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„Fühlt sich super an“: Ansgar Knauff belebt rechte Seite der Eintracht

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Von: Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt

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Vor Freude in die Knie gegangen: Schütze Ansgar Knauff. Foto: dpa
Vor Freude in die Knie gegangen: Schütze Ansgar Knauff. © dpa

Der Winterneuzugang belebt den Flügel bei Eintracht Frankfurt entscheidend. Dafür bleibt Filip Kostic auf der linken Seite weiterhin hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

Frankfurt – Er genoss den Moment, ein bisschen unangenehm war er ihm aber auch. Nach Spielschluss, in der Gästekurve des Berliner Olympiastadions, reihte sich das Gros an Frankfurter Fußballern in einer Kette auf – nur zwei Leute nicht: Goncalo Paciencia, der in diesen ersten Wochen und Monaten des Jahres kaum noch fußballspielende Spaßvogel des hessischen Bundesligisten, und Ansgar Knauff, der freudig wie schüchtern dreinblickende Neue. Paciencia also schubste den Frankfurter Frischling, im Winter aus Dortmund gekommen, nach vorne. Und dann stand er da, der Ansgar, blickte ein, zwei Mal verlegen über die Schulter, ob ihm doch noch jemand folgen würde, ehe er in die Hände klatschte und den mitgereisten Fans dankte. Applaus hallte zurück.

Ansgar Knauff ebnete der Eintracht mit seiner Leistung am Samstag bei der Berliner Hertha den Weg zum 4:1-Erfolg. Das 1:0 war ihm per Kopf gelungen, das 2:0 leitete er mit einem Lauf am rechten Flügel und einer Flanke auf den langen Pfosten ein. „Es fühlt sich super an“, sagte er mit einem Grinsen im Gesicht, hielt sich mit Eigenlob aber wohltuend zurück. Bei seinem Führungstor sei er eigentlich nur hochgesprungen, zwar deutlich höher als der Berliner Abwehrmann, die gute Vorarbeit von Kollege Filip Kostic sei jedoch entscheidend für den Treffer gewesen. „Wir haben uns von den vergangenen Ergebnissen nicht unterkriegen lassen und uns das Selbstvertrauen in der Trainingswoche geholt“, sagte er noch.

Eintracht Frankfurt: Ansgar Kanuff belebt Offensive der SGE

Es war ja auch nicht so, dass Ansgar Knauff ein absolut herausragendes Spiel abgerissen hätte, gerade im Passspiel unterliefen dem jungen Mann, 20, zu viele vermeidbare Fehler, da wirkte er zu hektisch, zu hippelig am Ball, hätte ab und an lieber die sicherere Variante wählen sollen.

Andererseits darf die Eintracht erfreut sein, wenn auf der rechten Seite überhaupt etwas gewagt wird. Denn wen auch immer Trainer Oliver Glasner über weite Strecken der Saison dort aufbot, ob Timothy Chandler, Danny da Costa, Almamy Touré oder den mittlerweile komplett in der Versenkung verschwundenen Erik Durm, selten ging etwas in der Offensive. Die Seite wurde gar (unbewusst) von vielen Mitspielern gemieden, oft schien es so, als sei der Pass auf rechts so etwas wie der allerletzte Ausweg.

Mit Knauff war es diesmal anders. Auf 64 Ballaktionen kam er bis zu seiner Auswechslung in der 83. Minute, mehr als die zentralen Mittelfeldleute Kristijan Jakic und Djibril Sow. Zudem ließ er defensiv nichts anbrennen, gewann starke 71 Prozent seiner Zweikämpfe. Da hat sich einer weitere Einsätze und das Vertrauen des Trainers verdient. „Gutes Timing“ sei der Sieg gewesen, sagte Knauff mit Blick auf die anstehende Europapokalwoche.

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic kämpft um seine Form

Wenn die ausgewogenere Seitenverteilung betont wird, bleibt dennoch festzuhalten: Filip Kostic, der Mann auf links, bleibt der Fixpunkt im Frankfurter Spiel. Er war 79 Mal an der Kugel, kein Offensivspieler hatte mehr Aktionen. Das Muster, den Ball stets zu ihm zu passen, steckt drin im Team und ist grundsätzlich auch nicht verkehrt, schließlich ist ein Filip Kostic in Topform auch der mit Abstand gefährlichste Frankfurter. Doch derzeit ist Filip Kostic nicht in Topform.

Die Leistung von Berlin war zwar ein Schritt in die richtige Richtung, vor allem das 1:0 von Knauff bereitete er so vor, wie es nur wenige in der Bundesliga können. Da rammte er seinen muskulösen Körper zwei-, dreimal in die Gegenspieler hinein, behielt dadurch die Kugel am Fuß, ließ sich selbst von einem Rutscher nicht bremsen und flankte präzise in die Mitte. So kennt man Filip Kostic, so will er selbst wieder häufiger auftreten. Offensichtlich ist aber auch, dass er körperlich nicht in Optimalverfassung kickt.

Die Corona-Erkrankung zu Jahresbeginn scheint mehr Wirkung gezeigt zu haben als vermutet, ein grippaler Infekt kam obendrauf. Kostic ist einer, der von seiner Physis lebt. Er gewann in Berlin nur 33 Prozent der Zweikämpfe. Es gilt nun für ihn, nicht die Nerven zu verlieren, den Körper nicht zu überfordern, sondern ihn langsam heranzuführen an die Bestform. Denn eines ist klar: Die Frankfurter Eintracht braucht einen Filip Kostic in Top-Verfassung, auf ihren Besten kann sie nicht einfach so verzichten, selbst dann nicht, wenn Ansgar Knauff seine Leistung bestätigen und künftig häufiger als guter Gegenpart einspringen sollte. (Thomas Kilchenstein und Daniel Schmitt)

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