Hat keine Zukunft mehr in Frankfurt: Simon Falette.
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Hat keine Zukunft mehr in Frankfurt: Simon Falette.

Im Schatten der Eintracht-Stars

Die Ausgemusterten bei Eintracht Frankfurt: Aus den Augen, aus dem Sinn

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Auf dem Abstellgleis: Die Ausgemusterten der Frankfurter Eintracht lachen den Frust weg – was bleibt ihnen anderes übrig?

  • Bei Eintracht Frankfurt müssen sich einige Profis mit der Rolle des Ausgemusterten anfreunden
  • Einer von ihnen entdeckt den Torjäger in sich: Felix Wiedwald
  • Die jungen SGE-Stars unter den Aussortierten brauchen jedoch Entwicklungschancen

Frankfurt - Wenn sie sich bei Eintracht Frankfurt zusätzlich zum vertraglich gebundenen Sturmquartett nach einem weiteren Knipser umsehen wollten, sei ihnen ein nicht ganz ernst gemeinter Rat erteilt. Nein, nein, die Nummer mit Lionel Messi ist nicht gemeint, selbst wenn Bas Dost, einer des stürmenden Quartetts, für den Wunderfloh aus Rosario gerne auf die bequemen Sessel der Ersatzbank huschen würde. Vielmehr könnte Trainer Adi Hütter einfach auf dem Nebenplatz an der Arena im Stadtwald vorbeischauen, dort, wo die aussortierten Jungs seit einigen Tagen rumturnen und einer von ihnen offenbar Torjägerqualitäten entdeckt, wo niemand auch nur ansatzweise Torjägerqualitäten vermuten würde: Felix Wiedwald.

Wiedwald entdeckt bei Eintracht Frankfurt den Torjäger in sich

Ja, richtig, Felix Wiedwald, der Torhüter, die Nummer drei der Frankfurter Ballfänger hinter den beiden Nationalmännern Kevin Trapp und Frederik Rönnow. Wiedwald musste (oder durfte?) am Mittwochnachmittag wie sechs andere mit Profiverträgen ausgestattete Spieler mal wieder nicht am Training von Hütter teilnehmen. Stattdessen versammelten sich die Truppe einige Hundert Meter entfernt bei Marco Pezzaiuoli – noch so ein Aussortierter, in diesem Fall als Jugendchef am Riederwald.

Der frühere Bundesligacoach der TSG Hoffenheim also leitete die Herren Wiedwald, 30 Jahre, und Simon Falette, 28, sowie die Buben Marijan Cavar, 22, Nils Stendera, 19, Yannick Brugger, 19, Jabez Makanda, 19, und Lukas Fahrnberger, 19, an. Ein Spiel auf keeperverwaiste Mini-Tore, motivierende Schreie des Aushilfstrainers, ein sich niemals die Laune verderben lassender Falette, und – jetzt kommt’s – Knipser Wiedwald. Ein ums andere Mal knallte der zum Feldspieler umfunktionierte Keeper die Bälle ins Netz.

Den Talenten bei Eintracht Frankfurt bleiben große Entwicklungssprünge verwehrt

Was den 30-Jährigen ausgelassen jauchzen ließ und was auch bei den wenigen Beobachtern durchaus Schmunzler hervorlockte, war bei genauerer Betrachtung ein unwürdiges Schauspiel – für die Spieler und den Klub. Na klar, gerade die erfahrenen Profis Wiedwald und Falette stehen beim hessischen Bundesligisten recht ordentlich in Lohn und Brot, außerdem sollen und können und werden sie sich wohl neue Arbeitgeber suchen. Dieses Nicht-mehr-gewollt-Sein lässt sich somit sicher verschmerzen.

Den Nachwuchskräften aber bleibt die in ihrem Alter wichtige Chance zur fußballerischen Entwicklung nahezu verwehrt. Die Mittelfeldspieler Nils Stendera und Lukas Fahrnberger zum Beispiel, auf die nicht wenige im Leistungszentrum für Jugendliche am Riederwald große Stücke halten, werden fernab des fordernden Profitrainings keine großen Leistungssprünge hinlegen können. Sie werden nur dann mal länger vor den Augen von Adi Hütter mitmischen dürfen, wenn – wie kommende Woche – die Nationalspieler unterwegs sind.

Taktikschule bei Eintracht Frankfurt mit Adi Hütter

So ist schon jetzt absehbar, dass sich die jungen Männer nach Ablauf ihrer Verträge im kommenden Sommer neue Klubs suchen müssen – gänzlich ohne Spielpraxis, da es bekanntlich kein U-23-Ausweichteam mehr gibt, und zudem auch nur mit geringer, ernsthafter Trainingsroutine. Diese Mischung kann dann auch mal soweit führen, dass sich ein 19-jähriger, früherer Juniorennationalspieler wie Patrick Finger, der vergangenes Jahr von Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic noch explizit gelobt wurde („Ich bin ein Fan von ihm“), in diesem Sommer lieber dem Achtligisten Olympia Biebesheim anschließt. Nun sei ehrlicherweise festgehalten, dass die aus der A-Jugend herausgewachsenen Talente wissen, woran sie bei der Eintracht sind. Sie unterschreiben die Verträge aus freien Stücken. Sie wissen, dass sie hauptsächlich zur Erfüllung der DFL-Auflagen (Deutsche Staatsangehörigkeit, Local Player) im Profikader aufgelistet werden. Die Hoffnung, vielleicht eine Ausnahme zu sein und den Durchbruch zu packen, schwingt aber stets mit.

Es ist aus Sicht von Adi Hütter verständlich, dass er seine Trainingsgruppe begrenzt, um zielführend arbeiten zu können. Mit 30 Mann auf dem Platz lässt sich kein Elf gegen Elf spielen. Einfache Mathematik. Am Mittwochnachmittag zum Beispiel streute er eine Taktikeinheit für sein Kernteam ein. Er ließ zwei komplette Mannschaften gegeneinander antreten, die im Ballbesitz befindliche Truppe wurde zudem unterstützt von einem per Leibchen markierten Sonderspieler (Aymen Barkok oder Daichi Kamada). Hütter unterbrach die Übung quasi nach jedem Angriff. Er forderte vor allem ein sauberes Aufbauspiel. Die Verteidiger sollten, so der Wunsch ihres Vorgesetzten, nicht nur den einfachen Pass nach Außen spielen, sondern auch den risikobehafteteren durch das Mittelfeldzentrum wagen. Mal klappte das gut (Makoto Hasebe, Martin Hinteregger), mal ordentlich (Tuta), mal weniger gut (David Abraham, Evan Ndicka). Die aussortierten Sieben freilich durften es nicht einmal probieren. (Von Daniel Schmitt)

Andere Youngsters könnten unter Hütter in der kommenden Saison aufblühen. Aymen Barkok und Ragnar Ache wollen Eintracht Frankfurt aufmischen und könnten zur Überraschung der SGE-Saison werden.

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