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Hrvoje Smolcic: Die neue Nummer 5 der Eintracht

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Von: Thomas Kilchenstein

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Hrvoje Smolcic von Eintracht Frankfurt
Hrvoje Smolcic im Eintracht-Testspiel gegen Aschaffenburg. © Julien Christ / Beautiful Sports / Imago IMages

Eintracht Frankfurt hat in Hrovje Smolcic einen vielseitigen, kernigen Verteidiger gewonnen. Filip Kostic ist gut gelaunt zum Training erschienen. Die Gemeinde freut dies sehr.

Frankfurt – Bestimmt wäre gewaltiger Jubel aufgebrandet, vielleicht nicht ganz wie bei einem Tor, aber fast, als Filip Kostic an diesem Donnerstagvormittag kurz nach zehn Uhr Frankfurter Rasen betreten hatte. Er ist wieder da! Der als Heilsbringer Belobigte, jedenfalls der beste Mann im Feld von Eintracht Frankfurt, ist zumindest zurückgekommen aus dem Urlaub, er hat seine Trainingsklamotten mit dem Adler übergestreift und - gemeinsam mit dem zweiten ganz späten Rückkehrer Kevin Trapp, der sich seit Mittwoch querlegt - eine erste Einheit mit den Eintracht-Kollegen absolviert.

Das muss noch lange nicht heißen, dass der 29 Jahre alte Serbe auch dauerhaft in Frankfurt bleibt, Juventus Turin, bella Italia, lockt nach wie vor, und theoretisch könnte der Linksaußen gar noch sechs Pflichtpartien für die Eintracht bestreiten, Tore schießen und Spiele gewinnen, und dann erst wechseln, das Transferfenster schließt erst am 31. August. Aber ihn ziehen zu lassen, wäre womöglich, sagen manche und nicht nur beinharte Fans, der größte strategische Fehler der vergangenen Jahre, den Eintracht Frankfurt machen könnte. Aber noch ist Kostic ja da, in Stein ist noch nichts gemeißelt, es liegt vor allem an ihm, ob er geht oder bleibt, und natürlich wäre der Applaus mehr als warm gewesen an diesem Donnerstag - wenn zuschauende Kiebitze dem Training hätten beiwohnen können.

Hrovje Smolcic von Eintracht Frankfurt: Linksfuß, Innenverteidiger, 21 Jahre alt

Aber öffentlich war die Einheit nicht. So verpassten sie den ersten Auftritt von Kostic, sie verpassten, dass Goncalo Paciencia, der vor dem Absprung stehen soll, genauso wie Ajdin Hrustic bestens gelaunt noch immer an Bord ist, sie verpassten einen Mario Götze, der wieder komplett mittrainierte und sogar ein Tor im Trainingsspielchen erzielte, sie sahen nicht, dass Lucas Alario und Sebastian Rode individuell übten, schließlich blieb ihnen der Auftritt von Hrvoje Smolcic verborgen, einem 21 Jahre alten Kroaten, neu bei der Eintracht, für 2,5 Millionen Euro von HNK Rijeka geholt, dem Vierten der kroatischen Liga. Smolcic ist ein Innenverteidiger, ein Linksfuß, der sich am wohlsten in einer Dreierkette fühlt, eine Position, die er bei seinem alten Klub meist gespielt hat.

Aber natürlich würde er auch in einer Viererabwehrreihe zurecht kommen, ließ er von Marijo Majic zur Mittagszeit übersetzen, Hauptsache er dürfe überhaupt spielen. Für ihn sei der Wechsel, sein erster richtiger, noch dazu ins Ausland, „wirklich ein großer Schritt für mich“. Ohnehin sei der Weg in die deutsche Bundesliga für jeden Spieler aus Kroatien „ein Traum“, er werde, sagte Smolcic, jenen „für immer dankbar“ sein, die ihm diesen Weg ermöglicht haben. „Ich will das Vertrauen zurückgeben,“

Hrvoje Smolcic, dessen Zwillingsbruder Ivan ebenfalls in Rijeka spielte, hat bei seinem alten Klub, für den er seit seinem 14. Lebensjahr aktiv war, einiges erlebt. Trotz seiner Jugend war er bald unumstößlicher Stammspieler, dazu seit seinem 20. Lebensjahr auch Kapitän. Auch deshalb, hob Sportvorstand Markus Krösche hervor, verfüge der Verteidiger bereits „über sehr viel Erfahrung“, eine Handvoll Europa League-Spiele stehen auch schon in seiner Bilanz, Krösche nennt ihn eine „Führungskraft, die „viel mitbringt“. Neben den grundsätzlichen Fähigkeiten eines Stoppers - Zweikampfhärte, Kopfballstärke, eine gewisse Aggressivität - bestünde eine weitere Stärke des Neuen im Spielaufbau. Der sei, sagt Krösche, „sehr gut“. Smolcic selbst empfindet seine Spielübersicht und seine Fähigkeit zur Antizipation als großes Plus und seinen rechten Fuß als Schwäche. Und der Mann ist nicht unbedingt das, was man einen Torjäger nennt. In 89 Pflichtspielen für HNK Rijeka, ein Klub, der zu 70 Prozent dem Geschäftsmann Damir Miskovic gehört, sind ihm genau zwei Treffer gelungen, davon einer in der vergangenen Saison.

Hrovje Smolcic von Eintracht Frankfurt: „Ich bin aber keiner, der Rote Karten sammelt“

Zweimal ist Hrvoje Smolcic, U21-Auswahlspieler seines Landes, mit seinem Heimatklub kroatischer Pokalsieger geworden, 2019 und 2020. Und womöglich wäre er es auch in diesem Jahr geworden, wenn er nicht im Finale im Mai gegen Hajduk Split schon in der ersten Halbzeit mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen worden wäre. Hrvoje Smolcic - ein Hitzkopf? Nein, nein, wehrt der eher besonnene Mann ab. Aber in diesem wichtigen Spiel, seinem letzten nach sieben Jahre in Rijeka, sei sein Team trotz früher Führung - durch den aus der Bundesliga (Mönchengladbach, Leverkusen, Nürnberg) bekannten Josip Drmic - „nicht ehrgeizig genug“ aufgetreten, ließ er übersetzen. Das habe ihn sehr geärgert, weshalb er ein Zeichen setzen wollte, womöglich ein zu klares. „Ich bin aber keiner, der Rote Karten sammelt.“ Hajduk Split hat das Finale in Überzahl locker 3:1 gewonnen.

Hrvoje Smolcic von Eintracht Frankfurt
Hrvoje Smolcic bei seiner Vorstellung auf der Pressekonferenz von Eintracht Frankfurt. © Jan Huebner / Schultheiß / Imago Images

Ehe er Hrvoje Smolcic, erst der dritte Spieler aus Rijeka, der es in die Bundesliga schaffte, zur Eintracht kam, hatte er sich mit Kristijan Jakic, seinem Landsmann, ausgetauscht. Jakic spielt seit einem Jahr in Frankfurt, er kam aus Zagreb, beide haben in der heimischen Liga gegeneinander gespielt, und „Kristijan hat mir Bescheid gegeben und erzählt, wie dieser Klub tickt“. Bislang ist alles so eingetroffen, wie ihm berichtet worden sei, er finde sich gut zurecht, die Eingewöhnung werde ihm leicht gemacht. „Wenn ich mich wohlfühle, spiele ich gut“, sagt Smolcic. Natürlich seien Intensität und Tempo im Training deutlich höher, als er es bislang gewohnt war, es werde auch aggressiver Fußball gespielt, aber das sei für ihn „eine extra Motivation“. Jakic hat auf der anderen Seite auch Smolcic angepriesen, er sei, sagte der 24-Jährige, „so furchtlos und aggressiv im Zweikampf wie ich“. Er, Smolcic, hoffe wiederum, die Serie guter kroatischer Fußballer in Frankfurt, etwa Ante Rebic, und in der Bundesliga fortsetzen zu können.

In seinem vorletzten Spiel für HNK Rijeka spielte Hrvoje übrigens gegen seinen Zwillingsbruder Ivan, der sich im Winter an den abgeschlagenen Tabellenletzten Hrvatski Dragovoljac ausleihen ließ. Die Partie endete 1:0 für Rijeka. Die Frage, wer von den beiden Smolcic-Brüdern der bessere Fußballer sei, wollte Hrvoje nicht beantworten, „das sollen andere bewerten.“ Brauchte er auch nicht: Beide Brüder spielen auf der gleichen Position. (Thomas Kilchenstein)

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