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Eloquenter Allesverbesserer und knorriger Kompagnon: Christoph Daum und Roland Koch (links).

Experten-Duo um Eintracht-Trainer

Daum und seine Helfer

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Roland Koch bildet seit fast drei Jahrzehnten gemeinsam mit Christoph Daum einen emotionalen Arbeitsverbund. „Wie ein Ehepaar“, sagt der Eintracht-Cheftrainer. Daum-Sohn Marcel vervollständigt das Trio: Er arbeitet als Videospezialist und Spielanalytiker.

Roland Koch bildet seit fast drei Jahrzehnten gemeinsam mit Christoph Daum einen emotionalen Arbeitsverbund. „Wie ein Ehepaar“, sagt der Eintracht-Cheftrainer. Daum-Sohn Marcel vervollständigt das Trio: Er arbeitet als Videospezialist und Spielanalytiker.

Die angekündigten 25 Stunden am Tag sind es zwar nicht, aber wohl doch 13, 14. So viel Zeit verbringen nämlich Christoph Daum, 57, sein Sohn Marcel, 24, und Daums Assistent Roland Koch, 58, derzeit täglich in und an der Frankfurter Arena, um den Bundesligisten Eintracht Frankfurt aufzupäppeln. Meist morgens gegen acht Uhr fährt das vorübergehend in einem feudalen Hotel am Sachsenhäuser Ufer logierende Retter-Trio zur neuen Arbeitsstätte, „und meist erst gegen 21 Uhr fahren wir noch irgendwo zum Essen“, wie Daums rechte Hand Koch am Freitag zwischen zwei wieder sehr intensiven Trainingseinheiten verriet.

Auch da mimte der Co-Trainer den Einpeitscher vom Stadtwald. „Was holen wir raus?“ brüllte der Co-Trainer am Freitag die versammelte Mannschaft an. Antwort: „Prozentpunkte!“ Nächste Frage an die Runde: „Und wie ist das?“ Antwort: „Geiles Feeling!“ Koch, geboren in Osnabrück, Wurzeln im Emsland (Bruder), Wahlheimat Köln (Ehefrau), war klassisch mit Trillerpfeife und Stoppuhr ausgestattet, es ist fast ein Ritual, wie er sich zu Anfang und Ende einer Einheit in Szene setzt.

Der Mann mit der Kappe und der Sonnenbrille bildet seit fast drei Jahrzehnten gemeinsam mit Daum einen emotionalen Arbeitsverbund; den eloquenten Allesverbesserer gibt es längst nur im Verbund mit seinem knorrigen Kompagnon Koch. „Wir sind wie ein Ehepaar“, sagt Daum, „nur die meisten sind nicht so lange verheiratet.“

Mittlerweile gehört auch Daums Filius Marcel mit dazu, der sich gerade mit den Segmenten Spielanalyse und Scouting bei der Eintracht schlau macht und deshalb mit Ralf Weber im ständigen Dialog steht. Marcel, Sohn aus Papas langjähriger erster Ehe mit der Sozialpädagogin Ursel, arbeitet hauptberuflich als Spielanalytiker und Videospezialist, das hat er zuletzt beim 1. FC Köln getan und bei Fenerbahce Istanbul, wo er das so genannte „Fenerlab“, einen eigenen Scoutingbereich, implantierte. „Das sind aber Dinge“, stellte Daum senior klar, „die in Frankfurt erst später dran sind.“

Den Sohn möchte er indes vor Ort nicht missen: „Er wohnt mit mir im Hotel, weil er mir hilft. Ich breche mir an der Tastatur die Finger, weil ich immer den falsche Knopf drücke. Marcel erstellt mir wichtige Profile über die Spieler, über den Gegner, gibt mir ständig Rückmeldung.“ Zudem bringe er ihm alle Informationen über den VfL Wolfsburg, übernächsten Sonntag nächster Eintracht-Gegner. Dass Daum junior auf die Liga-Daten der Spielanalyse-Firma Impire Zugriff hat, weil er mit Oliver Braun, Sohn des Firmengründers Hartmut Braun, befreundet ist, dient nur als Detail am Rande.

Künftig Videoanalyse in der Halbzeit

Dem Trainerteam schwebt vor, künftig schon in der Halbzeitpause der Mannschaft einzelne Szenen am Bildschirm zeigen können – so wie es Jürgen Klopp in Dortmund praktiziert. Ob das am 8. April beim Heimspiel gegen Werder Bremen geschehen kann, ist ungewiss: Die Investition fürs technische Equipment, Hardware wie Software, wird gerade beim Vorstand abgeklopft. Koch spricht von „einer Heidenarbeit“, möchte aber schließlich einem selbst aufgestellten Anspruch gerecht werden: „Kein Trainerteam bildet sich so weiter wie wir.“

All die schöne Theorie ersetzt bekanntlich nicht die schnöde Praxis. Deshalb werden so viele Spieler wie nötig am Samstag (10 Uhr) aus der U23 zum Profi-Training beordert, „bis wir mal elf gegen elf spielen können“ (Koch). Der Daum-Vertraute: „Wir wollen unsere Spieler mal auf dem ganzen Platz sehen.“ Denn dort liegt bekanntlich auch die Wahrheit.

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