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Wortführer, aber auch Anführer? Torwart Kevin Trapp.

SGE-Leitwölfe

Eintracht Frankfurt sucht nach neuen Anführern in der Kabine

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Wer schlüpft bei Eintracht Frankfurt in die Rolle der abgewanderten Anführer?

  • Das starke Team hinter dem ersten Team bei Eintracht Frankfurt – wie Marco Russ, Gelson Fernandes oder Jan Zimmermann – ist weg
  • Wer übernimmt die wichtige Aufgabe in der Kabine der SGE?
  • Mehrere Spieler wären dieser Aufgabe sicher gewachsen

Zurzeit sucht der frühere niederländische Nationalspieler Jonathan de Guzman einen neuen Arbeitgeber. Der fast 33-Jährige hat nach drei Jahren, zwei Halbfinals und einem Pokalsieg seine Zelte in Frankfurt abgebrochen oder, besser, abbrechen müssen, weil Eintracht Frankfurt keine Verwendung mehr für den Mittelfeldspieler hatte. Der Routinier absolvierte in der zurückliegenden Saison acht Bundesligaspiele, allesamt über kurze Strecke, aber überraschenderweise kam er in sieben der letzten acht Partien zum Einsatz. Dennoch: Er passt nicht ins Konzept von Trainer Adi Hütter, dazu ist er nicht schnell und dynamisch genug und ein bisschen zu alt.

Jonny de Guzman war bei Eintracht Frankfurt das, was man eine Führungskraft nennt

Johnny de Guzman aber war wichtig, er ist ein Typ mit hoher Akzeptanz, Empathie und sozialem Bewusstsein, er hat viel erlebt, er ist das, was man, zumindest in Fußballerkreisen auf professionellem Niveau, eine Führungskraft nennt.

Beispielhaft ist die Szene aus der Kabine in der Halbzeitpause des Europa-League-Heimspiels gegen Lazio Rom, als nicht etwa Trainer Hütter die ersten Worte an seine Mannen richtete, sondern de Guzman. In Stakkato redete er auf seine Kollegen ein, sich nur ja den 2:1-Vorsprung nicht aus der Hand nehmen zu lassen, konzentriert zu bleiben, und auch auf den Schiedsrichter zu achten, der sehr schnell Karten zeigen würde. Es sollte helfen, die damals international noch grüne Eintracht besiegte die ausgebufften Italiener mit 4:1.

Das starke Team hinter dem ersten Team bei Eintracht Frankfurt

De Guzman war ein Mosaikstein im Eintracht-Ensemble, auch wenn er sportlich nicht zu denen zählten, die die Mannschaft auf ein anderes Niveau gehievt hätten. Da ging es ihm nicht anders als Gelson Fernandes, Marco Russ oder Jan Zimmermann. Sie haben Schluss gemacht, der kluge Fernandes ist in die Schweiz zurückgekehrt und wird auf anderem Terrain Karriere machen, Russ wird bei Eintracht Frankfurt eingegliedert, Zimmermann hat schon im Winter die Seiten gewechselt und ist vom Torwart zum Vorgesetzten der Torhüter aufgestiegen.

Sie alle haben Eintracht Frankfurt fußballerisch nicht geprägt, waren aber die Ausputzer, das starke Team hinter dem ersten Team, haben dafür gesorgt, dass alles läuft und keiner seine persönliche Empfindlichkeit über das Wohl des Ganzen stellt. „Ich war mehr als ein Spieler“, sagt Fernandes. „Ich coachte die Jungs, redete auf sie ein, motivierte sie ständig, ich tat alles für meine Mannschaft. Und sie hörten auf mich, weil sie wussten, dass ich Erfahrungen gesammelt habe.“

Die Suche nach neuen Eckpfeilern in der Kabine von Eintracht Frankfurt

Auch Fredi Bobic, der mit allen Wassern gewaschene Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, weiß, wie es um die Hygiene einer Mannschaft bestellt ist, wie wichtig das ist, was im Heiligtum passiert. „Diese Jungs haben die Kabine sauber gehalten“, sagt er über die Abgänger. Nur wer in etwa weiß, wie schwierig es ist, eine heterogene Gruppe von 25, 30 Männern zu führen, kann erahnen, wie bedeutend Eckpfeiler sind, die das Gebilde zusammenhalten, also Spieler, die Persönlichkeit haben, die eine Hierarchie ordnen, auf Leitlinien und Verhalten achten. „Das sind Spieler, die die DNA vorleben“ , sagt Bobic.

Das kann man so sehen. Es gibt zumindest wenige Spieler, die diese Fülle an Autorität, sozialer Kompetenz und Integrationsfähigkeit mitbringen. Natürlich ist ein Gerüst vorhanden, Kapitän David Abraham ist vor allem für die ausländischen Spieler (gerade aus dem iberischen oder südamerikanischen Raum) enorm wichtig, aber der Argentinier wird Eintracht Frankfurt spätestens in einem Jahr verlassen, er ist keiner, der das große Wort für alle führt. Das gilt auch für Makoto Hasebe, der ein absolutes Vorbild ist, aber nicht durch Interaktion in der Kabine, sondern eher durch seine Disziplin, Einstellung und Leistung.

Wird Kevin Trapp der neue Anführer in der Kabine von Eintracht Frankfurt?

Martin Hinteregger wäre ein Kandidat, aber der Österreicher ist ein gänzlich eigenwilliger Typ, kein klarer Anführer, dem alle folgen. Stefan Ilsanker hätte von der Persönlichkeit her das Zeug zum Leader, so wird er auch von Coach Adi Hütter gesehen, er ist durchaus beliebt bei den Kollegen, aber der 31-Jährige ist erst ein Dreiviertel Jahr an Bord und seine Nähe zum Trainer wird im Team zumindest registriert. Auch Bas Dost ist noch nicht so lange bei Eintracht Frankfurt, aber ein guter Typ, der sich kümmert, und doch zu oft – aufgrund vieler Blessuren oder Wehwehchen – mit sich selbst beschäftigt.

Bleiben Sebastian Rode und Kevin Trapp. Rode ist die Ausgeburt an Willen, Leidenschaft und auch Leidensfähigkeit, er ist einer, der sich aufopfert für sein Team, aber aufgrund seines Naturells eher keiner, der eine Kabine im Griff hat. Für Kevin Trapp spricht seine Erfahrung, sein Charisma, er ist das Gesicht der Mannschaft von Eintracht Frankfurt, Trainer Hütter hält große Stücke auf ihn, ist sein Vertrauter. Trapp ist einer, der sich zu verkaufen weiß, der Außenminister. Sein Ehrgeiz ist ausgesprochen ausgeprägt – doch Torhüter führen per se ein Eigenleben in der Gruppe, ob der 30-Jährige also eine ganze Mannschaft hinter sich versammeln kann?

Etwas unterschätzt, ganz sicher, wird Timothy Chandler, der als Gute-Laune-Typ und Scherzbold gilt. Das ist er auch, selten schlecht gelaunt, doch er hat auch andere, ernste Seiten. Und: Es gibt kaum einen Spieler, der mehr Freunde im Team hat. Ein nicht zu unterschätzendes Gut.

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