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Über Stock und Stein: Eintracht-Stürmer André Silva überspringt den Bielefelder Jacob Laursen.
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Über Stock und Stein: Eintracht-Stürmer André Silva überspringt den Bielefelder Jacob Laursen.

Neue Spielfreude

Die Eintracht hat keine Angst mehr vor den Zwergen

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Mittlerweile kann Eintracht Frankfurt - anders als früher - tief stehende Teams ausspielen. Das hat auch mit mitreißenden Neuzugängen zutun.

In der jüngeren Vergangenheit war es bei Eintracht Frankfurt gerne mal so, dass sich die von der Papierform leichteren Gegner als überraschend unangenehme Stolpersteine entpuppten. Teams, die tief standen, die die Räume eng machten und gar nicht das eigene Spiel nach vorne in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen stellten, lagen den Hessen überhaupt nicht. Davon zeugen die vielen liegen gelassene Punkte in der Hinrunde gegen Mannschaften wie Arminia Bielefeld (1:1), 1. FC Köln (1:1) oder Werder Bremen (1:1), deren mehr oder weniger geschicktes Verteidigungsbollwerk von der Hinrunden-Eintracht nicht geknackt werden konnte – trotz zuweilen großer Feldüberlegenheit, die sich indes als brotlos und trügerisch erwies. Mit dieser zuallererst defensiv ausgerichteten Strategie und dem Setzen von einzelnen offensiven Nadelstichen verfährt übrigens die halbe Bundesliga – ein defensives Konzept zu entwickeln ist eben deutlich einfacher als kreative Lösungen zu finden und Verteidigungslinien auszuhebeln. Legitim ist das allemal, viele Favoriten beißen sich daran die Zähne aus.

Es braucht ballsichere Spieler, um derlei Bastionen zu stürmen, Spieler, die neue Situationen schaffen, die ausbrechen aus festgelegten Strukturen. Es braucht gute Fußballer. Die hat Eintracht Frankfurt mittlerweile, und die Frankfurter sind momentan sicher das Team, das mit den attraktivsten Fußball in der Liga spielt. Christian Streich, der Trainer des SC Freiburg, hat das unlängst festgestellt, die jüngste Gala auf der Alm hat ihn bestätigt. Deswegen ist es den Hessen, anders als noch in der Hinrunde, nun keineswegs bang vor den vermeintlich leichteren Aufgaben in den nächsten Spielen gegen Hertha, Hoffenheim, Köln, Bremen oder Stuttgart - und die Bayern sind zwischendrin auch noch dran.

Mittlerweile ist die Eintracht spieltechnisch in der komfortablen Lage, tief stehende Mannschaften auszuspielen, das ist neu und zeigt den enormen Entwicklungsschritt, den das Team genommen hat. Natürlich liegt das daran, dass Daichi Kamada nicht mehr allein den Spielaufbau schultern muss, dass spielstarkes Personal (Amin Younes, Luka Jovic) dazugekommen ist, dass andere Profis plötzlich aufblühen (Djibril Sow, Erik Durm, Filip Kostic, Evan Ndicka) und andere ihren fünften Frühling genießen (Makoto Hasebe).

Die Frankfurter spielen inzwischen komplett anders als in der Hinrunde. Dazu sind sie ungemein dominant, zwingen dem Widersacher ihr Spiel auf, haben das Zepter fest in der Hand. In den letzten vier Spielen hatten sie deutlich mehr Ballbesitz als der Gegner, gegen Mainz waren es 60 Prozent, gegen Schalke 67 Prozent, gegen Freiburg 62 Prozent und gegen Bielefeld 56 Prozent - so viel wie lange nicht mehr. In der kompletten Hinrunde waren die Hessen nur zweimal auf mehr als 60 Prozent Ballbesitz gekommen, gegen Bremen und Bielefeld im ersten Spiel. Eintracht Frankfurt, vielleicht die Mannschaft der Stunde, übernimmt also sofort das Kommando, anders als in der Hinrunde, wo es zuweilen arg verschlafene Anfangsphasen gab, macht schnell klar, wer Herr im Haus ist. Das hat sie zwar zuweilen auch in der Hinserie so gemacht, etwa im ersten Spiel gegen Bielefeld (62 Prozent Ballbesitz) oder Bremen (gar 72 Prozent), der große Unterschied zur aktuellen Situation ist aber der: Damals resultierte die Überlegenheit oft aus ewigem Ballgeschiebe in den eigenen Reihen, oft quer oder zurück, häufig bis zum Torwart. Das Spiel war wenig zielgerichtet nach vorne angelegt. Inzwischen und das hat zwingend mit der Systemumstellung zu tun, die vor allem der Offensive zugute kommt, werden Angriffe schnell von hinten heraus initiiert. Die forschen Ballstafetten hat Torwart Kevin Trapp gar als „Augenschmaus“ bezeichnet.

Tore am Fließband

Was außerdem anders ist: Dieser fein ziseliert vorgetragene Spielaufbau ist von Erfolg gekrönt, Eintracht Frankfurt schießt Tore am Fließband, zwei im Schnitt pro Spiel. Mehr als ihre 35 Treffer haben bisher nur die Bayern (42) erzielt. Leverkusen (32), Mönchengladbach (31) oder Dortmund (29) haben seltener getroffen. Am Ende der Kombination steht deutlich häufiger als früher ein erfolgversprechender Abschluss - und mit André Silva (14) besitzt die Eintracht einen echten Knipser. Und wer einen Luka Jovic bislang nur einzuwechseln braucht, hat ohnehin nicht ganz so große Probleme, zumindest nicht im Angriff.

Über kurz oder lang wird Jovic zudem von Anfang an spielen, sei es als zweiter Stürmer neben Silva oder als hängende Spitze mit nur noch einem Zehner, Younes oder Kamada. Denn einen feinen Fuß hat der Serbe noch dazu, nicht nur einen präzisen Schuss.

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