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Eintracht Frankfurt: Rafael Borré steckt in der Zwickmühle

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Von: Thomas Kilchenstein

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Frustriert: Eintracht-Stürmer Rafael Borré.
Frustriert: Eintracht-Stürmer Rafael Borré. © Imago

Blauer Brief für den Kolumbianer Rafael Borré: Der einstige Held von Sevilla kommt an Fast-Weltmeister Randal Kolo Muani einfach nicht vorbei und ist tief frustriert.

Frankfurt - Im letzten Zeugnis im Sommer war Rafael Borré von Eintracht Frankfurt noch ein Musterschüler. Die FR gruppierte den Stürmer ganz oben ein, dort, wo nur die richtig Guten stehen. Er hatte sich dieses Lob vollauf verdient: Just als es darauf ankam, war er da, der kleine Angreifer aus dem kolumbianischen Baranquilla, er knipste entscheidend in der Europa League, im Viertelfinale wie im Traum gegen Barcelona, im Halbfinale gegen West Ham und über das Finale von Sevilla braucht man keine Worte mehr zu verlieren, erst der Ausgleich, dann der finale Schuss aus elf Metern unters Dach.

Volltreffer gegen Glasgow Rangers. Und dabei war der Kolumbianer mehr oder weniger in der Spitze allein auf sich gestellt. Zum Schluss gab die FR in ihrer Bewertung dieser Hoffnung Ausdruck: „Vielleicht wird es etwas leichter für Borré, wenn er nächste Saison mit Kolo Muani stürmen kann.“ Hätte so sein können. War es aber nicht. Ganz im Gegenteil.

Eintracht Frankfurt: Rafael Borré muss sich hinter Randal Kolo Muani anstellen

Seit Randal Kolo Muani dabei ist, läuft es für Rafael Borré gar nicht mehr. Spätestens als klar war, dass der französische Fast-Weltmeister seine immensen Stärken am besten als Alleinunterhalter im Angriff ausspielt, ist der vor eineinhalb Jahren ablösefrei von River Plate aus Buenos Aires verpflichtete Borré außen vor. Seinen Stammplatz hat verloren, 14 Einsätze in der Liga, einen einzigen über volle 90 Minuten (beim 0:3 in Bochum), stehen nur zu Buche, Minuteneinsätze in der Champions League, ein Tor, per Elfmeter zum 4:0 gegen RB Leipzig, hat er erzielt und eine selbstlose Vorlage für Lucas Alario geliefert. Das ist nicht viel für einen wie Rafael Borré, der im Laufe der Saison zudem große Probleme hatte, sich selbst zu motivieren. Lustlose Auftritte, etwa in Tottenham, ließen erahnen, wie sehr der Frust an ihm nagte. Im Mai noch der Held von Sevilla, seit September fünftes Rad am Wagen - so was nagt an einem Sportler, an jedem, nicht nur an Borré, dem die FR prompt einen Blauen Brief schickt.

Trainer Oliver Glasner hat volles Verständnis für die schwierige Lage des Stürmers, der ja lange Zeit, wenn er denn spielen durfte, immer alles gegeben hatte für das Team. Er hat ein längeres Gespräch mit Borré geführt, der so gar nicht zufrieden ist mit seiner Rolle in der Zwickmühle: „Das ist eine sehr schwierige Situation für ihn. Für mich ist es nachvollziehbar, dass er ein Stück weit Probleme hat, damit umzugehen. Aber es sollte auch nicht die Mannschaft die Leidtragende sein“, sagte der Coach.

Eintracht Frankfurt: Borré stellt sich die Frage, gehen oder bleiben?

Andererseits führt an Kolo Muani derzeit kein Weg vorbei, der 24-Jährige ist Frankfurts Lebensversicherung, 19 Scorerpunkte (acht Tore, elf Vorlagen) sind eine Menge Holz. Borré kann da nicht mithalten, vor allem fehlt dem Südamerikaner die Schnelligkeit, die Kolo Muani auszeichnet und so brandgefährlich macht. Borré ist ein Spieler, der viel läuft, der die Gegner attackiert und in Bedrängnis bringt. Das ist eine Qualität, die Glasner schätzt und die wichtig ist für das Spiel der Eintracht. In diesem Punkt hat Borré deutliche Vorteile etwa vor Lucas Alario, auch er steht komplett im Schatten des französischen Nationalspielers.

Ob Rafael Borré, der sich trotz aller Sprachprobleme mühelos integriert hat und vollauf akzeptiert ist, eine Zukunft hat bei den Hessen, ist offen. Eigentlich will Trainer Glasner in diesem Winter angesichts der vor dem Klub liegenden Aufgaben in Liga, Champions League und DFB-Pokal keinen Spieler abgeben, er kann aber dem 27-Jährigen seriös kaum längere Einsatzzeiten garantieren als bisher. Und das waren aus Sicht des Spielers zu wenige. Vermutlich wird es auf die Qualität des Angebots ankommen, für eine Ablösesumme im zweistelligen Millionenbereich würde die Eintracht den Angreifer, noch mit Vertrag bis 2025 gebunden, ziehen lassen.

Sollte Borré tatsächlich gehen, würde sich der Bundesligist um Ersatz bemühen. Nur mit Kolo Muani und Alario wollen Glasner und Sportvorstand Markus Krösche ganz sicher nicht in diese Rückrunde gehen. Verständlich. (Thomas Kilchenstein)

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