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Von: Ingo Durstewitz

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Strahlemänner: Aufsichtsratschef Philip Holzer (links) mit Vorstandssprecher Axel Hellmann.
Strahlemänner: Aufsichtsratschef Philip Holzer (links) mit Vorstandssprecher Axel Hellmann. © Hell-2

Die Eintracht will in Zukunft immer die Chance haben, europäisch dabei zu sein – und setzt dabei auch auf Vorstandssprecher Axel Hellmann.

Am Anfang stehen ein paar Fragen, deren Beantwortung entscheidende Auswirkungen auf die kommenden zehn Jahre in der bunten Welt von Eintracht Frankfurt haben werden. Glaubt zumindest Axel Hellmann, der Vorstandssprecher, der gerade mit einem nigelnagelneuen Kontrakt bis 2027 bedacht wurde.

Der 50-Jährige formuliert die Fragen sinngemäß so: Will sich Eintracht Frankfurt mit dem Status quo zufrieden geben? Will man lamentieren über gestopfte Brause-, Auto- oder Plastikklubs, die sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen? Will man über schwere Corona-Einschläge jammern und in Wehklagen verfallen, wie ungerecht die Fußballwelt sei und wie hart man zur Unzeit ausgebremst wurde? „Oder wollen wir uns mit unseren Möglichkeiten den anderen kraftvoll entgegenstellen?“, fragt Hellmann rhetorisch, und die Antwort ist sowieso klar: Ja, wir wollen.

Daher trete der Frankfurter Klub mit dem klaren Ziel an, sich in der nächsten Dekade fest in den Top Ten zu verankern und die europäischen Startplätze nicht nur „mit dem Fernrohr“ ausfindig zu machen. „Wir wollen sie mit der Brille sehen, sie sollen für uns immer greifbar sein.“

Dass dieses Unterfangen für einen sich selbst tragenden Verein ein schwieriges ist, dürfte jedem klar sein. „Wir haben kein Werk, keinen unendlich geldgebenden Mäzen und keine Staatsfonds in den eigenen Reihen, die uns an die Spitze der Champions League katapultieren“, führt Hellmann aus. „Bei uns müssen die Dinge aus eigener Kraft funktionieren.“ 200 Millionen Euro setzt die Eintracht auch ohne warmen Regen von außen um.

Für die Eintracht gehe es darum, „eine gewisse Kapitalausstattung“ zu gewährleisten, „Medienrechte, kaufmännische Erlöse und kommerzielle Rechte sind das Rückgrat von Eintracht Frankfurt“. Der Bundesligist aus dem Hessischen habe eine „gesunde Ertragsstruktur“, sei in punkto Eigenerlöse gut aufgestellt, „nur Bayern und Dortmund sind da vor uns“, sagt Hellmann, mit Borussia Mönchengladbach liege man in etwa auf Augenhöhe, Schalke 04 werden bei einem Aufstieg in diesen Kreis zurückkehren. „Das ist das Maximum, was für uns erreichbar ist“, sagt Hellmann, „wir werden Bayern und Dortmund nicht einholen“.

Aber das Ansinnen ist, direkt dahinter die Riege der Traditionsklubs anzuführen. „Aber nicht auf Pump und nicht in der Vorstellung, dass jedes Jahr irgendeiner Kapital in einer Größenordnung von 50 Millionen Euro reingießt, damit wir wettbewerbsfähig sind. Das kann und wird nicht der Weg von Eintracht Frankfurt sein. Die wirtschaftliche Vernunft muss immer regieren.“ Wird sie auch, so lange Oliver Frankenbach für die Finanzen verantwortlich zeichnet. „Er ist die Bank dafür, dass wir gut schlafen können“, betont Hellmann. „Oli ist ein Glücksfall für uns“, jubiliert Aufsichtsratschef Philip Holzer.

Der 56-jährige Holzer ist auch so ein Anschieber, eine Lokomotive, einer, der sich mit Stillstand niemals zufrieden gibt. „Wir wollen den Wettbewerb aufnehmen, wir wollen uns unter den Top Ten etablieren, eigentlich unter den Top Acht und dabei einer von vier Traditionsklubs sein“, sagt er: „Wir wollen nichts verwalten, wir sind hungrig.“

Auch auf europäischem Parkett habe er den Eindruck, dass die Eintracht positiv wahrgenommen wird. „Wir machen da eine sehr gute Figur, können sehr gut mithalten.“ Hellmann pflichtet bei, legt sogar noch eine Schippe drauf. Selbst der europäische Dachverband sei froh über die erneute Teilnahme der Eintracht am Europapokal, nun auch wieder mit Fans, die Uefa blicke gerade dem Eintracht-Heimspiel gegen den FC Barcelona mit den schönen, prächtig zu vermarktenden Bildern mit großer Vorfreude entgegen: „Das ist für sie das wichtigste Spiel, nicht irgendeine Champions-League-Partie.“

Die Eintracht will sich in den europäischen Gremien stärker einbringen, etwa in der ECA (eine unabhängige Interessenvertretung der Klubs; Anm. d. Red.). „Man muss bereit sein, in Gremien zu gehen“, sagt Hellmann. Man müsse diese Institutionen verändern, denn der europäische Fußball bestünde aus mehr als nur „aus Topklubs, die von Staatsfonds betrieben werden und immer im Viertelfinale der Champions League stehen“. Es gebe eine „große, breite Gruppe des europäischen Mittelstands, die zu wenig Stimme und Gewicht haben. Wir müsse aktiver werden.“

Holzer flankiert: „Wir haben Mitarbeiter aufgebaut, die sich einmischen wollen, wir haben was zu sagen.“ In erster Linie der international bestens verdrahtete Samy Julien Hamama.

Axel Hellmann, den Philip Holzer „einen Tausendsassa“ nennt, hat freilich auch nationale Ambitionen. Der Familienvater, seit 2001 bei der Eintracht, könnte im August ins DFL-Präsidium gewählt werden. Er scheint nicht abgeneigt. „Nach zehn Jahren im Vorstand hat meine Stimme mehr Gewicht“, sagt er, man müsse sich auch in Verbandsarbeit und sportpolitische Themen einbringen. Ob es zu einer Kandidatur komme, ließ Hellmann freilich offen. „Das ist zu früh, um es zu entscheiden, aber ich mache die Tür auch nicht zu.“

Der neue Vertrag gibt ihm da auf alle Fälle Rückenwind. Für Philip Holzer stand außer Frage, den Kontrakt zu verlängern, Hellmann habe Meilensteine auf den Weg gebracht. „Das ist ein bewusstes Zeichen für Kontinuität und Stabilität.“

Innere Festigkeit ist für Axel Hellmann ohnehin ganz entscheidend. Gerade vor einem Jahr, als der Klub durch die Turbulenzen um Fredi Bobic und Adi Hütter in eine tiefe Krise gerutscht war, „hat uns diese Gesamtstabilität extrem im Umbruch geholfen“, findet er. „Dadurch ist es uns gelungen, die sportliche Führung zu verändern, ohne sich zu verlieren oder in Abstiegsnöte zu geraten.“

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