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Zum Haareraufen: Sam Lammers bei Eintracht Frankfurt.
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Zum Haareraufen: Sam Lammers bei Eintracht Frankfurt.

SGE

Sam Lammers wird bei Eintracht Frankfurt zum Problemstürmer

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Sam Lammers kommt bei Eintracht Frankfurt nicht ins Laufen. Doch Trainer Oliver Glasner schreibt ihn nicht ab und hofft auf den Durchbruch.

Frankfurt - Es war nach dem Piräus-Spiel, als Eintracht-Trainer Oliver Glasner es an der Zeit sah, eine Lanze für eines seiner Sorgenkinder zu brechen. Mal wieder hatte Sam Lammers einen unglücklichen Auftritt hingelegt, hatte ganze 17 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen und im Grunde keinen Ball an den eigenen Mann bringen können. Die öffentliche Kritik war verheerend, „Lämmchen“ spottete der Boulevard, Online-Seiten nannten ihn einen „Fehleinkauf“, die FR urteilte im Klassenbuch auch wenig freundlich: „nicht tauglich“. Glasner spürt und sieht ja selbst, dass bei seinem Stürmer derzeit nichts zusammenläuft, ja, dass er der Mannschaft gerade keine besonders große Stütze ist.

In Piräus etwa wurde der 24-Jährige nach einer knappen Stunde erlöst, ohne ihn gewann Eintracht Frankfurt diese Europapokal-Partie, ironischerweise bereitete der für ihn eingewechselte Jesper Lindström den 2:1-Siegtreffer vor. Lammers ist bei seinen zehn Einsätzen für die Hessen noch keine Vorlage gelungen. Er hängt in einem tiefen Leistungsloch fest, hinkt den Erwartungen meilenweit hinterher.

Eintracht Frankfurt: Zwei Jahre kaum gespielt

JULIUS-HIRSCH-PREIS FÜRS EINTRACHT-MUSEUM

Das Eintracht-Museum wird mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnet. Die feierliche Ehrung nimmt der DFB am kommenden Montag (19 Uhr) im Frankfurter Palmengarten vor. Mit der Stiftung des Preises erinnert der Fußballbund seit 2005 an den deutsch-jüdischen Nationalspieler Julius Hirsch (1892 – 1943) und an alle Opfer des Nationalsozialismus.
Das Museum hat sich unter Leitung von Matthias Thoma der Aufgabe gestellt, die Zeit zwischen 1933 und 1945 zu beleuchten, die Geschichte des Vereins aufzuarbeiten und der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen zu gedenken. Zudem initiierte man Stolpersteinverlegungen und organisierte Reisen in die ehemaligen KZ Theresienstadt und Buchenwald. FR

Glasner weiß, dass er seinen so unglücklich agierenden Angreifer mental aufrichten muss. Es ist ja diese unheilvolle Allianz zwischen schwacher Leistung und mangelndem Selbstvertrauen, aus so einem Teufelskreis kommt man schwer raus. Also sprach der Psychologe im Trainingsanzug: „Sam macht gerade eine nicht so einfache Zeit durch“ und bat um Nachsicht für den Niederländer aus Tilburg. Lammers sei erst in diesem Frühjahr an der Schulter operiert und erst am letzten Tag der Transferperiode verpflichtet worden. „Er konnte länger nicht trainieren und war nicht im Rhythmus.“

In der Tat hat Lammers in den letzten beiden Jahren sowohl bei Atalanta Bergamo als auch zuvor beim PSV Eindhoven kaum gespielt, sein letztes Spiel über volle 90 Minuten absolvierte der frühere U21-Nationalspieler Ende Februar 2020, danach standen allenfalls Kurzeinsätze zu Buche, der längste ging über 45 Minuten. In Holland laborierte Lammers an einer schweren Knieverletzung, die eine Operation und eine bald halbjährige Pause nach sich zogen. Vor seinem Wechsel im Sommer zur Eintracht kam der Wuschelkopf, der allenthalben als „super Junge“ umschrieben wird, in zwei Jahren auf 25 Pflichtspiele, das ist nicht viel. In Frankfurt wollte er neu beginnen. „Er kam mit großer Hoffnung hierher, sollte vom ersten Tag an funktionieren und der Toptorjäger sein. Das funktionierte nicht so und hinterließ bei ihm Spuren“, erklärte Coach Glasner.

Es funktionierte auch deswegen nicht, weil mangelnde Spielpraxis und das Gewöhnen an eine stärkere Liga in einer Mannschaft gelingen sollte, bei der es ebenfalls alles andere als rund lief, die gleichfalls auf der Suche nach Form und Struktur ist. Zudem sind die Hessen in den letzten Jahren, was treffsichere Stürmer angeht, ziemlich verwöhnt. Sportvorstand Markus Krösche sieht zudem die Kollegen auf dem Rasen in der Pflicht, den Mittelstürmer mit entsprechenden Bällen zu füttern und ihn in die gefährlichen Positionen zu bringen. Auch deswegen, findet Oliver Glasner, „zweifeln wir nicht an ihm“.

Er wolle versuchen, Lammers Qualitäten „herauszukitzeln“, damit dieser zu „alter Stärke“ finde. Und sie haben sich ja eine Menge von Sam Adrianus Martinus Lammers versprochen: Er sei technisch „ein ganz feiner und intelligenter Fußballer“, könne die Bälle sichern und Räume schaffen für andere, könne beidfüßig abschließen, habe eine gute Grundschnelligkeit. „Er bringt viele Dinge mit, die wir brauchen“, sagte Krösche, als das Leihgeschäft bis 2022 (ohne Kaufoption) mit Bergamo in trockenen Tüchern war. Mit ihm als Zielspieler gewinne das Frankfurter Spiel an Flexibilität, und Glasner berichtete erfreut: „In seiner erfolgreichsten Saison in Heerenveen hat er 19 Tore gemacht. Und das Besondere: Der Zehner dahinter hat auch 17 Tore erzielt.“

Eintracht Frankfurt: Alles schuldig geblieben

Bislang freilich ist Sam Lammers so gut wie alles schuldig geblieben. Kombinationen sind spätestens bei ihm zu Ende, er bekommt Bälle nicht unter Kontrolle, dribbelt sinnfrei in ein Pulk von Abwehrspielern, kommt so gut wie kaum zum Abschluss, steht auch gar nicht da, wo ein Torjäger mit Instinkt stehen muss. Er selbst hält sein Kopfballspiel bei einer Größe von 1,91 Metern für verbesserungsfähig.

Er fremdelt offensichtlich gewaltig mit der Liga. Trotzdem, und das spricht für ihn, hat er zwei Tore erzielt, eines in der Europa League gegen Fenerbahce (ein zweites wurde wegen einer minimalen Abseitsposition von Daichi Kamada aberkannt), und ein wunderschönes, technisch anspruchsvolles gegen den VfL Wolfsburg. Er kann es also, oder? Allerdings liegen diese Erfolgserlebnisse eine Weile zurück. Und Sam Lammers, einer, der sich Gedanken macht, vermittelt im Augenblick den Eindruck, extrem verunsichert zu sein, seiner Stärken nicht mehr sicher. Er wirkt verkrampft, weil er den Erfolg erzwingen will, das Leichte, Unbeschwerte fehlt ihm komplett. Ob er es je wieder findet? (Thomas Kilchenstein)

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