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Unzufrieden: Hamburgs Marcell Jansen.
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Unzufrieden: Hamburgs Marcell Jansen.

Eintracht-Kolumne

Dicker Spatz

Ein Punkt beim Hamburger SV - damit kann Eintracht Frankfurt gut leben. Dabei wäre mit ein bisschen Mut gegen die müden Hanseaten vielleicht sogar mehr drin gewesen als ein 0:0. Von Thomas Kilchenstein und Jan Christian Müller

Von Thomas Kilchenstein und Jan Christian Müller

Fußball ist kein Wunschkonzert. Das mussten an diesem nasskalten Nachmittag in Hamburg die Spieler Guy Demel und Maik Franz am eigenen Leib erfahren. Drei Minuten vor Ultimo sank der Hamburger Demel plötzlich im Frankfurter Strafraum zu Boden, Christoph Spycher soll da den Oberschenkel stehen gelassen haben, und Guy Demel und die Hamburger Zuschauer forderten vehement Elfmeter. Es gab keinen, es gab zu Recht keinen, denn Spycher hatte den Ivorer nicht berührt. Aber noch weit nach Spielschluss echauffierte sich der rechte Verteidiger des HSV: "Klarer Elfmeter, klare Berührung. Der Schiedsrichter hat doch sonst auch jede Kleinigkeit abgepfiffen." Doch spätestens die TV-Bilder machten glasklar - es war kein Strafstoß. Es war dies eine von den zwei oder drei Höhepunkten einer weitgehend matten Partie.

Maik Franz wiederum war schon vor dem Spiel ein wenig traurig, sagte er zumindest, nachdem er die Aufstellung des Tabellenvierten gelesen hatte. Ruud van Nistelrooy, der Überstürmer aus den Niederlanden, war gar nicht dabei, weder in der Anfangsformation, noch auf der Ersatzbank. Eine Oberschenkelblessur hatte den 33-Jährigen ausgebremst. "Schade", sagte da Maik Franz, "es wäre schön gewesen, gegen einen Ruud van Nistelrooy zu spielen." So hatte sich der beinharte Verteidiger, auf rechts eingesetzt, nur gegen den völlig namenlosen Tunay Torun zu bewähren. Und beinahe wäre es so gekommen, wie es oft kommt: Tunay Torun, der No Name-Stürmer, hatte kurz vor der Pause die größte der beiden Torchancen für den HSV: Eine weite Flanke von Jerome Boateng köpfte Torun freistehend neben das Tor. Und als dann auch noch Mladen Petric zwei Minuten später eine Hereingabe von Piotr Trochowski auf dem falschen Fuß erwischte, hatte der schlappe HSV sein Pulver verschossen. Mehr ließ die kompakt und mannschaftlich sehr geschlossen auftretende Eintracht-Elf nicht zu. Oka Nikolov musste in den 90 Minuten keinen gefährlichen Ball halten, sein quittengelbes Trikot war nach Schlusspfiff noch so sauber wie beim Anpfiff.

Die Frankfurter, daran ließen sie hernach keinen Zweifel, wollten diesen einen Punkt. Der Spatz in der Hand war Eintracht-Trainer Michael Skibbe allemal lieber als die Taube auf dem Dach, zumal es in Hamburg "ein ziemlich dicker Spatz" war, wie er selbst sagte. Den leichten Vorwurf, gegen den HSV, der noch das Europa League-Spiel gegen den PSV Eindhoven vom Donnerstagabend in den Knochen stecken und nur gut 40 Stunden der Regeneration hatte, nicht mehr auf Angriff gespielt zu haben, wollte Skibbe nicht gelten lassen. Man habe offensiver spielen wollen, es habe aber nicht geklappt, weil "wir nicht so sicher gepasst und nicht so gut nach vorne gespielt hatten." Dabei hatte der Coach zuvor sein Mittelfeld dafür gelobt, besonders viele Zweikämpfe gewonnen zu haben. Doch dann geriet den Frankfurtern in der Vorwärtsbewegung so mancher Pass daneben. Vor allem Selim Teber, so sehr er sich auch bemühte und am meisten aufs HSV-Tor schoss (aber immer vorbei), bremste oft ungewollt den eigenen Spielaufbau. Er bekommt jetzt eine Pause, er sah im Spiel die zehnte Gelbe Karte und wird gegen den VfB Stuttgart zusehen müssen. Dazu waren die Flanken von links und rechts mal wieder ein einziges Ärgernis, entweder kamen sie zu flach oder sie fielen dem Hamburger Torwart Frank Rost wie reifes Obst in die Hände, und weit und breit kein Frankfurter in Sicht. Im Grunde hatten die Hessen, die sehr diszipliniert und geordnet auftraten, nur drei Möglichkeiten. Patrick Ochs versprang beim ersten Angriff schon in der 2. Minute der Ball, dann war Teber bei einem Konter (57.) zu langsam, und schließlich ließ Rost eine scharfe Hereingabe des sehr agilen Alexander Meier prallen (63.). Insofern war es nur logisch, dass die Partie vor gut 56.000 Zuschauern torlos endete.

"Wenn man zu viel will, geht der Schuss oft nach hinten los", fand denn auch Klubchef Heribert Bruchhagen die Taktik in Ordnung, den Punktgewinn nicht durch übermäßiges Risiko in Gefahr gebracht zu haben. "Wir sind sehr zufrieden. In der zweiten Halbzeit waren wir einen Schuss dominanter, insgesamt haben wir aber eine reife Leistung gezeigt." Er musste damit seinem Trainer ein Kompliment machen, dessen zurückhaltendes Konzept aufgegangen war. Dabei ist der Klubchef zum wiederholten Male nicht amüsiert über die Dinge, die Skibbe in der Öffentlichkeit so von sich gibt und speziell ihn, der Klubchef, stets mit kleinen Nadelstichen piekst. Am Samstag wehrte sich Bruchhagen erstmals richtig im Hamburger Abendblatt. "Skibbe will sein Image als Assistenztrainer loswerden", sagte er über den Fußball-Lehrer. In einer ersten Form hatte es der Frankfurter Vorstandsvorsitzende sogar noch drastischer formuliert, in der autorisierten Form schwächte Bruchhagen seine Einschätzung aber noch ab.

Erfreulich an diesen 90 Minuten war auch, dass Pirmin Schwegler keine Probleme mit seinen lädierten Bändern hatte. Dabei hatte er früh eine Schrecksekunde zu überstehen, als er bei einem Zweikampf am Knöchel getroffen wurde - aber weiterspielen konnte. "Da wusste ich: das Band hält." Auch er fand, dass "wir defensiv sehr gut gestanden haben, das haben wir als Mannschaft überragend gemacht". Aber auch ihm war klar: Mit ein wenig mehr Entschlossenheit " wäre vielleicht mehr drin gewesen." Patrick Ochs hieb in die gleiche Kerbe: "Wir haben den HSV gut in Schach gehalten. Wir waren sehr stabil." Und er erinnerte an die Hinserie, als die Eintracht gegen große Gegner schon mal 0:4 untergegangen war. "Heute haben wir gezeigt, dass auch wir mit großen Mannschaften mithalten können."

Das Schlusswort freilich gebührt Halil Altintop, der eine eher unglückliche Partie spielte, viele Bälle als einzige Spitze verlor und als Angreifer keine einzige gefährliche Aktion hatte: "Wenn man beim HSV 0:0 spielt, kann man von einem erfolgreichen Nachmittag sprechen."

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