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Er macht den Unterschied: Filip Kostic. Foto: Imago Images
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Er macht den Unterschied: Filip Kostic.

SGE

Coup beim FC Bayern München wird Eintracht Frankfurt beflügeln

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der Sensationssieg von Eintracht Frankfurt in München bringt tabellarische Ruhe und neuen mentalen Schwung.

Frankfurt - Da stand er dann in der Mixed Zone zu München, frisch geduscht, akkurat gescheitelt, weißes Hemd, schüchternes Lächeln. Filip Kostic tritt nach den Spielen so gut wie nie in Erscheinung, Pressearbeit ist nicht sein Ding, die überlässt der zurückhaltende Eintracht-Linksaußen lieber anderen; Timothy Chandler etwa, den lustigen Klassesprecher, oder Martin Hinteregger, immer für einen Spruch gut. Oder auch Kevin Trapp, den polyglotten Schlussmann mit den guten Manieren und dem tadellosen Auftreten.

Doch nach einer gefühlten Ewigkeit zeigte sich denn auch der 28-Jährige mal wieder vor eine Kamera, und sei es nur die des vereinseigenen TV-Senders. Aus gutem Grund: Neben dem überragend haltenden Trapp in der Kiste war es der serbische Nationalspieler, der zum wiederholten Male den Unterschied machte und die Eintracht zu diesem historischen Erfolg in München, dem ersten nach mehr als zwei Jahrzehnten, schoss, 2:1-Siegtreffer kurz vor Schluss. Es war ein typisches Kostic-Tor: Aus spitzem Winkel mit der linken Klebe scharf ins lange Eck. Und ab dafür. Das erste Tor hat er, natürlich, auch vorbereitet. Seine Zahlen sind schon jetzt wieder bemerkenswert: acht Spiele, vier Vorlagen, zwei eigene Treffer. Eine Klasse für sich.

Eintracht Frankfurt: Kostic glücklich über Sieg

„Ich bin sehr, sehr glücklich“, sagte das Powerbündel also in gutem Deutsch. „Das war ein sehr wichtiger Sieg“, das Team habe Geschichte geschrieben. „Das ist super für unser Selbstvertrauen.“ Die drei Punkte seien gerade vor der Bundesligapause von enormer Bedeutung, „ich hoffe, so geht es jetzt weiter“. Für ihn steht erst einmal ein Trip zur serbischen Auswahl an, nächster Stop Luxemburg, Samstag, WM-Quali. Filip Kostic reist mit einem guten Gefühl an, ganz sicher.

Da geht es ihm nicht anders als den meisten anderen Eintracht-Spielern, die entweder in Kleinstgruppen zu Hause in Frankfurt trainieren und sich über ein paar freie Tage freuen dürfen oder sich aber zu ihren Länderteams begeben und sich quer über den Erdball verteilen. 13 Akteure sind auf Reisen, das ist schlecht für eine geregelte Vorbereitung. „Die Jungs sind am Anschlag“, sagte Trainer Oliver Glasner.

Umso wichtiger war dieser Dreier in Fröttmaning, auch rein tabellarisch gesehen, schließlich hängt die Eintracht mit jetzt acht Punkten noch immer im hinteren Drittel fest. Doch der Anschluss ans Mittelfeld ist hergestellt, das Ganze ist zumindest wieder halbwegs im grünen Bereich. Sehr viel wichtiger war der erste Bundesligasieg jedoch für die Psyche, die geistige Beschaffenheit.

Nach dem Rumpelstart mit zwei Niederlagen und etlichen Unentschieden hat die Eintracht binnen drei Tagen zweimal gewonnen, beide Male kurz vor Schluss, einmal auf internationalem Terrain in Antwerpen und dann am Sonntag bei „der besten Mannschaft der Welt“, wie Abwehrchef Stefan Ilsanker befand. So schnell geht das im Fußball. Der Überraschungscoup von München kann gerade mental einen Schub geben, gerne ist die Rede von einem Brustlöser oder dem oft zitierten Befreiungsschlag.

Eintracht Frankfurt: Glasner erleichtert

Glasner darf sich bestätigt fühlen, fast schon wie ein Mantra beschwor er den Glauben an das Gute, an die Wende. In den vergangenen Wochen habe das Pendel stets in die falsche Richtung ausgeschlagen. Einen Rucksack voller Altlasten schleppte das Team ohnehin mit sich herum, vor allem die Hypothek aus der letzten Saison mit dem miserablen Endspurt und dem Verpassen der Champions League. „Alles, was schiefgehen kann, geht schief“, sagte der 47-Jährige kürzlich, „aber das wirft uns nicht um, der Knoten wird platzen.“ Nun also sechs Punkte binnen 72 Stunden, Knoten geplatzt. Erst einmal. „Riesenrespekt, ich kann mich nur bei der Mannschaft für diesen Spirit bedanken“, lobte der Coach. Kapitän Hinteregger glaubt: „Das ist ein Zeichen, es geht in die richtige Richtung.“

Die Eintracht hat sich die Sensation mit einer klugen Defensivtaktik verdient, hinten mit allem verteidigt, was laufen und sich in die Bälle reinwerfen konnte. Und im Spiel nach vorne hat sie clever über die erste Kette der Bayern hinweg gespielt, das war ganz klar der Matchplan. „Wir wussten, dass wir unsere Kontergelegenheiten bekommen“, sagte Glasner, der schon vor dem Anpfiff absoluten Siegeswillen demonstrierte und öffentlich kundtat. „Wir machen keinen Sonntagsausflug, wir fahren nach München, um zu gewinnen, das sage ich aus voller Überzeugung“, bedeutete der Österreicher. Worte, die manch einen durchaus verwunderten.

Der Auftritt in München war ein Fingerzeig für das gesamte Kollektiv, aber auch für einzelne Spieler. „Wir haben mit dieser Abwehr nicht einmal trainiert“, sagte Glasner über den Fünferabwehrriegel. Die Zusammenstellung der ersten Elf darf für die Akteure als Signal gewertet werden, dass der Trainer, wie er gebetsmühlenartig betont, „niemanden fallen lässt, wenn er bereit ist, sich für die Mannschaft aufzuopfern“. Das gilt gerade für den alten Haudegen Stefan Ilsanker und den jungen Hüpfer Tuta, beide haben zuletzt kaum gespielt, waren außen vor. Jetzt standen sie in der Startelf und machten ihre Sache ausgesprochen gut.

Eintracht Frankfurt: Sonderlob für Tuta

Gerade der Brasilianer Tuta erhielt ein Extralob. „Phantastische Leistung“, sagte Glasner. Er habe ihm am Sonntagvormittag bei einem Spaziergang in München eröffnet, zur Startformation zu zählen. Tuta habe es kaum glauben können. „Ich habe ihm gesagt, spiele einfach so wie immer. Wenn es nicht klappt, ist es meine Schuld, weil ich dir keine Minuten gegeben habe in letzter Zeit.“ Es hat dann doch geklappt.

Der Coach wurde aber nicht müde zu betonen, den Überraschungserfolg „gut einordnen“ zu können. Glasner weiß, dass noch vieles im Argen liegt, gerade die Passgenauigkeit im Angriffsdrittel lässt zu wünschen übrig. „Wir haben im Ausspielen noch viel zu tun.“ Wenn seine Mannen die Situationen richtig zu Ende gespielt hätten, „hätten wir noch drei-, vier-, fünfmal alleine auf Manuel Neuer zulaufen können.“ Das war nicht mal großartig übertrieben.

Glasner warnte eindringlich vor einer überzogenen Erwartungshaltung oder etwaigem Verlust der Bodenhaftung. „Wir werden jetzt nicht 14 Tage die Hände oben haben, dann kommt Hertha Berlin und das böse Erwachen.“ Vielmehr gehe es darum, sich „sehr fokussiert vorzubereiten“, denn die drei Punkte aus München zählen nur wirklich etwas, wenn der erste Heimerfolg der Saison gegen Berlin gelinge. „Wir wollen den Sieg gegen Hertha vergolden“, sagte Glasner. „Wir wollen unbedingt nachlegen.“ Nach der Bundesligapause am Samstag, 16. Oktober, zur klassischen Anstoßzeit 15.30 Uhr. (Von Ingo Durstewitz)

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