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Frust pur: Eintracht-Star Filip Kostic, bedient.
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Frust pur: Eintracht-Star Filip Kostic, bedient.

Frust bei SGE

Eintracht Frankfurt im Abwärtsstrudel - Mannschaft hat ein Einstellungsproblem

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Der Bundesligist Eintracht Frankfurt lässt Konstanz vermissen, hat ein Einstellungsproblem und muss den Blick nach unten richten.

Frankfurt - Zuweilen ist das eine entlarvende Geschichte mit der simplen Mathematik. Oliver Glasner, der Chefcoach der Frankfurter Eintracht, bemühte nach der ernüchternden 0:2-Schlappe in Bochum ein paar Zahlen, um die kleine Abreibung beim kecken Aufsteiger einzuordnen. Sein Team habe zwar alles gegeben, 100 Prozent gar, aber das habe an diesem Sonntagabend im kleinen, stimmungsvollen Old-School-Stadion an der Castroper Straße nicht gereicht, um dem heimischen VfL Paroli zu bieten, weil dieser trotzdem 60 Prozent der Zweikämpfe gewonnen habe. „Und wenn du nur 40 Prozent gewinnst, genügt es nicht in der Bundesliga.“ Im Umkehrschluss bedeutet dies: 100 Prozent Eintracht sind nicht annähernd gut genug, um bei einem Klassenneuling zu bestehen. Schlimm genug.

In Wahrheit – und jenseits aller Spitzfindigkeit – war das, was die Frankfurter im Herzen des Ruhrpotts auf den Rasen brachten, weit weg von der maximalen Schaffenskraft, weit weg von 100 Prozent, und das wird auch der verantwortliche Trainer wissen. Die Eintracht ist von sehr leidenschaftlichen und höchst aggressiven Bochumern förmlich aufgefressen worden, hat kein Mittel gefunden, um sich zu befreien und dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Das ist erstaunlich.

Eintracht Frankfurt: Rode voller Frust

Den Spielern, die nur drei Tage zuvor Olympiakos Piräus in der Europa League überzeugend mit 3:1 bezwungen hatten, fehlte, wie der Coach einräumte, „die geistige Frische“, die Westdeutschen kauften den Hessen den Schneid ab mit einfachsten Mitteln: „Sie haben uns über den ganzen Platz verfolgt und in viele Mann-gegen-Mann-Duelle verwickelt, damit waren wir überfordert“, urteilte Glasner. Denn dagegen gebe es nur zwei Mittel: „Entweder kombiniert man sehr schnell oder man setzt sich im Eins gegen Eins durch – beides ist uns nicht gelungen.“

Dabei war klar, dass die Bochumer alles in diese Partie werfen würden, da sie ahnten, dass da ein angeschlagener Gegner kommen würde, der am Donnerstag auf internationalem Parkett ein Glanzstück abgeliefert hatte und deshalb physisch wie psychisch vielleicht nicht ganz auf der Höhe sein werde. So kam es denn auch. „Der Trainer hat eindringlich gewarnt, dass wir mit Entschlossenheit und Leidenschaft dagegenhalten müssen“, stöhnte Kapitän Sebastian Rode tief frustriert. „Das haben wir von der ersten Minute an nicht hinbekommen.“ Und deshalb, analysierte Glasner, „geht die Achterbahnfahrt weiter.“ Konstanz geht anders.

Die Eintracht muss sich in Acht nehmen, nicht noch tiefer abzurutschen. Acht Punkte nach neun Spieltagen ist eine lächerlich geringe Ausbeute, „nicht das, was wir uns vorgestellt haben und von uns selbst erwarten“, wie der Österreicher findet. Die Frankfurter rutschen ihrer nächste Krise entgegen, was Platz 15 nach neun Spieltagen eindrucksvoll dokumentiert. Auch dieser Stand ist zwar nur eine Momentaufnahme, aber kein Zufall und ein Abbild der Leistungen auf den Spielfeldern der Liga. Wer von 13 Pflichtpartien nur drei gewinnt, zwei davon auf europäischem Boden, der sollte sich schnellsten darauf besinnen, das Schlimmste zu vermeiden.

Eintracht Frankfurt: Fürth freut sich schon

Bemerkenswert ist, dass die Eintracht es nicht schafft, die Kleinen und Mittelständler zu bezwingen, sehr viel leichtere Aufgaben als sie bisher vor der Brust hatte, gibt es nicht und wird es in diesem Jahr nur noch wenige geben. Die Frankfurter haben nicht gegen den Tabellensechzehnten Augsburg (0:0), den Siebzehnten Bielefeld (1:1), den Dreizehnten Stuttgart (1:1) oder den Achten Köln gewonnen, nun geht der Trend sogar in die andere Richtungen: 1:2 gegen den Zehnten Hertha, 0:2 beim Vierzehnten Bochum. Von diesem Kaliber wartet nur noch Schlusslicht Greuther Fürth. Spötter vermuten, dass dann der erste Dreier für die Franken fällig sein wird.

Gerade der jüngste Auftritt beim Aufsteiger lässt die Verantwortlichen ungläubig staunend und fast ohnmächtig zurück, dabei hatte der Trainer aus nachvollziehbaren Gründen dieselbe Elf aufgeboten, die kurz zuvor den griechischen Meister beherrscht hatte. Diese Diskrepanz ist schleierhaft, ein einziges Rätsel. „Man muss nach so einem Highlight-Spiel wie gegen Piräus dann auch in Bochum die volle Leistung abrufen können“, tadelte Spielführer Rode. „Das ist unser großes Problem.“ Für den 31-Jährigen eine Frage der Einstellung.

Die Vakanz an Führungspersonal wird offensichtlicher, es ist niemand da, der sich auflehnt oder aufrüttelt. Das fängt bei erfahrenen Spielern wie Makoto Hasebe und Martin Hinteregger an, die es nicht schaffen, die Mannschaft anzuleiten. Hasebe ist nicht der Typ dazu, Hinteregger zwar Publikumsliebling, aber intern keineswegs unumstritten. Es geht weiter über einen wie Djibril Sow, der funktioniert, wenn es läuft, aber nicht, wenn Druck auf der Mannschaft und auf ihm lastet. Dann verfällt er in alte Muster, spielt den Ball quer oder zurück, taucht ab. Schon im Endspurt der vergangenen Saison, als die Eintracht die Königsklasse verspielte, war Sow nicht mehr zu sehen.

Und bei manchen Spielern sind die Ausschläge zu groß: Almamy Touré hat erneut einen irrlichternden Auftritt hingelegt, der jeder Beschreibung spottet. Verteidiger Tuta wackelt zu oft, Kristijan Jakic ist bei allem Fleiß kein gestandener Bundesligaspieler, und Goncalo Paciencia hat lange nicht gespielt und war früher sowieso nur Stürmer Nummer vier.

Vorne ist das Team von Daichi Kamada und Filip Kostic abhängig, gerade Kamada schwankt in seinen Leistungen: brillant gegen Piräus, bis auf einen Pfostenschuss unsichtbar in Bochum. Bleibt also alles an Kostic auf links hängen. Doch der sieht sich mittlerweile immer zwei, oft sogar drei Gegenspielern ausgesetzt – das ist selbst für den Unterschiedsspieler nicht zu schaffen. Selbst mit 100 Prozent nicht. (Ingo Durstewitz)

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