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Es hätte fast gereicht, aber nur fast: Filip Kostic bejubelt sein Tor zum 1:0, doch die Stuttgarter schlagen zurück. dpa
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Es hätte fast gereicht, aber nur fast: Filip Kostic bejubelt sein Tor zum 1:0, doch die Stuttgarter schlagen zurück. dpa

Remis gegen Stuttgart

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic - Der verhinderte Held

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Filip Kostic im Fokus: Erst sitzt er draußen, dann trifft er – und wird bis aufs Blut verteidigt

Frankfurt am Main - Viel hätte nicht gefehlt und eine dieser wundersamen Geschichten, die ja vorgeblich nur der Fußball schreibt, wäre auch an diesem lauen Spätsommertag in Frankfurt verfasst worden. Es sind diese Geschichten, in denen das Wörtchen „ausgerechnet“ Konjunktur hat. Ausgerechnet Filip Kostic also hätte zum großen Helden werden und die Eintracht zu ihrem ersten Saisonsieg in der Bundesliga schießen können. Hätte. Wenn. Aber.

Ja, ja, dieser Filip Kostic, der streikende Rebell, der seinen Wechsel nach Rom erzwingen wollte, der vor dem Auswärtsspiel in Bielefeld das Abschlusstraining und auch noch gleich die Partie auf der Alm schwänzte. Der sein Handy ausstellte, nicht mehr erreichbar war und bockig abreiste zur Nationalelf, am Ende doch in Frankfurt bleiben musste und dort in Gnaden wieder aufgenommen wurde.

Der am Sonntag gegen Stuttgart erst auf der Bank schmorte, und dann, als er reinkam, ja, da dauerte es nicht so furchtbar lange, ehe der 28-Jährige links draußen den Ball bekam, ihn sich (eigentlich ein bisschen zu weit) vorlegte und dann mit links die lange Ecke des Stuttgarter Tores anvisierte. Ein Schuss, ein Raunen, ein Jubelorkan. 1:0, kurz vor Schluss. Ausgerechnet Filip Kostic.

„Wie im Märchen“, sollte Eintracht-Trainer Oliver Glasner sagen. Wäre es gewesen. Denn Konjunktiv bleibt Konjunktiv, und so mutierte der Stuttgarter Omar Marmoush zum Spielverderber - ausgerechnet in seinem ersten Spiel für den VfB, ausgerechnet noch kürzer vor Schluss, zwei Minuten vor dem Abpfiff. 1:1. Kein Happyend für den Held des Tages. Dabei hatte selbst sein Trainer ihm genau das prophezeit. „Wenn du reinkommst, machst du das Siegtor“, berichtet Oliver Glasner und stellte zerknirscht fest: „Dafür hätte das Spiel aber etwas früher vorüber sein müssen.“ So ist die Geschichte nur halb so schön, aber immer noch erstaunlich genug, sie ist überdies garniert mit allerlei Irrungen und Wirrungen.

Denn Filip Kostic hat dieses Spiel in vielerlei Hinsichten geprägt. Zum einen, weil er erst gar nicht dabei war, was nicht alle verstehen konnten. Dann wegen seiner bockstarken Leistung, denn offensichtlich ist, dass seine Präsenz und seine Klasse die ganze Mannschaft auf ein anderes Level hievt. Natürlich auch wegen seines Tores und des Gegentores, das die Krönung der Kitsch-Story zunichte machte, und schließlich weil im Anschluss der Partie Kapitän Martin Hinteregger in einem bemerkenswerten Rundumschlag die Medien attackierte.

Der Österreicher verstieg sich gar zu der These, dass „viele Journalisten einfach nur Schwachsinn geschrieben haben“, sie hätten „immer so Halbwahrheiten“ verbreitet, „und die haben dann das Publikum dazu gebracht, gegen Filip zu sein, was natürlich absoluter Schwachsinn ist. Wenn’s die Wahrheit kennen, dann wäre das ganz anders. Heute waren ganz wenige Pfiffe, das zeigt dann, dass zum Glück nicht viele den Journalisten glauben.“ Alles Lügenpresse, oder was?

Starker Tobak des Frankfurter Wortführers, zumal alle Verantwortlichen den Fall Kostic genau so darstellten, wie berichtet wurde. Sie haben gleichwohl nie den Stab über den verdienten Spieler gebrochen, sondern stets seinen Sportsgeist und seine Charakterstärke hervorgehoben. Fakt ist, dass die Mannschaft eine Meldung eines Boulevardmediums aufbrachte, das berichtete, das Team habe sich für eine interne Sperre gegen Kostic ausgesprochen. Das ist in der Tat Unsinn. Dennoch sollten gerade Führungsspieler etwas differenzierter an die Sache herangehen. Hinteregger ließ später über Pressesprecher Bartosz Niedzwiedzki ausrichten, er habe es nicht so gemeint, er wollte sich nur vor Filip Kostic stellen und ihn verteidigen, denn die Mannschaft stehe zu 100 Prozent zu ihm.

„Filip war nicht so frei“

Für den serbischen Nationalspieler setzte es tatsächlich vereinzelte Pfiffe, aber die große Mehrzahl der Fans bedachte den Linksaußen schon bei der Mannschaftsaufstellung mit fettem Applaus. Nach seinem Tor brachen alle Dämme. Um die Wiedereingliederung des Filip Kostic muss sich die Sportliche Leitung wohl eher keine Gedanken machen.

Warum aber ließ Coach Glasner eigentlich seinen besten Spieler auf der Bank schmoren, wenn er ihm denn keinen kleinen Denkzettel verpassen wollte? „Das hat nichts mit Schmoren zu tun“, entgegnete der 47-Jährige energisch. Wenn er, Glasner, ihn hätte sanktionieren wollen, wäre Kostic nicht im Kader gewesen. Vielmehr sei man gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass es nach den Vorkommnissen besser sei, ihn erst im Laufe des Spiels zu bringen. „Das Ganze hat ihn belastet, Filip war nicht so frei, er hatte die eine oder andere schlaflose Nacht.“ Der Plan wäre fast aufgegangen – ausgerechnet an diesem Sonntag aber nur fast. (Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

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