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Das Bürschlein Paxten, ein Versprechen für die Zukunft

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Von: Ingo Durstewitz

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Hat sich gut eingelebt in Frankfurt: Paxten Aaronson.
Hat sich gut eingelebt in Frankfurt: Paxten Aaronson. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Der US-amerikanische Neuzugang der Eintracht besticht durch Unbekümmertheit und darf nun sogar erstmals zur Nationalelf.

Es ist nicht so, dass das schmächtige Bürschlein Paxten Aaronson die Bundesliga im Sturm erobern wird. Der US-Amerikaner, zarte 19, ist kein Wunderkind, dem die Fußballwelt Knall auf Fall zu Füßen liegt, kein Messi und kein Ronaldo und auch kein Mbappé. Und doch: Der neue Mittelfeldspieler der Eintracht hat in seinen ersten Wochen in Frankfurt (und Dubai) durchaus Eindruck hinterlassen, erste Duftmarken gesetzt. Er hat sich, ganz zweifelsfrei, sehr viel besser präsentiert als allgemein erwartet.

Wer dachte, es komme ein besserer Jugendspieler, der sich irgendwo unter ferner liefen einreiht, staunend zur Seite tritt, wenn die Cracks anrauschen, der schüchtern seinem Dienst nachgeht, frei nach dem Motto: erst mal ankommen, reinschnuppern, nur keine Fehler machen, der irrt. Frisch, frei und frech tritt er auf, er traut sich was, gewitzt, mutig und ganz schön cool für sein Alter. Fußballspielen kann er, das sieht man sofort, doch der hagere Kerl weiß sich auch in den Zweikämpfen zu behaupten, verhält sich da sehr geschickt und pfiffig.

Trainer Oliver Glasner, der den aus Philadelphia gekommenen Zehner jetzt im Winter vielleicht nicht unbedingt verpflichtet hätte, ist durchaus angetan von den ersten Eindrücken, auch wenn er das richtig einzuschätzen weiß. Er bringt die Spielweise mit Aaronsons Herkunft in Verbindung. „Das ist die amerikanische Mentalität“, findet der Coach. „Die machen einfach und denken nicht so viel nach.“ Das hilft dem Sonnyboy bei seinen ersten Gehversuchen auf dem alten Kontinent. „Er ist unbekümmert, hat schnelle Beine und eine gute Technik“, zählt Glasner die Vorzüge auf.

Der Schritt rüber nach Europa hat sich für den Youngster schon jetzt gelohnt, dieser Tage ist er erstmals für die US-amerikanische Nationalmannschaft nominiert worden, die am 25. Januar, gegen Serbien und drei Tage später gegen Kolumbien spielt. Schon an diesem Samstag beginnt das sogenannte January-Camp. „Es macht mich sehr stolz, dabei sein zu dürfen“, sagt Aaronson, dessen Bruder Brenden vor einem halben Jahr für 30 Millionen Euro von Salzburg zu Leeds United wechselte und auch für die USA bei der WM in Katar am Ball war.

Paxten Aaronson hat sich schnell eingelebt in Frankfurt. Seine offene, herzliche Art hilft ihm bei der Integration. Er ist bescheiden und demütig. Er weiß, dass er sich hinten anstellen muss. „Ich muss geduldig sein, ich will jeden Tag lernen und mich verbessern.“ Geduld ist ein gutes Stichwort. Die wird er tatsächlich brauchen. Denn es ist nicht zu erwarten, dass er gleich am Anfang eine Rolle spielen wird. Wahrscheinlich wird er sich zunächst in der zweiten Mannschaft in der Hessenliga seine Sporen verdienen müssen, die Klubführung hat eine Spielgenehmigung beantragt. Für Aaronson ist das kein Problem. „Klar mache ich das. Hauptsache ich kann spielen.“

Das „Projekt Aaronson“ ist nicht auf die aktuelle Spielzeit ausgelegt, sondern auf die Zukunft ausgerichtet. „Der Klub hat einen Plan mit mir“, sagt der Rohdiamant. Er soll geschliffen und dann poliert werden.

Der Jungprofi soll das kommende halbe Jahr dazu nutzen, sich zu akklimatisieren und sich einzuleben. Er soll Land und Leute kennenlernen, sich in der anderen Kultur zurechtfinden und die Spielweise der Bundesliga adaptieren. Das braucht seine Zeit. Genau deshalb ist der Transfer jetzt und nicht, wie zunächst angedacht, im Juli vollzogen worden. Das kostete die Eintracht gar vier Millionen Euro. Aaronson soll durch diesen Zeitvorsprung zu Beginn der neuen Saison nahe an die Startelf heranrücken. Eine Ausleihe ist nicht angedacht. Denn von seinen außerordentlichen Fähigkeiten ist die Sportführung zu 100 Prozent überzeugt.

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