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"Es ging nicht mehr darum, dass ich der böse Maik bin, der Rüpel. Nein, auf einmal sollte ich der Rassist sein. Das ist unter aller Sau." Findet Maik Franz.
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"Es ging nicht mehr darum, dass ich der böse Maik bin, der Rüpel. Nein, auf einmal sollte ich der Rassist sein. Das ist unter aller Sau." Findet Maik Franz.

Interview mit Maik Franz

"Dann steckt man in der Schublade"

Raubein Maik Franz im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über sein Image und die Rassismus-Vorwürfe von Bancé.

Herr Franz, die Irritationen um Trainer Michael Skibbe sind zunächst einmal ausgeräumt. Wie haben Sie das aufgenommen?

Ich finde es super, dass nichts passiert ist, dass es so weitergeht wie bisher. Die Mannschaft steht total hinter Michael Skibbe, er hat klasse Arbeit abgeliefert. Im Team hat er einen super Stellenwert. Ich finde es gut, dass Heribert Bruchhagen und der Trainer jetzt Eintracht zeigen. Das sind beides ganz hervorragende Leute. Was Heribert Bruchhagen in Frankfurt geleistet hat, ist grandios.

Skibbe sagte, der Klub habe keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr. Man stoße an natürliche Grenzen. Ist das nicht auch eine Affront gegen die Mannschaft?

Wir haben es anders aufgefasst. Er hat uns explizit gesagt, dass es keine Kritik an der Mannschaft ist. Und wir finden auch, dass wir zusätzliche Qualität brauchen. Ich finde seine Einstellung gut. Er hat uns gesagt, dass es sein Anspruch ist, sich weiterzuentwickeln. Das wollen wir Spieler auch. Seine Rede kam gut an, jeder hat verstanden, was er meint.

Wie groß ist der Anteil von Michael Skibbe am Erfolg der Eintracht?

Sehr groß. Seine Ansprachen sind absolut top, er ist ein toller Redner, seine Rhetorik ist geschliffen. Er weiß, was er will. Und er trichtert uns ein, dass wir uns nicht kleiner machen sollen als wir sind. Wir spielen für Eintracht Frankfurt, und das soll jeder mit Stolz tun.

Welchen Anteil hat Maik Franz am Erfolg der Eintracht?

Die fünf Tore war ja nicht so schlecht (lacht). Da gehört natürlich ein bisschen Glück dazu. Aber ich würde nicht sagen, dass es nur Zufall ist. Ich habe in der Jugend im Mittelfeld gespielt und immer viele Tore gemacht. Bei den Männern bin ich dann hinten rein, aber bei Standards habe ich meine Torgefährlichkeit behalten. So drei, vier Tore pro Saison habe ich schon immer angepeilt. Und für die Rückrunde nehme ich mir noch mal zwei, drei Treffer vor. Ich denke ohnehin, dass wir aus den ruhenden Bällen noch viel mehr Kapital schlagen müssen. Wir haben viele kopfballstarke Spieler drin. Die Standards müssen eine Waffe werden. So wie bei Schalke, da hat man schon immer ein schlechtes Gefühl, wenn die einen Freistoß bekommen, weil man weiß: Von drei Freistößen ist einer drin.

Es fällt auf, dass sie als rechter Verteidiger die besseren Spiele gemacht haben. Sie sind sogar in der Kicker-Rangliste auf Rang drei geführt. Das muss Sie doch überrascht haben.

Eigentlich ist das ja nicht meine Position, aber ich habe mich daran gewöhnt und meine Sache ordentlich gemacht. Ich muss mich ja nicht schlechter machen als ich bin. Ich bin jetzt nicht der Filigrane, das ist klar, und dass ich auch den einen oder anderen Stockfehler drin habe, okay. Aber ich habe das Beste daraus gemacht.

Anfangs waren Sie gar nicht in der Mannschaft. Hat Sie das gewurmt?

Wenn man neu ist, ist es schwierig. Man muss sich zunächst an das Umfeld gewöhnen. Ich habe zwar alles gegeben, aber mich verbal eher zurückgehalten. Ich wollte erst mal ankommen. Das war vielleicht ein kleiner Fehler, vielleicht haben dadurch ein paar Prozentpunkte gefehlt. Aber ich habe das dann abgelegt, und seitdem läuft es besser.

Herr Franz, Sie polarisieren mehr denn je. Gerade nach dieser unschöne Geschichte im Spiel gegen Mainz mit Aristide Bancé, der Sie hinterher beschuldigte, ihn rassistisch beleidigt zu haben. Wie bewerten Sie die Sache mit einigem Abstand?

So, wie ich sie damals schon bewertet habe. Was da passiert ist, war unter aller Sau. Es ging ja nicht mehr darum, dass ich der böse Maik bin, der Rüpel oder Rowdy. Nein, auf einmal sollte ich der Rassist sein. Das ist unter aller Kanone. Da steckt man plötzlich in einer Schublade, und man kann nichts dafür. Da gucken einen die Leute auf einmal mit ganz anderen Augen an. Dabei habe ich so viele Freunde, die aus dem Ausland kommen. Die ganze Geschichte war völlig an den Haaren herbeigezogen. Ich habe mich aber umso mehr gefreut, dass alle bei der Eintracht, und vor allem Heribert Bruchhagen und Michael Skibbe, wie eine Wand hinter mir standen. Herr Bruchhagen war ja sogar mit bei der Anhörung, er hat mir voll vertraut. Das werde ich ihm auch nicht vergessen. Aber das, was der Christian Heidel (Manager von Mainz 05; Anm. d. Red.) da abgezogen hat, war nun nicht gerade die feine englische Art.

Was genau meinen Sie?

Na ja, der hat ja tagelang gegen mich mobil gemacht, er trampelte förmlich auf mir herum. Vielleicht hat es ihm ja Spaß gemacht, seinen Namen so oft in der Zeitung zu lesen. Ich fand das jedenfalls ganz schlechten Stil.

Aber gänzlich unschuldig waren Sie an dem Theater nicht.

Natürlich hätte ich es mir verkneifen können, dem Bancé so ins Ohr zu brüllen. Klar, das denke ich mir danach auch. Und dass ich mir nach meinem Tor vor dem Mainzer Fanblock ans Ohr gegriffen habe, das muss nicht sein. Manche Sachen sind unnötig, vielleicht sogar doof. Darüber kann man mit mir ja auch sprechen. Aber im Spiel sind eben meine Emotionen, da ist Adrenalin, da schießt man schon mal übers Ziel hinaus. Aber immer im Rahmen. Ich mache nichts Schlimmes.

Sie spalten die Fußball-Fans. Wollen Sie das so? Fördern Sie Ihr Bad-Boy-Image?

Ich stecke in diesen Schubladen, und irgendwann habe ich mir gesagt: "Warum sollst du das nicht für dich nutzen?" Ich versuche, dieses Image anzunehmen und das Beste daraus zu machen. Aber es ist nicht so, dass ich es direkt pflege und mir sage: "Jetzt musst du mal wieder eine krasse Aktion bringen." Nee. Ich bin so, wie ich bin. Mir ist durchaus bewusst, dass es zwei Sichtweisen gibt. Die einen sagen: "Boah, geil, der ist cool, der setzt Zeichen für sein Team, der gibt alles." Die anderen finden: "Der hat nen totalen Knall, dem ist nicht mehr zu helfen." Mir ist es egal, was die Leute denken. Für meine Freundin und meine Familie ist das nicht so angenehm, die werden schon mal komisch angeguckt. Mein Vater fragt mich schon manchmal: "Mensch, Maik, muss das sein?"

Und wie reagieren Sie darauf?

Na ja, eine Zeit lang habe ich überlegt, mich zurückzunehmen. Aber das wäre der falsche Weg. Das wäre nicht mehr ich, da wäre ich nicht mehr authentisch. Ich werden zu 100 Prozent meiner Spielweise treu bleiben. So bin ich stark geworden, so bin ich nach Frankfurt gekommen. Die Eintracht hat mich ja gerade deshalb geholt. Aber wissen Sie was? Ich habe keine Lust mehr, mich dauernd rechtfertigen zu müssen. Ich finde nichts Anrüchiges an meinem Spiel. Und wer mich nicht mag, mag mich eben nicht. Davon geht die Welt nicht unter.

Interview: Ingo Durstewitz

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