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Die Eintracht und Europa: Immer wieder mittwochs

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Von: Thomas Stillbauer

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Die neue europäische Realität der Frankfurter Eintracht stellt die Gewohnheitstiere unter den Fußballfans vor Herausforderungen.

Frankfurt – Es ist nicht so oft Mittwoch gewesen, wenn Eintracht Frankfurt die Stiefel schnürte, um Europa zu verzaubern. In den vergangenen Jahren spielte sich dergleichen so gut wie immer am Donnerstag ab. Doch da waren Ausnahmen.

Der 18. Mai 2022 natürlich, Estadio Ramón Sánchez Pizjuán in Sevilla. Als Rafael Borré einen der schönsten, gewagtesten, passgenauesten Elfmeter der Fußballgeschichte in den Winkel schoss (und Eintracht Frankfurt damit ins Fußballgeschichtsbuch, abermals), ging es zwar schon stramm auf Donnerstag zu, aber es war eindeutig ein Mittwoch, an dem das Wunder seinen Lauf nahm.

Was wiederum kein so großes Wunder war, denn schon zuvor hatten wir ja ganz in der Nähe den Mittwoch proben dürfen. 9. März 2022, Betis Sevilla gegen Eintracht Frankfurt, 1:2. Kostic, Kamada, Kolossal. Und wenn wir schon bei guten Omen sind: Real Betis hieß der Gegner, um genau zu sein.

Wenn die Eintracht-Fans es sich genau überlegen, haben sie eigentlich gar nichts gegen den Mittwoch.
Wenn die Eintracht-Fans es sich genau überlegen, haben sie eigentlich gar nichts gegen den Mittwoch. © IMAGO/Revierfoto

Eintracht Frankfurt blickt auf besondere Mittwochs-Spiele zurück

Einmal war es auch der Freitag, an dem die Eintracht den Krösus aus dem Wettbewerb schmiss: Ganz am Anfang von Corona musste das Spiel in Salzburg um einen Tag verlegt werden – wegen einer Sturmwarnung. Das dürfte die Ausnahme bleiben, zumindest bis der Klimawandel voll durchschlägt. Ziemlich wahrscheinlich dagegen, dass es in naher Zukunft öfter mal der Mittwoch ist, an dem Frankfurt Europa feiert und Europa Frankfurt. Das hat auch eine gewisse Tradition. Der 13. April 1960 war ein Mittwoch (6:1 gegen Glasgow Rangers). Und natürlich der 21. Mai 1980 (1:0 gegen Borussia Mönchengladbach), der Tag, an dem die Eintracht schon einmal einen europäischen Pokal in den Abendhimmel wuchtete, damals wie auch 42 Jahre später: für den Jürgen, für den Jürgen Grabowski.

Was soll die ganze Wochentagsklauberei? Na, man möchte ja vorbereitet sein, wenn es plötzlich nicht mehr am gewohnten Donnerstag um kontinentale Meriten geht.

Eintracht Frankfurt spielt nun meistens dienstags oder mittwochs in Europa

Der Mensch, vor allem der Fußballmensch, ist ein Gewohnheitstier. Wir wollen gern am Samstag um 15.30 Uhr unsere Ligaspiele austragen (es sei denn, wir haben am Mittwoch davor um den europäischen Supercup gekickt, aber das interessiert die Spielplanmacher dann offenbar doch nicht so besonders), und wir wollen kein Brimborium in unserem Stadion (auch wenn einem dann die Sängerinnen ein bisschen leidtun, die das Gepfeife abkriegen, die können ja auch nix dafür).

Aber die Champions League spielt nun mal am Dienstag und Mittwoch. Und daran werden wir uns dann eben auch gewöhnen. Wie sagt man: Wer mit den großen Hunden pinkeln will, muss auch den Donnerstag, besser bekannt als „kleiner Samstag“, mal hinter sich lassen. So sagt man doch? Für Menschen, die gelegentlich abends arbeiten, heißt das: erhöhte Obacht bei den Spätdienstwünschen. Nicht mehr: „Biete alle Dienstage und Mittwoche außer dem Siebzehnten, such Dir was aus“ an den Dienstplanmacher schicken, so wie es bisher gefahrlos möglich war. Am Ende sitzt du am Computer und musst darüber berichten, dass irgendwo Alarm und Randale ist, während im Stadion Alario und Randal Kolo Muani die gegnerische Abwehr aufmischen.

Den Mittwoch jedenfalls üben wir heute Abend im wunderbaren Helsinki. Mir kommt das übrigens entgegen. Bin Mittwochskind. (Thomas Stillbauer)

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