Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Tristesse in Frankfurt: Der Sportchef ist nun gefragt.
+
Tristesse bei Eintracht Frankfurt

SGE in der Krise

Eintracht Frankfurt: Großer Katzenjammer bei der SGE

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
    schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Trainer Oliver Glasner prangert in erstaunlicher Offenheit Missstände bei Eintracht Frankfurt an. Und wie geht es eigentlich mit Filip Kostic und Amin Younes weiter?

Frankfurt am Main - In einem bemerkenswert offenen Grundsatzreferat artikulierte Oliver Glasner irgendwann einen kurzen Satz, der erst mit etwas Abstand aufhorchen ließ und Wirkung entfaltete. „Ab Mittwoch“, setzte der Eintracht-Trainer nach dem ernüchternden Remis auf der Bielefelder Alm an, „müssen wir aus dem dann finalen Kader eine Einheit formen, eine Eintracht werden.“ Ab Mittwoch, 1. September, ist das Transferfenster bis zum Winter geschlossen, Wechsel sind dann nicht mehr möglich. Für Oliver Glasner ein Segen, denn offenkundig ist, dass dort, wo Eintracht draufsteht, keine Eintracht drinsteckt. Willkommen im trüben Spätsommer 2021, willkommen in der etwas aus den Fugen geratenen Welt von Eintracht Frankfurt.

„Wir sind alle froh, wenn das Transferfenster schließt“, sagt der Trainer. So viel Tohuwabohu, Eitelkeiten, Egospielchen und Wechselwünsche – das ist ungewöhnlich und schädlich. „Ich bin nicht erst seit gestern im Fußball, aber das habe ich in dieser Form noch nicht mitgemacht.“

Eintracht Frankfurt: Auf Trainer Glasner wartet jede Menge Arbeit

Auf den Fußballlehrer, seit Samstag 47 Jahre alt, wartet eine ganze Menge Arbeit, fußballtaktischer Art, aber auch integrativer und pädagogischer Natur. Diese Aufgabe im Hessenland hat sich der aus dem karg-beschaulichen Wolfsburg in den Stadtwald übergesiedelte Österreicher ganz sicher nicht ganz so massiv vorgestellt. Da geht es natürlich um den Stotter-Start mit insgesamt zwei Punkten gegen Leichtgewichte aus Augsburg und Bielefeld und dem Knockout im DFB-Pokal in Mannheim, aber es geht vor allen Dingen um die vielen Nebenschauplätze, am Freitag dann der Gipfel des Theaters: Starspieler Filip Kostic schwänzte das Abschlusstraining, er will sich nach Rom streiken.

„Das war kurz vor Ende der Transferzeit der letzte Tropfen, der zu viel war für das Fass Eintracht Frankfurt“, sagte der Coach nach dem mageren 1:1 (0:1) in Bielefeld entwaffnend ehrlich. Und weiter: „Seit Monaten durchlebt der Verein eine relativ unruhige Phase“, befand er und zählte die Personalien im Schnelldurchlauf auf: Abgang Fredi Bobic, Abgang Adi Hütter, Abgang André Silva. „Dann sagt Amin Younes, er verlässt den Klub, ist jetzt aber doch wieder da. Und am Ende des Tages ist es Filip Kostic, der gehen will.“ Wie soll also ein Klub so viel Durcheinander und solch einen Aderlass wegstecken? „Das sind nicht ja nicht die Nummern 22 bis 24 im Kader, sondern Führungsspieler in der Mannschaft“, die anderen beiden waren „Führungspersonen im Klub“.

Eintracht Frankfurt: Glasner dämpft die Erwartungen

Der Fußballlehrer folgert mit einer gewissen Distanz und Außensicht, die er als Frankfurter Frischling automatisch mitbringt: „Das, was passiert ist in den letzten Monaten, ist nicht gut für Eintracht Frankfurt.“ Er spüre selbst am eigenen Leib, „dass hier nicht alles ruhig ist und rund läuft“, aber dieser Gleichklang, diese Balance sei unabdingbar für sportlichen Erfolg. „Je ruhiger es ist, umso erfolgreicher können wir sein. Das war bei Eintracht Frankfurt immer so.“

Für Glasner ist klar, dass ein solcher Umbruch Spuren hinterlässt und sich die Schieflage nicht auf die Schnelle begradigen lässt. Wer denke, „da kommen zwei Neue, die haben den Fußball neu erfunden, die wedeln – zack, zack – ein bisschen mit dem Staubwedel und alles ist wieder sauber“, der irre gewaltig. Das Ganze brauche Zeit, „da sind wir mittendrin. Markus Krösche und ich werden alles daran setzen, Ruhe reinzubringen.“

Die Frage wird generell sein, wie die Mannschaft nach dem 31. August aussieht, was aus Kostic und Amin Younes wird (siehe weiteren Bericht auf der folgenden Seite), welche Spieler noch gehen und welche kommen werden. Sicher wird Kristijan Jakic, 24, von Dinamo Zagreb anheuern, die Eintracht wird aber nicht, wie kolportiert, sieben Millionen Euro für den kroatischen Mittelfeldspieler zahlen, sondern nur vier Millionen.

Eintracht Frankfurt sucht den Mittelstürmer

Dass noch ein Stürmer unterschreiben wird, ist gewünscht und geplant, aber nicht zu 100 Prozent sicher. Der finanzielle Spielraum ist beschränkt, weil Profis, die eigentlich keine Rolle mehr spielen (Zuber, Paciencia, auch Ilsanker), viel Geld verdienen, aber bisher keinen neuen Verein gefunden haben oder sich gar nicht darum bemühen. Nur bei Zuber sieht es nach einem Wechsel aus, am Sonntagmittag flog er zu Gesprächen nach Athen. Er soll an AEK ausgeliehen werden, auch eine Kaufoption ist geplant. Zudem drückt der geplatzte Transfer von Younes aufs Budget. Ein großer Mittelstürmer, das zeigen die Spiele bisher deutlich, wäre unheimlich wichtig.

Glasner wird, so oder so, eine Einheit zusammenbauen müssen, die den europäischen Wettbewerb schultern kann, ohne national Schiffbruch zu erleiden. Das wird schwer genug, denn das aktuelle Aufgebot ist deutlich schwächer als das letztjährige. In dieser Konstellation ist die Eintracht nur bedingt konkurrenzfähig.

Eintracht Frankfurt: Die starken Gegner kommen erst

Das hat auch die Partie in Bielefeld gezeigt, in der sich die Frankfurter eine Stunde in endlosen Stafetten ergötzten, einen Ballbesitz von 75 Prozent erspielten, aber am Ende der physischen Wucht der spielerisch biederen Arminen nichts entgegenzusetzen hatten. Das endlose Ballgeschiebe, zumeist hinten herum, ist zudem nicht mehr als brotlose Kunst, da fehlt der Biss, die Wucht und der Zug nach vorne.

Nur einmal bekam man eine Ahnung davon, was Glasner, der in der Bielefelder Drangperiode unverständlicherweise den unsteten Aymen Barkok und nicht den japanischen Altmeister Makoto Hasebe zur Stabilisierung einwechselte, mit seinen Mannen vorhat: beim Führungstreffer, als Jens Petter Hauge die mit Abstand schönste Kombination zur Führung veredelte (22.). Zum Sieg reichte es nicht, weil die Eintracht förmlich einbrach und Patrick Wimmer ausglich (86.). Ein gerechtes Ergebnis, das der Sportführung zu denken geben sollte – denn sehr viel schwächere Gegner als Augsburg und Bielefeld werden kaum mehr warten. (Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare