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Kreativer Kopf: Daichi Kamada.

Vertragsverlängerung mit der Kreativkraft

Daichi Kamada: Eine Rolex kaufen oder nicht?

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht-Spielmacher Daichi Kamada über die Gründe, in Frankfurt zu bleiben, seineangestrebten Scorerpunkte in der neuen Saison und den Einfluss von Makoto Hasebe.

Die Unterschrift von Daichi Kamada unter einen neuen, besser dotierten Vertrag bis 2023 kam jetzt nicht mehr ganz überraschend: Überraschend war allerdings der Zeitpunkt der Verkündung: Punkt Null Uhr am Dienstagnacht, da war es in Japan neun Uhr morgens. Zuletzt hatten sich die Anzeichen ohnehin verdichtet, dass der feine Techniker weiterhin bei Eintracht Frankfurt die Fäden im Mittelfeld ziehen wird. Der Japaner, den Trainer Adi Hütter im FR-Interview einst als „absoluten Kreativkopf“ und „positivste Erscheinung“ der letzten Saison bezeichnete, präsentierte sich am Mittwoch in einem Pressegespräch in aufgeräumter, entspannter Stimmung, er lachte viel, beantwortete ausführlich die Fragen. Und man merkte alsbald: Der 24-Jährige, der zuletzt wettbewerbsübergreifend zehn Tore erzielt und neun Vorlagen gegeben hat, weiß um seine Stärken, er wirkte sehr selbstbewusst, keinswegs zurückhaltend. Ganz konkret äußerte sich der Familienvater zu...

... seiner zögerlichen Vertragsverlängerung: Für mich war schon länger klar, dass ich bleibe. Es war nur noch um Vertragsdetails gegangen, und natürlich musste die Frage des Geldes geklärt werden. Ich hatte mich nie ernsthaft mit einem Wechsel befasst.

... den Gründen für seinen Verbleib: Mir war wichtig, dass der Vertrag über einen längeren Zeitraum geht. Darauf wollte ich achten. Ich habe, wie ich finde, in der Rückrunde gut gespielt, wir haben uns mit der Europa League beschäftigt. Und ich persönlich möchte noch auf ein anderes Level kommen, auf ein höheres. Und ich werde in der Mannschaft anerkannt, das ist mir auch sehr wichtig.

...den Dingen, die er noch verbessern muss in seinem Spiel: Der Trainer sagt, ich müsse mich im Abwehrverhalten verbessern. Obwohl ich finde, dass ich da nach der Corona-Pause schon Fortschritte gemacht habe. Und ich will meine Quote, was das Toreschießen und die Assists angeht, verbessern. Da muss ich noch einen Schippe drauflegen, auch wenn meine Quote nicht so schlecht ist. In der Bundesliga will ich insgesamt 15 Scorerpunkte schaffen, das ist mein Ziel. (In der vergangenen Bundesligarunde waren ihm acht Scorerpunkte gelungen, zwei Treffer, sechs Vorlagen, d. Red.)

... Angeboten von anderen Klubs: Es gab Anfragen. Aber nicht von Teams, die viel besser sind als Eintracht Frankfurt. Ein großer Schritt wäre gewesen, zu einem großen Verein zu wechseln, aber da gab es keine Angebote. Und ehe ich den kleinen Schritt mache, bleibe ich lieber in Frankfurt, wo ich mich wohl fühle.

...zu der Frage, ob ihm Landsmann Makoto Hasebe zur Vertragsverlängerung geraten hat: Makoto Hasebe hatte bei der Vertragsverlängerung keine Rolle gespielt. Keine Frage: Er ist eine große Persönlichkeit. Ich kann von ihm sehr viel lernen in vielen anderen Lebensbereichen. Abseits des Fußballs höre ich auf seinen Rat, etwa ob ich mir eine Rolex kaufen soll oder wo ich in Hawaii in Urlaub gehen soll. In fußballspezifischen Fragen weiß ich selbst ganz gut Bescheid, da habe ich immer selbst entschieden. Ich kann mich selbst ganz gut einschätzen.

...dem Einfluss von Trainer Adi Hütter: Er hat einen großen Einfluss auf meine Entwicklung. Ich habe mittlerweile das Gefühl, gebraucht zu werden. Das ist mir sehr wichtig, daraus beziehen ich mein Selbstvertrauen. Ich habe beim Trainer, insgesamt auch beim ganzen Verein das Vertrauen gespürt. So was brauche ich. Und ich finde, ich passe gut in die Mannschaft. Aber die Saison geht jetzt wieder bei Null los. Ich muss gleich wieder Leistung bringen.

... zu seiner Anfangszeit in Frankfurt, wo er ziemlich schnell nach Belgien, zu VW St. Truiden verliehen wurde: Als ich 2017 nach Frankfurt kam, hatten sie eine sehr starke Mannschaft mit starken Spielern auf meiner Position. Da war es sehr schwer, reinzukommen. Außerdem musste ich mich erst an den europäischen Fußball gewöhnen, an das Tempo und die Härte. Da hat es sich gezeigt, dass es noch nicht reicht für mich. In Belgien habe ich Spielpraxis erhalten und auf einmal haben mich die Leute anders gesehen. Auch dadurch habe ich Selbstvertrauen gewonnen.

...seine Ziele mit Eintracht Frankfurt: Irgendwann möchte ich mit der Eintracht schon mal Champions League spielen. Dafür muss aber die Leistung stimmen.So ist es auch mit der japanischen Nationalmannschaft. Da bin ich noch nicht so sehr im Blick. Auch mein Tor des Monats mit André Silva ist in Japan kaum bekannt geworden. Mein allerwichtigstes Torf war aber mein erstes in der J-League, finde ich. Aber wenn ich beständig gut spiele, kommen die Einladungen automatisch.

... seinen Deutschkenntnissen: Ich lerne Deutsch, das stimmt. Aber die Fortschritt sind noch nicht so, wie ich es möchte.

Aufgezeichnet: Thomas Kilchenstein, Übersetzung: Alexander Ostern

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