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Tuta-Verletzung: Kettenreaktion in Eintracht-Abwehr

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Von: Ingo Durstewitz

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Sollte Tuta (links) zum Zuschauen verdammt sein gegen Schalke, könnte die Stunde von Almamy Touré schlagen (Mitte) - wie hier beim Test gegen Sandhausen im Dezember.
Sollte Tuta (l.) zum Zuschauen verdammt sein gegen Schalke, könnte die Stunde von Almamy Touré schlagen (m.) - wie hier beim Test gegen Sandhausen im Dezember. © Kessler-Sportfotografie/Imago

Eintracht-Trainer Glasner muss überlegen, wie er den verletzten Verteidiger Tuta ersetzt und was aus Großmeister Hasebe wird. Keine einfache Entscheidung.

Frankfurt – Nach der Rückkehr aus der Wüstensonne ins unwirtliche Frankfurt hat der Brasilianer Tuta von Eintracht Frankfurt erst einmal den Ball gegen eine schwere und steinharte Kugel eingetauscht. Fußball ist momentan sowieso nicht drin mit dem dicken Knöchel, und dann kann man sich ja mal beim Bowling mit dem südamerikanischen Spielkameraden Rafael Borré in aller Eintracht die Zeit vertreiben. Das klappte dann trotz der blöden Sprunggelenksverletzung, zugezogen in Dubai im Privatspiel gegen Lech Posen nach nicht mal zehn Minuten, ganz gut, ein paar Strikes waren auf der Bahn oben im Taunus locker drin. Für Schalke 04, den Auftaktgegner am Samstag im Waldstadion, dürfte es dennoch eng werden. Tuta droht auszufallen.

Das stellt Oliver Glasner gleich mal vor eine erste Aufgabe, die es zu lösen gilt, gut möglich, dass Tuta als fehlendes Glied der Abwehrkette eine Kettenreaktion in Gang setzt. Denn der 23-Jährige ist auf der rechten Innenverteidigerposition gesetzt, stand in der Hinrunde in allen Pflichtspielen in der Startelf. Nur eine Partie verpasste er aufgrund einer Gelbrotsperre, das Champions-League-Heimduell gegen Olympique Marseille. Damals, Ende Oktober, übernahm Kristijan Jakic seine Position. Der Kroate ist der Alleskönner in der Defensive der Eintracht, rechts, rechts draußen, zentral in der Abwehr, zentral im Mittelfeld – auf den Allrounder ist Verlass.

Abwehrfrage bei Eintracht Frankfurt: Almamy Touré oder Kristijan Jakic?

Coach Glasner blieben seinerzeit gar nicht mehr viele Optionen, weil Almamy Touré sich gleich zu Saisonbeginn mal wieder schwerer verletzte und gar nicht erst für die Königsklasse nominiert wurde. Hrvoje Smolcic, auch gelernter Innenverteidiger und also ein Kandidat als Tuta-Ersatz, übernahm beim wichtigen 2:1-Erfolg über die Franzosen den Mittelpart der Dreierkette – Routinier Makoto Hasebe hatte sich zwei Wochen zuvor das Innenband angerissen. Man muss wissen: Smolcic ist Linksfuß, und fast alle Trainer stellen ihre Abwehrmänner nur ungern auf die „falsche“ Seite. Deshalb Smolcic mittig, Landsmann Jakic rechts.

Die Frage für die Begegnung gegen das Schlusslicht aus dem Ruhrpott am Samstag ist, wer Tuta nun vertreten wird? Almamy Touré ist längst wieder fit, hat sogar die anstrengende Vorbereitung unversehrt überstanden. Der Franzose hat bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist. Im Endspurt der vergangenen Saison zeigte er quasi aus dem Stand heraus bockstarke Leistungen und war ein Garant dafür, dass sich die Eintracht in der Nacht von Sevilla am 18. Mai zum Europa-League-Champion krönen konnte. Doch der 26-Jährige würde jetzt doch so ziemlich ins kalte Wasser geschickt werden, sein letztes Spiel hat er – von einer Minute im November gegen Hoffenheim mal abgesehen – Mitte August beim 1:1 in Berlin bei der Hertha gemacht. Das ist fast auf den Tag genau fünf Monate her. Spielpraxis und Wettkampfhärte sieht natürlich anders aus. Zumal Touré Probleme hat, über einen längeren Zeitraum auf hohem Niveau zu performen.

Eintracht Frankfurt: Mit Jakic wäre auch Erfahrung in der Abwehr

Also doch wieder Kristijan Jakic? Der WM-Teilnehmer soll eigentlich wieder vermehrt auf seiner angestammten Position im defensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Andererseits: Beim 25-Jährigen weiß man, was man bekommt, ihm kann man blind vertrauen, selten hat er seinen Trainer enttäuscht. Er ist ein absoluter Teamplayer und sich für nichts zu schade, gibt immer alles – egal auf welcher Position. Mit seiner Einstellung, seiner Hingabe und Aufopferung ist er ein wichtiger Faktor für diese Mannschaft. Es hätte überdies den Vorteil, dass Glasner einen unbeugsamen Kämpfer auf dem Spielfeld hätte. Denn der Coach erwartet einen Gegner, der sehr robust und körperbetont auftreten wird.

Mit Jakic in der Verteidigung wäre auch Erfahrung im Spiel. Denn als Tuta im Testspiel gegen Lech Posen vom Platz musste, war Evan Ndicka mit 23 Jahren der älteste Spieler der Abwehrkette. „Das hat man gemerkt“, sagt Glasner. „Wir haben dann und wann die Souveränität vermissen lassen. Das sind wichtige Erkenntnisse für mich.“

Eintracht Frankfurt: Hrvoje Smolcic, ein Anführer

Denn der Fußballlehrer überlegt auch noch, wer gegen Schalke den Libero geben soll. Gegen die Polen in Dubai war das, wie damals gegen Marseille oder im letzten Spiel des alten Jahres in der zweiten Halbzeit gegen Mainz 05, Hrvoje Smolcic. Der 22-Jährige macht das sehr solide und umsichtig. Allerdings wackelte er im Testspiel doch das eine oder andere Mal. „Er hat sich von unseren unforced Errors anstecken lassen“, urteilt Glasner. „Da sieht man, dass er erst 22 ist.“ Insgesamt aber sei der aus Rijeka gekommene Verteidiger „auf einem guten Weg“, findet der Coach. „Er ist laut auf dem Platz, der geborene Anführer.“ Bei seinem Ex-Verein war er mit 20 schon Kapitän. Das ist gewiss kein Zufall.

Glasner baut zudem auf die Kopfballstärke der wuchtigen Defensivkraft. „Das kann gegen Simon Terodde nicht ganz unwichtig sein.“ Der Schalker Stürmer bringt das Gardemaß von 1,92 Meter mit, ist in der Luft eine permanente Gefahr für den Gegner. Das würde also passen. Vordergründig und rein anatomisch gesehen.

Eintracht Frankfurt: Makoto Hasebe hebt das Spiel auf ein anderes Niveau

Andererseits würde Glasner seiner Elf eine große Stärke berauben. Denn gerade gegen einen eher aufs Zerstören ausgerichteten Opponenten ist es notwendig, einen klugen und antizipatorischen Strategen wie Makoto Hasebe auf dem Feld zu haben. Er gibt dem Spiel von hinten heraus eine andere Note, mit ihm hat die Eintracht ihre besten Spiele gemacht, auch in dieser Saison wieder den Turnaround geschafft. Der Japaner, der am Mittwoch seinen 39. Geburtstag feiert, hebt das Spiel auf ein anderes Niveau.

Und: Das Argument, großer gegnerischer Mittelstürmer, zieht nur bedingt. Fast alle Mannschaften haben einen entweder hochaufgeschossenen oder sehr schnellen Angreifer in ihren Reihen – so gesehen dürfte Makoto Hasebe gar nicht mehr spielen, er ist nämlich weder der Kopfballstärkste noch der Schnellste. Zur Wahrheit gehört aber: Hasebe hat gegen fast alle Kontrahenten, egal wie riesig oder flink, mithalten können, selbst der große Harry Kane gratulierte ihm damals zu einer phantastischen Leistung gegen ihn – der Tottenham-Stürmer sah im Hinspiel kein Land gegen den alten Hasen.

Außerdem wäre mit Kristijan Jakic, so Glasner ihn aufstellt, ja ein kampfstarker, hartnäckiger Spieler an Hasebes Seite, der die Grobarbeit verrichten kann. Und: Es ist auch nicht unbedingt zu erwarten, dass die eh gebeutelten Schalker das Spiel dergestalt an sich reißen, um die Eintracht-Deckung permanent unter Druck zu setzen. Lange Bälle und ein paar Konter sind eher zu erwarten. Die kann auch der Bundesliga-Oldie noch abfangen. Wäre doch gelacht. (Ingo Durstewitz)

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