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Eintracht Frankfurt: Hinteregger wird zum Problemfall

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Von: Thomas Kilchenstein, Ingo Durstewitz

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Keine Stütze derzeit: Martin Hinteregger.
Keine Stütze derzeit: Martin Hinteregger. © dpa

Der wankende Verteidiger von Eintracht Frankfurt verschuldet erneut zwei Gegentore, weshalb Trainer Oliver Glasner bald vor einer kniffligen Entscheidung steht

Frankfurt – Die größte Unterstützung erfuhr die in einer veritablen Formkrise steckende Eintracht-Leitfigur Martin Hinteregger ausgerechnet vom Gegner. Max Kruse, das Schlitzohr im Dienste des VfL Wolfsburg, hatte fast schon Mitleid mit dem Kontrahenten, der ihn nach 26 Minuten an der Strafraumgrenze abgeräumt hatte, was Schiedsrichter Frank Willenborg nach Eingreifen des Kölner Kellers zu einem späten Elfmeterpfiff animierte, den Kruse natürlich verwandelte. Harte Entscheidung, findet der Stürmer, „50:50“, und überhaupt: „Hätte der Schiri gewusst, dass das Foul im Strafraum war, hätte er es zuerst nicht gepfiffen. So pfeift er und muss am Ende auf Elfmeter entscheiden.“ Vorher hatte Willenborg Freistoß angezeigt.

Strafstoß war, so oder so, die richtige Entscheidung, auch wenn Kruse seiner eigenen Wahrnehmung zufolge eher zwiegespalten ist und erfrischend ehrlich berichtet: „Ich mache meinen typischen Haken, und er steht mir halt komplett im Weg. Natürlich kann er sich nicht in Luft auflösen, das weiß ich schon.“ Zur Wahrheit gehört freilich auch: Es gab gar keine Veranlassung für Hinteregger, den aus dem Strafraum dribbelnden Widerpart derart ungestüm zu attackieren, das war nicht besonders clever. Und typisch für den wankenden Koloss in der Frankfurter Abwehr.

Eintracht Frankfurt: Glasner nimmt Hinteregger in Schutz

Denn auch am zweiten Wolfsburger Treffer in der Nachspielzeit war der 29-Jährige entscheidend beteiligt, unterschätzte einen langen Ball und köpfte ihn in den Lauf von Dodi Lukebakio, der die verblüffend uninspirierte Eintracht mit dem 2:0 auf die Bretter schickte. „Fehler gehören dazu“, wiegelte Sportvorstand Markus Krösche ab. „Es tut mir leid für den Jungen, er hat Pech gehabt.“

Und Trainer Oliver Glasner schützte seinen Abwehrchef so gut es ging. „Ich bin weit weg davon, das jetzt Martin alleine in die Schuhe zu schieben, das finde ich sehr oberflächlich.“ Der Fußballlehrer holte gar Hintereggers Nebenmann Tuta mit ins Boot. Es sei ja wohl klar gewesen, dass Max Kruse keinen Sprint in Richtung Torauslinie anziehen würde, und es gebe die klare Anweisung, einen Stürmer in einer solchen Situation nicht in die Mitte ziehen zu lassen. Das habe Tuta nicht beherzigt, „er hat sich düpieren lassen“. Doch nicht Tuta, sondern Hinteregger wird in Frankfurt so langsam zum Problemfall.

Eintracht Frankfurt: Keine Rücksicht auf Status

Der Österreicher verschuldet zu viele Gegentore, wirkt nicht fit, auch gedanklich nicht, irgendwie beladen und belastet. Er gibt den jungen Abwehrkollegen Tuta und Evan Ndicka keinen Halt, beide wirken sehr viel ruhiger, wenn der zurzeit mit einer Verletzung am Brustkorb auf Eis liegende Makoto Hasebe spielt. Zudem ist Hintereggers Spieleröffnung ein Ärgernis, oft genug schlägt er den Ball hoch nach vorne. Er verkörpert genau den Stil, den Eintracht Frankfurt nicht pflegen soll. Die Spieler sind angehalten, den Aufbau flach und strukturiert anzugehen.

Die Frage ist nun, wie es weitergeht. Hasebe wird für die Partie am Samstag beim 1.FC Köln sicher noch keine Alternative sein. Wird also der Publikumsliebling wieder spielen, obwohl seine Auftritte so fehlerbehaftet sind? Oder darf sich Tuta oder womöglich gar Stefan Ilsanker in der Zentrale versuchen? „Hinti hat eine hohe Qualität und ist ein wichtiger Spieler“, sagt Sportchef Krösche. „Er bekommt unsere Unterstützung.“ Auch Glasner macht nicht den Eindruck, als würde er seinen Landsmann fallen lassen wollen. Klar, würde er ihn jetzt aus dem Team nehmen, wäre das für den sensiblen Hinteregger ein Schlag ins Kontor. Andererseits unterliegen gerade Profifußballer dem klaren Leistungsprinzip. Und Glasner nimmt auch bei anderen Spieler wenig Rücksicht auf Status oder Befindlichkeit. Und bei Hinteregger, den gar nicht mehr so unangreifbaren Stopper? Knifflige Angelegenheit.

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