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Jesper Lindström: Der Durchstarter

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Von: Thomas Kilchenstein

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Schnell wie der Wind, für Mats Hummels sowieso zu flink: Eintracht-Stürmer Jesper Lindström.
Schnell wie der Wind, für Mats Hummels sowieso zu flink: Eintracht-Stürmer Jesper Lindström. © Jan Huebner/Imago

Eintracht-Serie: Vom dünnen Hering zum Turbodribbler: Die bemerkenswert rasante Entwicklung des Jesper Lindström.

Frankfurt – Um die fast unfassbar steile Entwicklung des Jesper Lindström im richtigen Licht leuchten zu lassen, muss man rund eineinhalb Jahre zurück gehen. Damals, im Juli 2021, stand da ein dünner Schlaks auf dem Rasen, fast 1,85 Meter groß, bei einem Gewicht von allenfalls 75 Kilogramm, der Trainingspulli schlabberte, die Wangenknochen schauten hervor. Er möge ein paar Butterbrote essen, ehe er sein Glück in der Bundesliga versuche, wollte man ihm schon zurufen, aber da war Trainer Oliver Glasner schneller. Er ordnete an, der junge Kerl, gerade 21 Lenze, solle ein paar Zusatzstunden im Kraftraum verbringen, das würde dem schmalen Hering bestimmt guttun.

Es hat dann noch ein bisschen gedauert, die ersten Einsätze in der Liga von Lindström waren bedenklich, er prallte förmlich ab an den wesentlich kräftiger gebauten Abwehrkanten. Lindström konnte sich nicht durchsetzen, das war oft ein ungleicher, fast schon unfairer Kampf. Er hat das, logisch, selbst gespürt: „Am Anfang habe ich schon überlegt, ob ich gut genug bin und mithalten kann. Es geht rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter.“

Eineinhalb Jahre später ist es auch der Däne, für sieben Millionen Euro von Bröndby IF Kopenhagen gekommen, der entscheidenden Anteil am Frankfurter Höhenflug hat. Kaum ein Spieler hat in so kurzer Spanne einen größeren Sprung nach vorne getan als der Skandinavier. Der Durchstarter ist längst im Team der Überflieger gesetzt, in dieser Halbserie hat er 22 der möglichen 24 Pflichtspiele absolviert, etwa 14 in der Bundesliga, alle sechs in der Champions League, an Jesper Lindström geht kein Weg mehr vorbei. Schon zum Ende der letzten Saison, als ihn eine Oberschenkelblessur auf der Zielgerade aus der Bahn katapultiert hat, bangte halb Frankfurt um ihn, dass er nur ja fit werde für das große Finale in Sevilla. Wurde er dann ja auch.

Jesper Lindström von Eintracht Frankfurt – Plötzlich torgefährlich

Jesper Lindströms ganz große Stärke ist, dass er zum einen schnell wie ein Pfeil ist und begnadet dribbeln kann. Das macht ihn so wertvoll, er ist nicht zu halten im Sprint und wenn einer vor ihm steht, wird er ausgespielt, gerne auch zwei, drei auf einmal. Wie gegen Union Berlin, als er zu einem sensationellen Dribbling ansetzte und die Kugel cool ins entfernte Ecke schubste. Oder sein frecher Lupfer gegen Lukas Hradecky im Spiel gegen Bayer Leverkusen nach rasantem, unaufhaltsamen Sprint.

Und jetzt schießt der stets bestens gelaunte, offene Lindström auch noch Tore, sechs in der Liga, eines, und zwar ein ganz entscheidendes, in der Champions League, das 1:0 gegen Olympique Marseille, er sorgte damit für den ersten Frankfurter Sieg in der Champions League. Auch in dieser Kategorie hat er sich deutlich verbessert, dem Toreschießen. In der vergangenen Saison galt er fast schon als Chancentod, der vor dem Tor häufig die falsche Entscheidung getroffen hatte. Er ist sehr viel abgezockter, ruhiger vor dem gegnerischen Gehäuse geworden. Seit zwei, drei Jahren arbeitet der für sein Alter schon abgeklärt auftretende Däne mit einem Mentaltrainer zusammen.

Sein womöglich bestes Spiel im Eintracht-Dress liegt noch gar nicht so lange zurück, gegen die TSG Hoffenheim war es, beim 4:2-Erfolg, da war er an allen vier Treffern direkt beteiligt, mal erkämpfte er den Ball, mal leitete er ihn mit der Hacke weiter, das 4:2 erzielte er selbst. Und hatte in dieser Begegnung gefühlt ein Dutzend Mal aufs Tor geschossen. Vor allem ergänzt er sich als leichtfüßiger Sprinter ideal mit der nicht langsameren Wuchtbrumme Randal Kolo Muani im Sturm aufs allerbeste. Das Duo ist kaum zu bremsen.

Kein Wunder also, dass ihn Kasper Hjulmand auch für die WM in die dänische Nationalteam berufen hat. Sechs Einsätze hat er bislang bestritten. Womöglich kommen nun weitere hinzu. In einer Gruppe mit Frankreich, Tunesien und Australien muss man in Katar nicht zwingend in der Vorrunde scheitern. Am Dienstag, 14 Uhr, gegen Tunesien gilt es. (Thomas Kilchenstein)

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