Fall Leroy Sané vor drei Jahren, dessen Wechsel zu den Bayern schon so gut wie klar war, er aber trotzdem für Manchester City im eher unbedeutenden englischen Supercup auflief und sich prompt das Kreuzband riss. Die Bayern nahmen erst einmal Abstand von einer Verpflichtung. Dumm gelaufen.

Nein, die Eintracht war gut beraten, Kostic nicht zum Spielen zu „zwingen“, es hätte keinen Sinn gemacht. Der Spieler sitzt auf gepackten Koffern, er ist mit den Gedanken schon gar nicht mehr bei der Sache, sondern ganz woanders. Die Frankfurter waren ohnehin nicht die Partei, die das Tempo bestimmt hat, sie mussten auf ein offizielles Angebot warten. Als das kam, ging alles ganz schnell. Und sie wird sogar ordentlich entlohnt, mehr als 17 Millionen Euro fließen rein.

Frühzeitiger Abgang gibt der Eintracht Zeit

Im Stadtwald sind sie sogar froh, dass sich das Wechseltheater nicht bis Ende August gezogen hat, so kann der Verein selbst noch auf dem Transfermarkt zuschlagen, was er auch tun wird. Vielleicht noch vor dem nächsten Bundesligaspiel in Berlin. Geht einer, kommt halt der nächste. So läuft das. Mit Romantik, Treue, Identifikation hat das wenig zu tun, klar. Aber das ist nicht erst seit Filip Kostic so. Spieler hüpfen hin und her, der schnöde Mammon ist der Spielmacher.

Die Gesetze kennt die Eintracht doch sowieso: Wie oft haben ihr Unken schon den sportlichen Kollaps vorausgesagt, weil Erfolg sexy macht und Begehrlichkeiten weckt. Niko Kovac weg, Adi Hütter weg. Ante Rebic weg, Sebastien Haller weg, Luka Jovic weg, die Büffel, alle auf einen Schlag. Vor einem Jahr noch: Tormaschine André Silva weg. Für, na klar, viele Millionen. Der Ausverkauf der letzten Jahre mündete, wenn man so will, im größten Triumph seit 42 Jahren, dem Europapokalsieg, der den Verein erst nach Helsinki zum Supercup gegen Real geführt hat. Wenn da einer nicht mehr dabei sein will, okay, dann ist das halt so. Versaut mag die ganze Branche sein, aber nicht wegen des Seitenwechsels von Fußballprofi Filip Kostic. (Ingo Durstewitz)

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