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Eintracht Frankfurt: Ab in den Urlaub

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Von: Ingo Durstewitz

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Nur in dieser Szene am Straucheln: Die Eintracht, hier mit Alario (r.), fegt über Sandhausen hinweg. hübner
Nur in dieser Szene am Straucheln: Die Eintracht, hier mit Alario (r.), fegt über Sandhausen hinweg. hübner © Jan Huebner

Eintracht-Coach Oliver Glasner freut sich über ein 5:1 gegen Sandhausen und schickt die frustrierten WM-Fahrer Mario Götze und Kevin Trapp in die Ferien.

Frankfurt – Wer denkt, die Berufsfußballer der Frankfurter Eintracht hätten sich gedanklich schon in die Winterferien verabschiedet, der ist auf dem Holzweg. Aber gnadenlos. Oliver Glasner, der manchmal doch gestrenge Fußballlehrer, hat in der vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass kein Schlendrian Einzug hält und die Spieler sich zurücklehnen, obwohl sie ja irgendwie ins Blaue hinein trainieren. So ohne ernsthaften Wettkampf und Punktspiele.

Doch Glasner hat immer wieder Reize gesetzt, seine Schützlinge angetrieben, ihnen verdeutlicht, dass diese – vordergründig nutzlos erscheinende – Zeit zwischen den Saisonhälften durchaus wichtig ist, um sich weiterzuentwickeln. Unter diesem Motto stand auch das Testspiel am Freitag in Frankfurt gegen das Zweitliga-Schlusslicht SV Sandhausen. „Ich habe den Jungs gesagt: Wenn wir es nicht ernstnehmen, können wir gleich in den Urlaub gehen“, brichtet der Trainer.

Eintracht Frankfurt beeindruckt gegen Zweitliga-Schlusslicht

Und, siehe da: Sie hat zugehört, die Glasner-Gang, denn in einem unterhaltsamen Freundschaftskick fegte die Eintracht eindrucksvoll mit 5:1 (2:0) über den Zweitligisten hinweg. „Das hat mir sehr gut gefallen, ich bin sehr zufrieden“, frohlockte der Coach und sah sehr zufrieden aus, eingemummelt in eine dicke Daunenjacke, mit Handschuhen und Mütze. Kalt war’s auf dem Platz vor der Wintersporthalle am Waldstadion, eisig sogar.

Glasners Mannen machte der Frost nichts aus, ist ja klar, sind harte Kerle, und wer sich bewegt, friert auch nicht. Sie haben noch dazu den Ball sehr manierlich laufen lassen, dem klassentieferen Kontrahenten schnell verdeutlicht, dass sie den freundschaftlichen Vergleich nicht, wie sonst üblich, herschenken werden. Das Team kombinierte fröhlich, frisch und frei, spielte fast wie aus einem Guss. Glasner hatte, zur Verdeutlichung seiner Worte, seine zurzeit stärkste Elf ins Rennen geschickt.

Ersatzstürmer Borré und Alario können bei Eintracht Frankfurt Selbstvertrauen tanken

Und so dauerte es nicht lange, ehe Rafael Borré zur Führung einschoss und Lucas Alario erhöhte (27.), direkt nach dem Wechsel stellte der erneut im defensiven Mittelfeld eingesetzte Verteidiger Tuta auf 3:0 (48.). Aus 20 Metern nagelte er die Kugel in den Winkel, ein Traumtor. Das defensive Mittelfeld, eine neue Position für den bockstarken Tuta? „Er macht das gut, es ist auch gut für seine persönliche Entwicklung“, sagt der Trainer und schränkt ein: „Ich habe aber nicht den Plan, ihn zum Sechser umzufunktionieren.“ Vielmehr sollten Almamy Touré und Hrvoje Smolcic in der zentralen Deckung wichtige Spielzeit erhalten.

Genauso wie Faride Alidou, der einen sehr agilen Eindruck und auch ein Tor machte (49.). Den unkonventionellen Dribbler will der Coach in die richtige Bahnen lenken. „Er ist auf einem guten Weg, aber sein größtes Thema ist die Effizienz, er muss zielstrebiger werden.“

Frust bei Götze und Trapp nach WM-Aus

Das ist Stürmer Borré auf jeden Fall, der spielfreudige Kolumbianer hat noch ein zweites Tor erzielt, das zum 5:0 (77.). Sehr zur Freude seines Trainers. „Rafa war ein Aktivposten.“ Auch für Sturmpartner Alario sei sein Treffer wichtig gewesen, „ein toller Abschluss für Lucas“. Der einzige Gegentreffer durch Dario Dumic (83.) fiel nicht ins Gewicht. Glasner resümierte: „Das war sehr seriös, so macht es Sinn.“

Sinn macht es für Glasner im Übrigen auch, die bereits ausgeschiedenen WM-Fahrer Mario Götze und Kevin Trapp direkt in den Urlaub zu schicken. Der Coach hat mit beiden nach dem (auch für sie persönlich) frustrierenden Turnier telefoniert und sie verbal aufgebaut. „Natürlich waren sie enttäuscht und deprimiert, aber ich habe ihnen gesagt, sie sollen die freie Zeit genießen, denn sie hatten ein phantastisches Jahr mit uns. Und: Wann haben sie zuletzt vier Wochen Urlaub gehabt? Den haben sie sich verdient.“

Die Ferien seien nun notwendig, „um das alles sacken zu lassen, zu verarbeiten und runterzukommen“. Anfang Januar sollen sie dann „mit großer Begeisterung, Energie und Freude zurückkommen.“ Denn Eintracht Frankfurt, gar keine Frage, hat noch ein bisschen was vor in dieser Saison. (Ingo Durstewitz)

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