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Declan Rice: Der Beißer im Herzstück von West Ham

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Von: Daniel Schmitt

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West Ham United-Mittelfeldspieler Declan Rice läuft Sevillas Stürmer Munir El Haddadi davon.
West Ham United-Mittelfeldspieler Declan Rice läuft Sevillas Stürmer Munir El Haddadi davon. © AFP

Der 23-jährige Declan Rice führt den Eintracht-Gegner an, weil der englische Nationalspieler mit irischen Wurzeln Mentalität und Klasse besitzt.

Pep Guardiola, der wohl beste Fußballlehrer dieser Zeit, verfügt offenbar über seherische Fähigkeiten. Er, orakelte der Trainer von Manchester City über den jungen Fußballer, werde alsbald „über Jahre hinweg ein bedeutender Spieler Englands sein“. Das Besondere daran: Declan Rice, der Hochgelobte, spielte im Sommer 2018 gar nicht für England, sondern für Irland. Dreimal war Rice, damals 19, heute 23, bereits in der Frühphase seiner Karriere für die Grünen von der Insel aufgelaufen, ebenso wie in diversen U-Auswahlen. Er schwang sich gerade dazu auf, der Hoffnungsträger einer stolzen, aber selten erfolgreichen Fußballnation zu werden. Bis Pep Guardiola tatsächlich Recht behielt.

Denn Rice, geboren in London, die Großeltern aus Irland, ausgestattet mit doppelter Staatsbürgerschaft, absolvierte seine drei Spiele für die irische Nationalelf lediglich bei freundschaftlichen Aufeinandertreffen. Das nutzte der englische Verband, zeichnete ihm eine entscheidende Rolle im Team von Gareth Southgate vor und Rice willigte ein. Mittlerweile trug er bereits 29 Mal das Trikot mit den drei Löwen, unter anderem im EM-Finale 2021. Viele Fans verknüpfen mit ihm die große Hoffnung, die titellose Serie der englischen Nationalmannschaft seit 1966 zu beenden.

Für England und vor allem bei seinem Arbeitgeber West Ham United, dem Halbfinalgegner in der Europa League von Eintracht Frankfurt an diesem Donnerstag (21 Uhr/RTL), ist Rice die tragende Säule des ganzen Systems. Als Sechser gestaltet er das Spiel, ist lauffreudig, vor allem zweikampfstark, wurde er in der Jugend doch ursprünglich zum Verteidiger trainiert. Aktionen nach vorne setzt er nur dosiert, dann aber durchaus entscheidend. Nicht nur beim Viertelfinalrückspiel in Lyon, das West Ham in beachtlicher Manier mit 3:0 gewann, schwang sich Rice zum Unterschiedsspieler auf, erzielte ein Tor.

Hohes Preisschild

Als Ersatzkapitän (der erfahrene Mark Nobel steht selten auf dem Platz) führt er eine Mannschaft an, die aus einer Reihe von Mentalitätsspielern besteht, unter anderem seinem Nebenmann im Mittelfeld, Tomas Soucek. Der Engländer und der Tscheche bilden das Herzstück von West Ham. Declan Rice aber sticht heraus. Trotz seiner bisher noch recht kurzen Karriere hat er schon einiges erlebt, auch an Rückschlägen. Wüste Anfeindungen irischer Anhänger:innen etwa nach dem sportlichen Nationenwechsel, was anfangs schwer gewesen sei für ihn, „aber ich habe mich durchgebissen“.

Überhaupt: Durchbeißen hat er früh gelernt. Denn der Weg des Fußballers Declan Rice ist einer, der auch in den Niederungen des englischen Fußballs hätte enden können. Im Südwesten Londons aufgewachsen, nahm der kleine „Deccers“ als Siebenjährige an einem Probetraining des FC Chelsea teil. Er überzeugte. Zumindest die folgenden sieben Jahre. Es ist einer dieser sich oft wiederholende Geschichten eines Jungen, der mitten in der Pubertät für zu leicht befunden wird. Und für zu groß. Rice wuchs früher als viele seiner Altersgenossen (heute ist er 1,88 Meter groß), er hatte anfangs Mühe, den schlaksigen Körper unter für ihn gewinnbringende Kontrolle zu bringen. Er stakste über das Feld und flog raus. „Ungemein enttäuscht“ sei er damals gewesen, doch er landete weich.

West Ham erkannte sein Talent und schnappte zu. Seitdem ging es für Rice stetig bergauf. Die Muskeln wuchsen, die Koordination wurde besser, bereits mit 18 Jahren verhalf ihm Trainer Slaven Bilic zum Profidebüt, seitdem ist Rice mehr oder weniger ein festes Mitglied des Kaders, längst auch der Startelf. Sein jetziger Trainer David Moyes sagt: „Declan ist ein spezieller Spieler, es gibt nicht viele wie ihn. Für mich ist er wahrscheinlich der beste Mittelfeldspieler in Europa.“ Den subjektiven Blick ausgeklammert, gehört Rice allemal zur erweiterten Spitze.

Entsprechend versah ihn sein Trainer unlängst mit einem teuren Preisschild. „Wenn jemand ihn haben will, wird er einen Preis jenseits von 120 Millionen Euro zahlen müssen“, sagt Moyes und fügt an: „180 Millionen Euro sind das Minimum.“ Das wäre selbst für Premier-League-Verhältnisse ein Novum, weltweit kostet bisher nur Neymar mehr an Ablöse. Rice besitzt in Ostlondon einen Vertrag bis 2024, verlängern wollte er diesen bisher nicht. Die Großklubs des Weltfußballs haben bei ihm angeklopft. Unter anderem, man ahnt es, auch Trainerorakel Pep Guardiola und Manchester City.

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