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Basel-Trainer Koller in der Kritik.

Eintracht-Gegner

Das Ringen um die Macht

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Die Chefetage des FC Basel ist sich uneins, die Spieler wollen sich davon nicht verunsichern lassen - den 3:0-Vorsprung will sich keiner mehr nehmen lassen.

Das Frankfurter Säbelrasseln haben sie natürlich auch in der Schweiz vernommen, war auch kaum zu überhören dieser verbale Attackemodus, in den sich die Eintracht sofort nach ihrer Rückkehr in den Trainingsbetrieb vor einer knappen Wochen begeben hat. Ob es nun der Sportchef des hessischen Bundesligisten, Fredi Bobic, oder Trainer Adi Hütter und Torwart Kevin Trapp waren – offenbar rechnen sich die Frankfurter trotz der 0:3-Hinspielniederlage recht passable Chancen aus, ins Finalturnier der Europa League einziehen zu können.

„Das ist für uns Warnung genug, die Sache nicht auf die leichter Schulter zu nehmen“, sagt Marcel Koller, Trainer des gastgebenden FC Basel, vor dem heutigen Achtelfinalrückspiel (21 Uhr/RTL) gegen die Eintracht: „Ich gehe nicht davon aus, dass sie vier Wochen gar nichts getan haben. Wenn man allerdings erst eine Woche im Mannschaftstraining ist, dann ist das wenig. Aber klar ist: Sie werden alles versuchen.“

Der FC Basel befindet sich in einer komfortablen Situation. Ein 3:0-Vorsprung ist zweifelsohne beruhigend für die eigenen Nerven. Zumal die Schweizer Mannschaft defensiv in dieser Saison stabil steht. Vier Gegentreffer kassierten die Baseler bisher in der Europa League, lediglich 38 sind es auch in der am vergangenen Montag beendeten Runde der Schweizer Super League, die wenigsten aller Teams. Dabei spielte die Koller-Mannschaft grundsätzlich eine enttäuschende Saison. Rang drei im Abschlusstableau mit 14 Zählern Rückstand auf Meister Young Boys Bern sowie sechs auf den zweitplatzierten FC St. Gallen ist die schlechteste Platzierung seit der Saison 2008/09. In deren Anschluss wurde Trainer-Ikone Christian Gross entlassen. Nicht umsonst kommentierte die „BZ“, Basels zweitgrößte Zeitung: „Es braucht wieder Gier und Geilheit auf Siege und Tore. Es braucht neue Impulse.“ Die aktuelle Mannschaft sei ein „Meister der Inkonstanz und des Unvermögens“. Beim FCB wechselten sich Topleistungen gegen Topteams (3:2 gegen Bern, 5:0 gegen St. Gallen) mit Flopleistungen gegen Flopteams (0:0 gegen FC Thun und 4:4 gegen FC Lugano) ab.

Coach Koller vor Entlassung

Schon im März vor dem Hinspiel zwischen der Eintracht und Basel kippelte der Trainerstuhl von Marcel Koller von links nach rechts und zurück. Das hat sich seitdem kaum verändert, ist eher noch schlimmer geworden aus Sicht des ehemaligen Bundesligacoaches des VfL Bochum und dem 1. FC Köln. Koller steht kurz vor dem Rauswurf. Die Medien diskutieren längst Namen möglicher Nachfolger rauf und runter. Auch in Deutschland bekannte Fußballlehrer wie die Ex-Mainzer Sandro Schwarz und Martin Schmidt oder der früherer Schalke-Coach Markus Weinzierl werden gehandelt. Endgültig entschieden wird erst nach den Europapokal-Partien im August.

Denn die sich über Monate hinziehende Trainerposse ist nur der zweitgrößte Krisenherd des Klubs, in der Chefetage des FCB geht es noch weitaus mehr zur Sache. Es wütet ein Machtkampf. Die Ausgangslage: Medienunternehmer und FCB-Präsident Bernhard Burgener, 62 Jahre alt, ist im Besitz von 82 Prozent der Aktien. Miteigentümer David Degen, 37, und einstiger Profi, hält zehn Prozent und sicherte sich zudem ein Vorkaufsrecht auf weitere 35 Prozent. Das Problem: Die beiden Männer können nicht miteinander, verfolgen einen eigenen Führungsanspruch mit unterschiedlichen Zielen – sportlich wie organisatorisch. Während Burgener die Londoner Investmentfirma Centricus, gegründet von den frühereren Deutsche-Bank-Managern Dalinc Ariburnu und Nizar Al-Bassam, beim FC Basel ins Boot holen möchte, will sich Degen weiter selbst einkaufen. Zudem favorisiert Burgener einen erfahrenen Trainer, Degen dagegen einen jüngeren, vermeintlich erfolgshungrigeren Übungsleiter. Das Ergebnis: eine ganze Menge Konflikte.

Die Mannschaft versucht sich von diesen Scharmützeln der Bosse natürlich freizumachen, sie kann die durchwachsene Saison durch weitere Erfolge in der Europa League noch zu einer gelungenen machen. Kapitän Valentin Stocker blickt zuversichtlich auf die Aufgabe gegen die Eintracht: „Wir haben viele Spieler, die gut im Rhythmus sind.“ Am Montag beim Saisonfinale in der Liga, dem für die Tabelle bedeutungslosen 0:0 in Luzern, nahm Koller gleich sieben Veränderungen in der Startelf im Vergleich zur vorherigen Partie vor, die Stammspieler Silvan Widmer, Taulant Xhaka, Samuele Campo und Stocker schonten auf der Tribüne ihre Körper.

„Die Kräfte sind noch da. Der Kopf ist das Wichtigste. Dieser ist bereit für die kommenden Aufgaben“, dämpft Verteidiger Widmer jene Frankfurter Hoffnungen, Basel könnte nach neun Pflichtpartien im Juli körperlich ausgelaugt sein. Der Einsatz von Stammkeeper Jonas Omlin ist aufgrund einer Oberschenkelblessur jedoch fraglich. Zudem zählt Hinspieltorschütze Kevin Bua ebenso wie die Ersatzleute Emil Bergström, Zdravko Kuzmanovic und Edon Zhegrova nicht mehr zum Kader.

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