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Vogelwild, fast chaotisch. Das ist die Eintracht im Herbst 2021. Foto: Imago images
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Vogelwild, fast chaotisch. Das ist die Eintracht im Herbst 2021.

SGE bleibt sieglos

Eintracht Frankfurt: Das etwas andere Chaos bei der SGE

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Der hessische Bundesligist tritt weiterhin vogelwild auf und muss nach einem erneuten Remis einen historischen Fehlstart verdauen.

Frankfurt - Nachdem der Fehlstart nun sogar historische Ausmaße angenommen hat, flüchtete sich Eintracht-Trainer Oliver Glasner in feine Ironie. „Wieder mal ein Rekord, den ich da aufstelle“, sagte er nach dem 1:1 (1:1) gegen den 1.FC Köln milde lächelnd. Doch auf diese Bestmarke hätte der 47-Jährige ganz im Ernst lieber verzichtet, denn in seiner Geschichte ist der Frankfurter Bundesligist noch nie mit sechs sieglosen Spielen in Serie in die Bundesliga-Saison gestartet.

Glasner hat den in den Sand gesetzten Auftakt zu verantworten, weil er nun mal als Cheftrainer von Eintracht Frankfurt der leitende Angestellte ist – selbst wenn er den Spieß prompt rumdrehte und en passant darauf hinwies, dass seine Mannschaft aber auch nur eine Niederlage, gleich zu Beginn mit 2:5 in Dortmund, hinnehmen musste. „Wie oft hat die Eintracht nur eines der ersten sechs Spielen verloren?“, entgegnete der Österreicher getreu des „Glas-halb-voll-Mottos“. „Das wäre auch mal interessant.“ Ist leichte Recherchearbeit: exakt 20-mal. Auch auf diesem Feld kann Glasner also nicht punkten.

Acht Spiele ohne Sieg - Eintracht Frankfurt in der Krise

Was Wunder, dass nach dem achten sieglosen Pflichtspiel hintereinander das Wort Krise durch Frankfurt geistert – Schaffenskrise, Ergebniskrise? Wahrscheinlich beides. Wer so oft nicht gewinnen kann, kann das kaum mehr auf Zufall oder fehlendes Spielglück schieben. Da liegt etwas Grundsätzliches im Argen.

Natürlich hat die Eintracht die letzten sechs Partien nicht verloren, sechsmal Unentschieden gespielt, fünfmal davon 1:1. „Ganz happy sind wir damit nicht“, sagt Glasner logischerweise. Und natürlich stimmt der Einsatz, die Bereitschaft und das Engagement. Die Mannschaft ist willig und beißt, läuft viel, malocht und powert. „Fünf Spieler lagen irgendwann mit einer Kopfverletzung am Boden“, berichtet Glanser. „Das zeigt, dass sich keiner etwas geschenkt hat.“

Eintracht Frankfurt: Bei der SGE fehlt die klare Handschrift

Alles richtig, doch das Grundproblem ist die fehlende fußballerische Linie. Die Fragen drängen sich förmlich auf: Wie will Eintracht Frankfurt Fußball spielen und erfolgreich sein? Was steckt dahinter, wo ist der Plan, wie lautetet die übergeordnete Philosophie? Wo wollen sie hin, für was steht die Eintracht im Jahr 2021 eigentlich?

Es ist bisher kaum etwas zu erkennen, was Hand und Fuß hat, gar keine Handschrift, kein Konzept. Das Spiel ist wild, aber nicht wild im Sinne von zügellos, brachial oder radikal, sondern eher vogelwild, strukturlos, fast schon chaotisch. Die Mannschaft hat keine Ruhe und innere Überzeugung, von Selbstvertrauen und Selbstverständnis mal abgesehen. Das ganze Spiel ist unrund und überhastet. „Wir sind zu hektisch, haben zu viele Ballverluste“, urteilt Glasner treffend. Doch an ihm ist es, diese Schwächen abzustellen oder die Spieler aufzustellen, die für mehr spielerische Klarheit sorgen.

Eintracht Frankfurt: Eindeutige Schwäche ist das Passspiel

Gegen Köln war der Plan offensichtlich, den Rheinländern das Feld zu überlassen und über sogenannte zweite Bälle tief in des Gegners Hälfte vorzudringen, wofür die Verteilung des Ballbesitzes spricht. Die Eintracht kam da nur auf 45 Prozent. Das Dilemma: Wer sich für diese Lesart entscheidet, muss auch die zweiten Bälle gewinnen. Das hat nicht so gut geklappt.

Zudem, und das ist der gravierende Schwachpunkt: Die Eintracht hatte eine Passquote von 65 Prozent. Das ist denkbar schlecht und bedeutet, dass jeder dritte Pass beim Gegner landet. Wer den Ball so schnell wieder herschenkt, kann kein gepflegtes Kombinationsspiel aufziehen, im Gegenteil: Wer so fehlerbehaftet ist, der rennt oft hinterher und muss einen enormen Aufwand betreiben, um das auszubügeln, was vorher schieflief. Ein Erfolgsmodell ist das ganz sicher nicht. Da auch die Kölner ähnlich konfus auftraten, entwickelte sich das Gegenteil von dem, was FC-Trainer Steffen Baumgart zur allgemeinen Verwunderung gesehen haben will: „Ein hochklassiges Spiel.“

Eintracht Frankfurt in der Krise: viel Arbeit für Oliver Glasner

Glasner moniert mit einigem Recht, dass seine Spieler den Ball zu lange halten. „Das ist unser Hauptthema.“ Gerade die Neuzugänge nimmt er in die Pflicht, „der eine oder lernt die Bundesliga gerade kennen“, sagt Glasner und führt exemplarisch aus: „Du kannst halt nicht mit vier, fünf Kontakten durchs Mittelfeld spazieren.“ Eine klare Ansage an den von Dinamo Zagreb gekommenen Antreiber Kristijan Jakic, der agil und umtriebig ist, sich aber früher vom Ball trennen müsste. Und, noch mal Glasner: „Es geht nicht, im eignen Strafraum ein Dribbling in Richtung des eigenen Tores zu starten.“ Schöne Grüße an Jens Petter Hauge.

Interessant auch, dass im Eintracht-Spiel immer wieder große Klasse aufblitzt, da gibt es Momente, die fast schon genial sind. Der Ausgleichstreffer ist von der Entstehung bis zum Abschluss durch Rafael Borré nahezu perfekt herausgespielt worden. Das ist kein Zufall, auch in den vorherigen Partien hatten die Frankfurter immer wieder Augenblicke, die von hohem Niveau zeugten, oft münden diese Geistesblitze in herrlichen Torerfolgen. Kein Wunder, dass fast immer Filip Kostic, der beste Eintrachtler, seine Füße im Spiel hat. Die generelle Qualität ist also durchaus vorhanden, sie regelmäßiger auszuspielen und nicht nur in homöopathischen Dosen, das wird die große Herausforderung sein.

Auch wenn die Alarmglocken noch nicht schrillen, sollte sich die Eintracht nach fünf Punkten aus sechs Spielen und dem Gastspiel bei den Bayern vor der Brust nicht in Sicherheit wähnen und ihre insgesamt sehr durchwachsenen Darbietungen auch nicht regelmäßig schönfärben. Neuzugang Hauge fühlte sich gar bemüßigt, kundzutun: „Ich bin stolz auf die Mannschaft.“ Ein bisschen mehr Realitätssinn wäre dringend angeraten. (Ingo Durstewitz und Thomas Kilchenstein)

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