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Welle der Erleichterung: Die Profis von Eintracht Frankfurt feiern den Sieg in Fürth vor den mitgereisten Fans.
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Welle der Erleichterung: Die Profis von Eintracht Frankfurt feiern den Sieg in Fürth vor den mitgereisten Fans.

Sieg in Fürth

Der ganz normale Wahnsinn bei Eintracht Frankfurt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt schlägt gerne spät zu, doch die spielerische Armut ist bedenklich. Trainer Oliver Glasner stellt Besserung erst im Winter in Aussicht.

Frankfurt - Es ist schon erstaunlich, welch große Gefühle so ein schmuckloser 2:1-Erfolg beim Tabellenschlusslicht hervorrufen kann. Da werden plötzlich gestandene Männer, 31 Jahre alt, Nationalspieler, WM-Teilnehmer, zu kleinen Burschen, die sich ihrer inneren Wallung nicht mehr erwehren können und es einfach fließen lassen. So wie Kevin Trapp, der Torhüter der Glücksjäger von Eintracht Frankfurt, der nach dem Abpfiff dieses turbulenten und wilden Bundesligaspiels am Ronhof zu Fürth mit feuchten Augen vom Platz stiefelte. Der Schlussmann hat gar nicht erst versucht, die Tränen zu unterdrücken, weshalb auch, ist ja nichts dabei, und doch zeigt es, wie viel auf dem Spiel steht und wie viel Druck auf dem Kessel ist.

Auf Trainer Oliver Glasner, ein ruhiger Vertreter seines Fachs, der aber während des Spiels auch zum Vulkan werden kann, haben Trapps Tränen der Erlösung Eindruck gemacht. „Wenn man sich die Emotionen von Kevin ansieht, dann merkt man, wie viel es den Jungs bedeutet, was Eintracht Frankfurt den Jungs bedeutet“, sagte der Österreicher ein wenig pathetisch: „Deswegen geben sie auch alles. Sonst wäre das alles nicht möglich.“

Spezielle Qualität: Eintracht Frankfurt gewinnt in letzter Sekunde in Fürth

Glasner meint diesen ganz normalen Wahnsinn bei Eintracht Frankfurt, diese Widerstandsfähigkeit und wehrhafte Einstellung, die es der Mannschaft ermöglicht, auf den letzten Metern und in den letzten Sekunden noch etwas zu vollbringen, was kaum noch jemand für möglich halten würde – außer man weiß halt um diese spezielle Qualität der Truppe, eben nie aufzustecken und immer noch mal zurückschlagen zu können. Das ist durchaus bemerkenswert und nicht alltäglich.

Der Coach selbst fasst die letzten acht Tage von Eintracht Frankfurt mit sieben Punkten aus drei Pflichtspielen im Zeitraffer zusammen: „Ausgleich gegen Leipzig in der 94. Minute, Siegtreffer in Piräus in der 92. Minute, Siegtreffer in Fürth in der 94. Minute. Das wäre nicht möglich, wenn nicht jeder mit Herz und Seele dabei wäre.“ Da hat er wohl recht, der Fußballfachmann aus Salzburg.

Chemie stimmt bei Eintracht Frankfurt

In Fürth, beim Schlusslicht mit einem Zähler aus elf Partien, war es der zuvor eher unsichtbare Rafael Borré, der eine Flanke von – natürlich – Filip Kostic zum 2:1-Siegtreffer in die Maschen schob. Mit dem letzten Angriff und nachdem Eintracht Frankfurt nur zwei Minuten zuvor einen absoluten „Genickschlag“ (Glasner) kassierte, weil Cedric Itter in der zweiten Minute der Nachspielzeit die Frankfurter Führung durch Sebastian Rode ausgleichen konnte. „99 von 100 Mannschaften erholen sich davon nicht“, sagte Glasner und hob zu einer wahren Eloge auf sein Team an. „Riesenkompliment, mit welchem Willen die Jungs auch dann noch mal nach vorne spielen und zurückkommen – wow.“ Glasner, einmal in Fahrt, legte mit einem Trommelfeuer der Lobpreisungen nach: „Ich bin mächtig stolz, die Mannschaft ist zu 100 Prozent intakt, wir glauben immer an uns. Was die Jungs leisten, ist aller Ehren wert. Diese Einstellung und Mentalität – Respekt.“

Das alles ist zutreffend, die Chemie stimmt, der Charakter ebenso, der Behauptungswille ist ausgeprägt. Dieses Ensemble sollte man wirklich erst abschreiben, wenn der letzte Pfiff ertönt ist. Und doch gibt es ein paar Punkte, über die die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt nicht einfach hinweggehen können. Denn die spielerische Armut ist gravierend und fast schon besorgniserregend.

Eintracht Frankfurt: Oliver Glasner wirbt um Verständnis

Im ersten Abschnitt, den Glasner selbst als „verkorkst und sehr schlecht“ bezeichnete, schaffte es Eintracht Frankfurt kaum einmal, die Kugel über mehr als zwei Stationen zu passen, es war ein einziges Gerumpel und Gestocher, teilweise eine Zumutung mitanzusehen. Selbst die Letzten aus Fürth, die Ausgeburt der Harmlosigkeit und ganz sichere Anwärter auf die Zwangsversetzung nach unten im neuen Jahr, schafften es, Eintracht Frankfurt in Verlegenheit zu bringen und eine für ihre Verhältnisse sensationelle Ballbesitzquote von 63 Prozent zu erschaffen. In ihrer Schlichtheit hatten die Frankfurter außer Kampfeskraft nichts entgegenzusetzen.

Die Sportliche Leitung samt Trainerteam ist sich dieser Problematik natürlich bewusst. Doch Glasner wirbt um Verständnis, erinnert an das gewaltige Pensum, das fehlende Training, die vielen Spiele. „Viele können sich ja gar nicht vorstellen, was hier los ist.“

Sein Team habe vor wenigen Tagen noch in Griechenland im Hexenkessel bei Olympiakos gespielt (und zur Zerstreuung am Freitag auch noch ein bisschen im Meer geplanscht, was aber für die mentale Beschaffenheit eine kluge Maßnahme war), und dann geht es nur zwei Tage später zu einem Kontrahenten, „der sich eine Woche auf uns vorbereitet hat und mit dem Messer zwischen den Zähnen auf uns wartet“. Die Fürther haben dann auch einfach mal den Matchplan des VfL Bochum von vor zwei Wochen geklaut, „uns Mann auf Mann attackiert“, und schon weiß diese Frankfurter Mannschaft nicht mehr, wie sie sich befreien soll. Bedenklich.

Probleme bei Eintracht Frankfurt können erst im nächsten Jahr behoben werden

Der Fußballlehrer glaubt aber kaum, dass das in diesem Jahr noch behoben sein wird. „Wir wollen in vielen Bereichen besser werden, aber momentan ist das aufgrund des dichten Spielplans nicht möglich“, räumte der 47-Jährige ein. Jetzt etwa seien wieder 13 Nationalspieler von Eintracht Frankfurt auf Reisen, anschließend stehen acht Spiele in vier Wochen an. „Es sind bis zum Winter nur ganz, ganz kleine Schritte, die wir machen können“, befindet Glasner. „Momentan leben wir nur von der Mentalität der Jungs.“

Im Januar und Februar aber, darauf legt der Coach wert, sehe das ganz anders aus, dann habe er seine Mannschaft von Eintracht Frankfurt komplett beisammen und könne die Trainingswochen gezielt nutzen, um Automatismen einzuschleifen und das generelle Niveau anzuheben. „Dann erwarte ich von uns und speziell von mir, dass wir deutliche Schritte nach vorne machen.“ Offene Worte, an denen er sich wird messen lassen müssen. (Ingo Durstewitz)

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