Das Grummeln am Cottaweg

RB-Trainer Marco Rose ist es leid, in Leipzig erneut einen personellen Umbruch zu stemmen. Sogar sein Abschied scheint nicht ausgeschlossen
Hellhörig wird eine Chefetage immer dann, wenn ein Trainer etwa sagt, er fühle sich unheimlich wohl in dieser Stadt, bei diesem Klub. Und dann ein riesengroßes Aber dahintersetzt. So wie das dieser Tage aus gegebenem Anlass der Leipziger Marco Rose getan hatte, kurz nachdem sein Rasenball-Ensemble mit 64 Punkten festgetackert auf Platz vier diese titellose Saison beenden wird, so schlecht wie in den letzten fünf Jahren nicht. Vor zwei Jahren landeten die Sachsen zwar auch auf Platz vier, immerhin gewannen sie aber den DFB-Pokal, dieses Mal war im Viertelfinale Feierabend, in der Champions League scheiterten sie im Achtelfinale, allerdings an Real Madrid.
Der Trainer Rose also nörgelte und brummelte ein bisschen rum, er habe keine Lust, wieder einen Umbruch moderieren zu müssen, das ist anstrengend und langwierig, es müsse sich eine neue Hierarchie entwickeln, das brauche Kontinuität. Und wenn jedes Mal der Personalstand neu zusammengestellt werde, sei das nicht so einfach. Allein in dieser, heute mit dem Gastspiel bei Eintracht Frankfurt ablaufenden Runde, hat RB für 245 Millionen Euro Spieler verkauft (Nkunku, Gvardiol, Szoboszlai, Laimer, Forsberg), verliehen (Werner, Silva) und für 180 Millionen Neue geholt (Openda, Xavi Simons, Baumgartner, Elmas, Sesko, Lukeba und auch den Ex-Eintrachtler Christopher Lenz), ein erstaunlich hoher Austausch mit einem Gewinn von rund 65 Millionen Euro. Die Klubführung betont ja gerne, dass das Konstrukt – trotz aller Geldströme aus Salzburg – Geld einnehmen müsse, um Financial-Fair-Play-Regelungen zu erfüllen.
Gespräche nach dem Spiel
Man müsse sich „natürlich darüber unterhalten, wo wollen wir hin, wie geht es weiter“, hatte Rose öffentlichkeitswirksam gefragt. Der 47-Jährige will ein paar Klarheiten, auch vor dem Hintergrund, dass die Leihe von Xavi Simons (sieben Tore, 13 Vorlagen) endet, und Benjamin Sesko (13 Tore, zwei Vorlagen) offenbar eine Ausstiegsklausel im Arbeitspapier verankert hat, zwei Spieler, die das RB-Spiel der letzten Monate entscheidend prägten.
Es ist also im RB-Kosmos gerade ein bisschen Reibung, vielleicht sogar Unruhe, zumal Marcel Schäfer, der neue Sportdirektor vom VfL Wolfsburg, erst Anfang September seine Arbeit aufnehmen kann, und zufällig zum jetzigen Zeitpunkt ein Angebot des AC Mailand im Briefkasten von Marco Rose landete. Alles Dinge, die nicht so gerne gehört werden am Cottaweg in Leipzig.
Der Boulevard meldet, nach dem Spiel in Frankfurt soll es eine umfangreiche Aufarbeitung der Saison geben, bei der auch Roses Vertrag (noch bis 2025) ein Thema sein soll. Pikanterie am Rande: Nach einer ähnlichen Aussprache, damals noch bei Borussia Dortmund, war Rose in 2022 beim BVB überraschend entlassen worden – und heuerte in Leipzig an.