Dribbelte sich immer näher an die Startelf heran, muss nun vorerst aber wieder zuschauen: Eintracht-Flügelmann Amin Younes.
+
Dribbelte sich immer näher an die Startelf heran, muss nun vorerst aber wieder zuschauen: Eintracht-Flügelmann Amin Younes.

Amin Younes

Corona holt die Eintracht ein

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
    schließen

Eintracht-Neuzugang Amin Younes wird positiv auf das Coronavirus getestet – in Quarantäne ist er aber schon seit acht Tagen.

In den vergangenen Tagen ist der Frankfurter Fußballlehrer Adi Hütter häufiger mal gefragt worden, was denn nun eigentlich mit Amin Younes los sei, warum der gedrungene Flügelläufer der Eintracht nicht endlich mal eine Chance bekomme, von Beginn an seine Finten zu zeigen. Schließlich habe der 27-Jährige nach seinen Einwechslungen doch stets frischen Schwung entfacht und das oft zerfahrene Spiel belebt. Der 50 Jahre alte Trainer hat stets sehr geduldig geantwortet. Klar, Younes mache seine Sache gut und bringe ein anderes Element hinein. Allerdings habe er in den vergangenen zwei Jahren in Italien beim SSC Neapel herzlich wenig Spielpraxis sammeln können, weshalb seine körperliche Konstitution noch keine Startelfnominierung rechtfertige. Aber: „Er gewinnt von Woche zu Woche an Physis, deswegen kann ich mir vorstellen, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis Amin auch mal von Beginn an spielt.“

Daraus wird jetzt erst einmal nichts, denn der gebürtige Düsseldorfer ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Mit einiger Verzögerung. Der Außenbahnspieler ist bereits seit acht Tagen in häuslicher Quarantäne, weil es in seinem Familienkreis einen Covid-19-Fall gegeben hat. Und obwohl die ersten Tests in der vergangenen Woche negativ ausfielen, handelten die Eintracht-Verantwortlichen klug und schnell: Sie separierten den Profi umgehend vom Team.

Auch der Spieler reagierte besonnen und verantwortungsbewusst, weil er den Verein sofort davon informierte, in Kontakt mit einer offenbar an Corona erkrankten Person aus seinem engen privaten Umfeld getreten zu sein. Letztmalig hatte Younes am Sonntag vor einer Woche Kontakt zu seinen Mitspielern und dem Trainerteam – bevor er sich selbst infiziert hatte. Daher kann der Trainingsbetrieb regulär fortgeführt und die Vorbereitung auf das Heimspiel am Samstag (18.30 Uhr) gegen RB Leipzig planmäßig durchgezogen werden.

Bemerkenswert ist, dass Younes erst Anfang dieser Woche positiv getestet wurde. Wie lange der frühere deutsche Nationalspieler ausfällt, ist zurzeit nicht absehbar. Das hängt auch vom Verlauf der Krankheit und von weiteren Tests ab. Momentan ist der Spieler symptomfrei.

Für den noch nicht gänzlich austrainierten Akteur ist die Diagnose generell ein Rückschlag, nach seiner Gesundung wird er, selbst bei mildem Verlauf, erst einmal aufgebaut werden und Rückstände aufholen müssen. Die Sportliche Führung gibt dem Spieler, der anerkannt ist, sich gut eingefunden und für sein Engagement in Frankfurt erhebliche finanziellen Einbußen in Kauf genommen hat, so viel Zeit, wie er braucht. Die Eintracht ist mit dem Neuzugang rundweg zufrieden, sportlich wie charakterlich. „Dass er bei uns ist, ist toll“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic unlängst. „Er macht seine Sache gut, ist lernwillig und gleichzeitig topmotiviert, sich zu beweisen.“ Geduld braucht er jetzt trotzdem.

Daher trifft es sich ganz gut, dass Filip Kostic, der etatmäßige Linksaußen, schon am Dienstag wieder zum Team gestoßen ist. Der Nationalspieler ist bereits vor dem schnöden Remis in der Nations-League-Partie der serbischen Nationalmannschaft im ungarischen Budapest am Sonntag wieder nach Frankfurt abgereist. Das war zuvor mit dem Verband so abgesprochen.

Kostic voll im Saft

Kostic sollte nur im wichtigen (und letztlich im Elfmeterschießen verloren gegangenen) EM-Playoff-Spiel gegen Schottland dabei sein. Auch das war schon umstritten, besonders viele Einheiten hatte der Modellathlet da noch nicht in den Knochen. Nach fünfwöchiger Pause wegen eines Innenbandanrisses im Knie hatte der Auswahlspieler erst in der Woche vor dem Stuttgart-Spiel wieder das Training aufgenommen. Die Eintracht gewährte ihm dennoch die Reise zur Nationalmannschaft, wenn auch nicht mit dem besten Gefühl. „Ich würde ihn noch nicht aufstellen“, sagte Hütter vor dem Schottland-Spiel am Donnerstag.

Nationaltrainer Ljubisa Tumbakovic sah das anders, beorderte Kostic in die Startelf und ließ ihn eine Stunde spielen. Offenkundig war, dass dem schnellen Mann auf dem linken Flügel aber noch ein bisschen Kraft, Explosivität und generelle Wettkampfhärte fehlten. Für die Eintracht ist die kurze Reise des Spielers im Nachhinein dennoch eher positiv zu bewerten, schließlich hielt das Knie, Kostic hat eine weitere Trainingswoche und ein Pflichtspiel absolviert und kann nun zielgerichtet auf die Aufgabe gegen Leipzig vorbereitet werden.

Nützlicher Nebeneffekt: Den Trip nach Belgrad nutzte das Powerpaket, um bei seinem persönlichen Konditionstrainer Andreja Milutinovic vorstellig zu werden. Der gilt als Fitness-Guru, nicht nur Kostic schwört auf seine Fähigkeiten und seinen ganzheitlichen Ansatz. Der Besuch seines Vertrauten war für den Spieler enorm wichtig, „gerade für den Kopf“, wie Hütter betont. Und was Kostic hilft, hilft auch der Eintracht: Ohne ihn ist sie ja nur die Hälfte wert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare