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Der Mythos Sporting

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Von: Daniel Schmitt

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Dem Ball immer im Blick: Sporting-Profi Pedro Gonalves. Foto: Imago Images
Dem Ball immer im Blick: Sporting-Profi Pedro Gonalves. Foto: Imago Images © imago/GlobalImagens

Der Eintracht-Gegner aus Lissabon profitiert Jahr für Jahr von einer ausgezeichneten Jugendarbeit und bringt so viele Weltfußballer hervor wie kein anderer Klub auf dem Planeten.

Fernab der mediterranen Metropole, rund 30 Kilometer entfernt vom Stadtzentrum Lissabons, wo keine Wohnhäuser mehr zu sehen sind, sich lediglich eine zweispurige Straße durchs karge Weideland zieht, vorbei an den Ausläufern des Flusses Tejo, begrüßt ein Löwe aus Stein, das Wappentier des ansässigen Vereins, die Gäste. Dort, am Eingang der „Academia“, beginnt die Reise in eine andere Welt, an einen Ort, an dem es nur um eines geht: Fußball.

Die Talentstätte des Sporting Clube de Portugal, der dritten Kraft des Landes nach Stadtrivale Benfica und dem FC Porto, ist bei weitem keine moderne, wenngleich es unter anderem einen überdachten Kunstrasenplatz gibt. 1988 gegründet hat sich längst vielerorts an den Mauern die grün-weiße Wandbemalung auf den Boden niedergeblättert. Und dennoch bleiben Menschen hier plötzlich andächtig stehen, lassen sich einfangen vom Charme des Traditionellen, vom Geruch des saftigen Grüns, vom Mythos, dass an diesem Ort bisher so viele Weltfußballer ausgebildet wurden wie nirgends sonst auf dem Planeten.

Luis Figo war der erste, 2001, später folgte, na klar, Cristiano Ronaldo. Nicht mal „La Masia“, die berühmte Talentschmiede des FC Barcelona, brachte seit der Einführung der Wahl vor rund 30 Jahren zwei Weltfußballer hervor. Den portugiesischen Idolen, Figo und Ronaldo, ist gemein, dass sie in der „Academia Sporting“ ihre Fähigkeiten verfeinerten - unter anderem dank Aurelio Pereira, dem „größten Unterstützer“ (Ronaldo) der Stars. Besagter Mann, heute 74, entwickelte vor mehr als 30 Jahren das erste Scoutingsystem Portugals, was damals noch nicht als solches benannt wurde. Er reiste durchs Land, schaute tagein, tagaus auf den Bolzplätzen genau hin, entdeckte Jugendliche und begeisterte sie für seinen Klub. Heutzutage besuchen über 6000 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren die Sporting-Schulen des Landes, die besten von ihnen schaffen es in die Akademie.

Flügelspieler ragen heraus

Die „Aurelios“ taufte der einstige Sporting-Präsident Bruno de Carvalho nicht umsonst jenes portugiesische Nationalteam, das 2016 in Frankreich gegen den Gastgeber Europameister wurde. Von den 14 Spielern, die im Finale spielten und 1:0 gewannen, waren zehn der Sporting-Schule entwachsen. Und damit auch ihrem Förderer Aurelio Pereira.

In diesen Tagen, da der 1906 gegründete Klub am Abend (18.45 Uhr/Dazn) bei Eintracht Frankfurt im ersten Gruppenspiel der Champions League antritt, lebt Sporting weiterhin vom riesigen Fundus an Talenten. Jahr für Jahr werden sie für viel Geld ins Ausland verkauft, erst im zurückliegenden Transferfenster wieder ließen sich die Engländer aus Wolverhampton die Dienste von Mittelfeldspieler Matheus Nunes 45 Millionen Euro kosten.

Für Coach Ruben Amorim, der 2020 für die portugiesische Trainer-Rekordablöse von zehn Millionen vom SC Braga verpflichtet wurde und zwölf Monate später die erste Meisterschaft seit langen 19 Jahren holte, ist der alljährliche personelle Aderlass Normalität. Dass es zu Saisonbeginn daher ruckeln und zuckeln kann - Tabellenplatz acht nach fünf Partien - , hält er zwar für „nicht zufriedenstellend“, alles in allem „aber auch logisch“.

Dennoch versammelt die Mannschaft, die Leoes, die Löwen, die vergangene Saison immerhin Borussia Dortmund aus der Königsklasse warfen, ehe im Achtelfinale Schluss war gegen das übermächtige Manchester City, einige begabte Leute: Gerade die beiden Außenbahnspieler Francisco Trincao, für den der FC Barcelona einst mal eine Ablöse von 31 Millionen Euro bezahlte, und Pedro Goncalves, versehen mit einem Marktwert von 30 Millionen, können den Unterschied machen. Sie sind schnell und trickreich, Leute fürs schöne Spiel. Das Talent solcher Fußballer nicht in zu starre Muster zu pressen, gehört zur Philosophie des Klubs.

Wie passend, dass Trainer Amorim den offensiven Ansatz favorisiert, er seine Elf gerne im 3-4-3 aufreiht und sie lieber agieren denn reagieren sehen will. Etwas, das im Gegenzug der Eintracht schmecken könnte, ergeben sich dadurch stets recht große Räume in der Sporting-Defensive. Zuletzt gegen Leipzig und Bremen jedenfalls präsentierte sich die Eintracht stark gegen mitspielende Gegner. In Lissabons Abwehr soll ein bekanntes Bundesligagesicht die Attacken stoppen: Der Ex-Mainzer Jeremiah St. Juste ist trotz grundsätzlicher, hoher Qualität freilich bekannt für manch leichtfertigen Aussetzer.

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