Hadert mit verlorenen Punkten: Eintracht-Trainer Adi Hütter.
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Hadert mit verlorenen Punkten: Eintracht-Trainer Adi Hütter.

Adi Hütter

Eintracht: Adi Hütter wehrt sich gegen Kritik und warnt Profis aus der zweiten Reihe

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht-Trainer Hütter erklärt seine Form der Mannschaftsführung, wehrt sich gegen Kritik und warnt die Profis aus der zweiten Reihe, es im Testspiel locker angehen zu lassen.

  • Adi Hütter wehrt sich gegen Kritik.
  • Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg angesetzt.
  • Eintracht Frankfurt weiterhin ohne verletzten Sebastian Rode.

Frankfurt - Am Donnerstag zur Mittagszeit wird Adi Hütter den von ihm angeleiteten Fußballspielern ganz genau auf die Füße schauen. Auf Trainingsplatz vier der Frankfurter Arena wird um Punkt 14 Uhr (live auf Sky) die Testpartie gegen den Zweitligisten 1.FC Nürnberg angepfiffen, und wer denkt, der Eintracht-Coach sehe den Auftritt in der Bundesligapause so ein bisschen als Bewegungstherapie für seine Profis, der irrt, gewaltig sogar. Klar habe solch ein Kick in aller Freundschaft „null Aussagekraft“ für den regulären Betrieb in der Liga, doch für seine Akteure sei solch eine Begegnung sehr wohl von einiger Bedeutung. „Die, die nicht so oft spielen, haben die Möglichkeit, sich zu zeigen“, betont der 50-Jährige und schickt gleich eine nicht mal besonders subtile Warnung hinterher: „Ich habe kein Interesse, noch mal so etwas wie gegen Würzburg zu erleben.“

Eintracht Frankfurt: Desolate Vorstellung gegen Würzburg

Vor gut einem Monat traf der ambitionierte, aber etwas ins Stocken geratene Erstligist schon einmal auf einen eine Klasse tiefer beheimateten Kontrahenten, die Würzburger Kickers eben, und nach 90 gruseligen Minuten hatte Hütters B-Elf nach desolater Vorstellung mit 0:3 verloren – und war damit noch gut bedient. Selbst gestandene Profis wie Timothy Chandler, Danny da Costa, Erik Durm oder Almamy Touré gingen einfach mit unter, und was dem Österreicher gar nicht schmeckte, war die Einstellung einiger Akteure. „Nach dem Spiel hatte ich erst mal die Nase voll.“

Die Sportliche Leitung mache ja Testspiele aus, um auch denen zu Matchpraxis zu verhelfen, die zurzeit im Ligabetrieb weniger spielten. „Und wenn ich das dann retour bekomme, dann trainieren wir lieber, dann ärgere ich mich nämlich nicht.“

Die am Donnerstag aufgebotenen Fußballer sollten das Privatspiel gegen den Zweitliga-Sechzehnten aus Nürnberg also tunlichst nicht auf die leichte Schulter nehmen, wenn sie eine Chance haben wollen, näher an die Stammformation heranzurücken. Hütter kündigt an, sehr genau beobachten zu wollen, „wie sich die Spieler präsentieren“. Ein verschärfter Konkurrenzkampf kann nicht schaden.

Eintracht Frankfurt: Hütter in Kritik geraten

So ein bisschen ist der Coach ja selbst in die Kritik geraten, weil er länger an einigen formschwachen Spielern wie Steven Zuber, Stefan Ilsanker oder Almamy Touré festhielt. Hütter wehrt sich dagegen und erklärt seine Form der Mannschaftsführung: „Ich bin ein Trainer, der nicht gleich beim ersten schlechten Spiel einen Spieler herausnimmt. Ich gebe ihm mindestens zwei, drei Chancen. Damit erreiche ich, dass er Vertrauen spürt und nicht gleich beim ersten Fehler verunsichert ist.“ Zudem gebe es keine Garantie, dass es ein anderer Akteur sofort besser mache. „Spielt dieser dann auch schlecht, weil er Angst hat, bei schlechter Leistung ausgetauscht zu werden, habe ich gleich zwei verunsicherte Spieler.“

Bei dieser Herangehensweise habe ein Nachrücker laut Hütter „die Sicherheit, dass auch er sich mehr als eine schwache Partie leisten kann. Das ist meine Art der Personalführung. Dieser Weg hat mich zur Eintracht geführt, ich werde ihn weiter verfolgen.“ Das Prinzip des Vertrauens gilt aber nur, wenn Hütter der Meinung ist, dass jeder Spieler sein Ego hintanstellt und bedingungslos alles für den Teamerfolg gibt. Nachlässigkeiten duldet der Trainer da nicht.

Amin Younes, der Neuzugang aus Neapel, hat zurzeit ganz andere Probleme. Er wird gegen den Club definitiv nicht dabei sein. Der Linksaußen ist in dieser Woche nicht im Kreise der Mannschaft anzutreffen, „aus Sicherheitsgründen“, wie der Coach anmerkt. In Younes’ Familie habe es einen Covid-19-Fall gegeben, der 27-Jährige selbst ist negativ getestet worden, habe zur betreffenden Person nur „distanzierten Kontakt“ gehabt. Doch sicher ist sicher.

Eintracht Frankfurt: Sebastian Rode fehlt

Auch Sebastian Rode ist nicht an Bord, seine Sehnenreizung am Gesäß lässt einen Einsatz nicht zu. Ob er am Samstag in einer Woche beim Heimspiel gegen RB Leipzig wird mitwirken können, steht ebenfalls in den Sternen: „Das wird ein Wettlauf gegen die Zeit“, betont der Coach.

Hütter ärgert sich noch immer über die Punkte, die seine Mannschaft bereits hergeschenkt hat. Zumal jetzt die Gegner kommen, die ein anderes Kaliber sind: Leipzig, Union Berlin, Borussia Dortmund, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach. „Es ist schwerer, dort zu punkten“, sagt der Fußballlehrer, wobei er seinem Team zutraut, das eigene Niveau an das des Gegners anzupassen. „Ich glaube, dass wir uns mit den Aufgaben steigern können.“ Champions-League-Teilnehmer Leipzig zeige „tollen Fußball“, doch in der zurückliegenden Saison hat sein Ensemble die Bullen zweimal gezähmt, in der Liga (2:0) und im DFB-Pokal (3:1) die Oberhand behalten. „Wir brauchen dazu aber ein Topspiel.“

Und einen Daichi Kamada in bester Verfassung. Der Kreativkopf hat dem Eintracht-Spiel in dieser Saison noch nicht so vehement den Stempel aufdrücken können. „Grundsätzlich ist es okay“, befindet Hütter, der den Japaner als „Raumdeuter und Schlüsselspieler für unsere Offensive“ bezeichnet. „Er bewegt sich gut zwischen den Linien, hat immer seine Füße im Spiel“, bemerkt der Trainer und räumt gar eine gewisse Abhängigkeit ein. „Wenn er einen guten Tag hat, sind wir im Spiel nach vorne eine Klasse besser. Wenn er abgemeldet ist, fällt uns das sehr viel schwerer.“

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