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Wird als Nummer zwei zunächst nur im Training Bälle parieren: Markus Schubert.

Eintracht-Torwart Markus Schubert

Neuer Torhüter Schubert: Der kleine Unterschied

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Markus Schubert, neuer Keeper bei Eintracht Frankfurt, weiß die Ruhe und den Teamgeist bei Eintracht Frankfurt zu schätzen. Von Schalke 04 ist er nämlich anderes gewöhnt.

Es entbehrt ganz sicher nicht einer gewissen Pikanterie, dass Markus Schubert sein allererstes Spiel für Schalke 04 in der Bundesliga ausgerechnet gegen seinen aktuellen Verein bestreiten durfte, gegen Eintracht Frankfurt. Geplant war das nicht, aber weil Stammtorhüter Alexander Nübel Mitte Dezember 2019 nach einer üblen Attacke gegen den kleinen Mijat Gacinovic vom Platz gestellt wurde, musste der damals 21-Jährige, gerade erst von Dynamo Dresden nach Gelsenkirchen-Buer gewechselt, ins Tor. 21 Minuten waren noch zu spielen, die Knappen führten 1:0 – und Markus Schubert sollte bei seinem Debüt in der höchsten deutschen Klasse eine weiße Weste behalten. Schalke schlug seinerzeit die Eintracht eben mit diesem 1:0. „Und dafür kann ich mich nicht entschuldigen“, sagt Markus Schubert heute.

Am Mittwoch saß der 1,87 Meter große Ballfänger in kurzer Hose und roter Trainingsjacke im Pressesaal bei Eintracht Frankfurt. Er ist für ein Jahr ausgeliehen worden, im Tausch mit Frederik Rönnow, der zu Schalke ging und prompt am vergangenen Samstag zu seinem ersten Einsatz kam. Er hielt prima bei seinem 45-Minuten-Auftritt, musste lediglich einen Elfmeter kurz vor Schluss passieren lassen. Ralf Fährmann, die vormalige Nummer eins, konnte nach der Pause wegen muskulärer Probleme nicht mehr weiterspielen. In Frankfurt wird sich der U-21-Nationaltorhüter Schubert hinter Kevin Trapp im zweiten Glied einreihen, so ist es geplant.

„Das Problem war ich“

Das alles ging ziemlich schnell über die Bühne. In die Saison ist Markus Schubert noch gestartet in dem Wissen, mit Fährmann um einen Stammplatz in der Schalker Schießbude zu konkurrieren, Ex-Trainer David Wagner hatte sich erst spät für den älteren Schlussmann entschieden. Nun ist Schubert, der wie auf Schalke wieder die Nummer 23 trägt, fester Ersatzmann in Frankfurt. Tapfer sagt er: „Das war meine freie Entscheidung“, er habe auf Schalke auch das Vertrauen des Torwarttrainers gespürt. Aber wenn er nicht gewechselt wäre, stünde er nach der Verletzung von Fährmann womöglich im Tor von S04.

Die Zeit auf Schalke, zu denen der Sachse 2019 gewechselt war, war eine durchweg turbulente. Spielte der Traditionsklub in der vergangenen Hinrunde noch sehr ordentlich, reihten die Knappen in 2020 eine Niederlage an die nächste. Seit 18 Spielen warten die Schalker auf einen Sieg, keine leichte Zeit für einen jungen Torhüter. „Ich muss aber sagen, dass ich fast glücklich bin, auch so etwas schon erlebt zu haben“, findet Markus Schubert. Sehr lehrreich sei das letzte halbe Jahr gewesen, viele Erfahrungen habe er gemacht und „die richtigen Schlüsse“ daraus gezogen. Er habe in diesen Phasen, da es auf dem Berger Feld drunter und drüber ging, viel nachgedacht und festgestellt: „Das Problem war ich selber. Ich habe mir zu viel Druck gemacht.“ Dadurch habe er verkrampft. „Ich liebe es, wie alle Torhüter, im Fokus zu stehen“, sagt er. Als dann aber nach der Corona-Pause die Geisterspiele kamen, die ihm stets wie Testspiele vorkamen, wollte er ganz besonders gut halten – und kassierte vielleicht gerade deswegen ein paar haltbare Bälle zu viel, etwa ausgerechnet im Derby gegen Borussia Dortmund (0:4). Selbstkritisch räumt er ein, die ersten Spiele nach dem Re-Start seien ganz sicher nicht seine besten gewesen, 0:4 gegen den BVB, 0:3 gegen FC Augsburg, 1:2 gegen Fortuna Düsseldorf. Dann war er raus.

Der Wechsel nach Frankfurt als Nummer zwei empfindet er nicht als Schritt zurück, „das würde ich nicht sagen“. Er wolle in diesem Jahr an seinen Stärken und Schwächen arbeiten, wolle sich unter einem anderen Torwarttrainer und an der Seite von Nationalmannschaftskeeper Kevin Trapp weiterentwickeln, um dann womöglich neu anzugreifen. Auch die EM mit der U21 und die Olympiateilnahme hat er längst nicht abgeschrieben. Zuletzt war er zweimal nicht dabei, im September, weil er noch in Quarantäne war, und jetzt, weil er sich in Frankfurt einleben soll.

Das fällt ihm offenbar leicht. Hier bei der Eintracht herrscht „eine überragende Stimmung“, meint er. Man „merkt hier, dass man gewinnen will, hier ist es ein Miteinander, im Team besteht ein guter Zusammenhalt.“ Das sei, findet er, „ein kleiner Unterschied“ zum FC Schalke 04.

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