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Eintracht Frankfurt: Das schwere Erbe von Andreas Möller

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Von: Thomas Kilchenstein

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Vor dem Abschied bei der Eintracht: Andreas Möller.
Vor dem Abschied bei der Eintracht: Andreas Möller. © imago images/Sportfoto Rudel

Der Nachwuchschef von Eintracht Frankfurt hat keine Ära geprägt, aber er hatte in der Pandemie auch kaum eine Chance, tiefe Spuren zu hinterlassen. Ein Kommentar.

Frankfurt - So furchtbar lang hat die Amtszeit von Andreas Möller im Nachwuchsleistungszentrum bei Eintracht Frankfurt nicht gedauert, und eine Ära hat der Weltmeister von 1990 auch nicht begründet. Drei Jahre hat es der mittlerweile 54-Jährige am Riederwald ausgehalten in einer Position, die ihm nur die wenigsten zugetraut haben, die er aber sicherlich besser als erwartet ausgefüllt hatte. Zumal die Ressentiments zu Beginn seines von Fredi Bobic eingefädelten Wirkens groß waren, er galt und gilt vielen in der Fanszene ja kindischerweise weiterhin als Reizfigur.

Klar, Möller war keiner für dicke Strategiepapiere, in nächtelange, quälender Denkarbeit im stillen Kämmerlein entwickelt, dafür einer für die Praxis. So richtig wohl und zu Hause fühlte er sich nur auf dem Platz. Und da war er oft und gerne. Am Riederwald loben sie sein Engagement, seinen mehr als 100-prozentigen Einsatz, und auch, dass er sich selbst von den Bambinis regelmäßig ein Bild vor Ort gemacht habe.

Eintracht Frankfurt: Andreas Möller hat keine tiefen Spuren hinterlassen

Doch tiefe Spuren hat Andreas Möller, der allenthalben als freundlich und angenehm im Umgang beschrieben wird, in der Nachwuchsarbeit nicht hinterlassen. Möller war keiner, der dem Nachwuchsleistungszentrum einen entscheidenden Schub verliehen hätte. Er hatte es aber auch deutlich schwerer als seine Vorgänger: Die Pandemie hat gerade die Jugendarbeit eines Bundesligisten massivst beeinträchtigt, regelmäßiges, zielgerichtetes Training war kaum möglich, allenfalls für die höheren Leistungsmannschaften, es gab wenig Spiele am Wochenende, überall musste improvisiert und Löcher gestopft werden. Da ist es nicht einfach, Ausrufezeichen zu setzen.

Eintracht Frankfurt: Weggänge von engagierten Jugendtrainern

In seine Amtszeit fallen aber auch die Weggänge von engagierten Jugendtrainern, etwa von Jerome Polenz, Thomas Broich, die Bobic zur Hertha folgten, oder Marco Pezzaiuoli, die aus unterschiedlichen Gründen nur für eine kurze Zeit am Riederwald mit den Talenten arbeiten. Auch Möller blieb im Grunde zu kurz, um Nachhaltigkeit zu generieren: Private Aspekte nannte der fünffache Vater, wegen denen er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte. Aber gerade im Jugendbereich ist doch Kontinuität an der Spitze von einiger Wichtigkeit, ist ein durchkomponiertes Konzept für erfolgreiches Arbeiten erforderlich.

Dass nach wie vor zu wenige Talente den großen Sprung nach oben in die Profimannschaft der Eintracht schaffen, darf sicher nicht allein Andreas Möller angelastet werden. Dieses Problem gibt es in Frankfurt schon länger, auch unter Vorgänger Armin Kraaz blieb die Nachwuchsarbeit bei der Eintracht verbesserungsfähig. Hier fände ein Nachfolger sicher ein weites Betätigungsfeld. Es hat ja niemand gesagt, dass es einfach ist. So klein ist das Erbe nun auch wieder nicht. (Thomas Kilchenstein)

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