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Gut vernetzt bis in die hohe Politik: Evangelos Marinakis, Besitzer von Olympiakos Piräus.
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Gut vernetzt bis in die hohe Politik: Evangelos Marinakis, Besitzer von Olympiakos Piräus.

Europa League

Eintracht Frankfurt gegen Olympiakos Piräus: Spielfeld der Superreichen

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Milliardenschwere Oligarchen fördern und belasten den griechischen Fußball zugleich. Evangelos Marinakis, Boss des Eintracht-Gegners Olympiakos Piräus, ist nur ein Beispiel.

Piräus - Unten am Spielfeld, eine halbe Stunde vor dem Anpfiff der Partie, konnte er seine Verfolger für einen Moment abschütteln, dann plauderte er vergnügt auf seinen Angestellten, den Sportchef, ein und schritt einige Meter übers feuchte Grün. Inmitten des Frankfurter Fußballstadions vor dem Europa-League-Duell von Eintracht Frankfurt gegen Olympiakos Piräus genoss der gewichtige Macher der Griechen sichtlich den Moment, auch seine Bewegungsfreiheit.

Nun ist es ja nicht so, dass Evangelos Marinakis nicht ohnehin so ziemlich das tun und dorthin gehen würde, wonach es ihm beliebt, alleine aber kommt er eben nur selten daher. Ansonsten stets im Gefolge des 54-Jährigen: seinen Leibwächtern.

Marinakis ist ob des Postens als Olympiakos-Präsident nicht nur einer der bedeutendsten Funktionäre im griechischen Fußball, er ist einer der bedeutendsten Männer des Landes überhaupt. Der milliardenschwere Reeder aus Piräus besitzt Zeitungen, Radiostationen und einen TV-Sender, er pflegt zudem enge Kontakte zur Politik. So steht er unter anderem Kyriakos Mitsotakis, dem griechischen Ministerpräsidenten, und dessen Schwester Dora Bakoyannis, der früheren Bürgermeisterin Athens, sehr nahe. Bei ihrer Hochzeit war er seinerzeit gar Trauzeuge.

Eintracht Frankfurt: Oligarch von Olympiakos Piräus Vorwürfen ausgesetzt

Der Oligarch mit der riesigen Tankerflotte, einer der größten der Welt, in deren Fahrwasser auch schon mal 1,7-Milliarden-Dollar-Fusionen abgeschlossen werden, ist ein mächtiger Mann - und ein krimineller? Marinakis, dessen Team an diesem Donnerstag (18.45 Uhr/live im TV und Livestream) Eintracht Frankfurt zum Rückspiel erwartet, sah sich in den vergangenen Jahren etlichen Vorwürfen ausgesetzt.

Demnach soll er in Korruption, Spielmanipulation und Bildung einer kriminellen Vereinigung verwickelt gewesen sein. Sogar ein Bombenanschlag auf die Bäckerei eines Schiedsrichters soll er in Auftrag gegeben haben. Nachgewiesen wurde ihm nichts, er selbst weist die Anschuldigen zurück. Griechenland durfte er dennoch für einige Zeit nicht verlassen, sein Pass war damals eingezogen. „All die Jahre wurde viel erzählt, aber es ist nichts herausgekommen“, entgegnet Marinakis, dem mittlerweile auch der englische Zweitligist Nottingham Forest gehört.

Eintracht Frankfurt: Anklage gegen Evangelos Marinakis von Olympiakos Piräus

Im Jahr 2017 wurde im griechischen Fußball Anklage erhoben gegen insgesamt 28 Fußballfunktionäre, Spieler sowie Trainer verschiedenster Klubs - unter ihnen, na klar, Evangelos Marinakis. Seitdem der Vater dreier Kinder, der in England zur Schule ging, in London studierte und seine berufliche Karriere als Broker im dortigen Finanzdistrikt begann, vor elf Jahren 67 Prozent der Anteile bei Olympiakos erwarb und als erste Amtshandlung gleich mal den deutschen Trainer Ewald Lienen feuerte, gibt es immer wieder Aufregung um ihn.

Die Oligarchen an der Spitze der griechischen Sportvereine sind ohnehin ein übergeordnetes Problem. Sie gibt es in Athen, Piräus, Saloniki, vielerorts im Land. 2018 zum Beispiel stürmte Ivan Savvidis, ein schwerreicher Russe und Präsident von Paok Saloniki, mit einer Pistole aufs Feld und löste einen Spielabbruch aus. Die finanzkräftigen Männer bewegen und laben sich seit Jahrezehnten im Windschatten ihrer Vereine. Ohne sie würde das System Fußball in Griechenland kaum mehr funktionieren.

Eintracht Frankfurt erwartet mit Olympiakos Piräus willigen Gegner

In dieser diffusen Gemengelage von Macht, Intrigen, (und Straftaten?) kommt es fast als lustige Lappalie daher, dass Marinakis vor drei Jahren nach einem enttäuschenden Remis prompt der halben Mannschaft kündigte - unter anderem dem einstigen Frankfurter Marko Marin. Der Klubboss pöbelte den Kickern noch hinterher: „Ich und der Rest der Fans haben euch lange genug toleriert. Ihr denkt nur an die schönen Häuser, in denen ihr wohnt, und eure Autos. Ich werde Olympiakos neu aufbauen.“

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Das aktuelle Team, erneuert von Trainer Pedro Martins, steht in der Gunst ihres Patrons gut da. Mit Ausnahme der 1:3-Pleite in Frankfurt, bei der Piräus einige Stammspieler schonte, ist es ohne Niederlage in dieser Saison. Eintracht Frankfurt erwartet ein williger Gegner samt lautstarkem Publikum. Auch auf den Rasen fliegende Gegenstände sind keine Seltenheit im Karaiskakis-Stadion, einem traditionell heißen Pflaster für Gästeteams und -fans. Seit dem Duell im Hessenland gab es für Olympiakos zwei Siege gegen den Ligazweiten Paok Saloniki sowie Panetolikos. Der Meisterschaft steht damit kaum etwas im Wege, für Evangelos Marinakis wäre es im elften Jahr seines Wirkens bereits die Neunte. (Daniel Schmitt)

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